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Info-Systeme melden Totalausfall

Info-Systeme melden Totalausfall

Guter Fahrgastservice sieht anders aus: Die Informationstechnik im Trierer Hauptbahnhof ist seit Wochen defekt. Die Bahn spricht von einer "Störung", deren Behebung noch einige Zeit in Anspruch nehmen kann.

Trier. Für Sprach- und Etikette-Ästheten ist der Trierer Hauptbahnhof derzeit kein Ort zum angenehmen Verweilen. Laute Flüche und wüste Beschimpfungen sind an der Tagesordnung. Aber wer will es denjenigen von den täglich dort ein- und ausgehenden gehenden 13 000 Bahnreisenden verdenken, die lautstark und bisweilen deftig ihren Unmut äußern? Unmut über etwas, das sie nicht sehen können: die Fahrgastinformation.Die Tafeln sind tot


Die Anzeigeanlagen sowohl in der Bahnhofshalle als auch an den Bahnsteigen sind tot und leer. Seit Wochen schauen Fahrgäste in die Röhre. Und fluchen.

Keine Information darüber, wann welcher Zug wo abfährt in Sicht, aber auch kein Ende der Misere.
Schuld ist, wie der für die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständige Bahn-Pressesprecher Torsten A. Sälinger auf TV-Anfrage erklärt, eine veraltete Technik: "Die Zugzielanzeiger und die Abfahrtstafeln sind Altanlagen, so genannte Fallblattanzeiger, und derzeit gestört. Die Altanlage arbeitete vor der Störung mit einer Steuerungssoftware, die herstellerseitig leider nicht mehr verfügbar ist."Komplexe Störung


Das Bahnhofspersonal versuche, "den Bedarf an Reisendeninformation durch häufigere Lautsprecheransagen und mit verstärkten Einsatz der Servicemitarbeiter im Bahnhof zu decken". Der Bahnsprecher räumt ein: "Dies gelingt uns leider nur bedingt, was wir natürlich sehr bedauern."

An einer Schadensbeseitigung wird laut Sälinger intensiv gearbeitet. Allerdings sei die Störung so komplex, dass die beauftragte Fachfirma nicht sagen könne, wie lange die Reparatur dauern wird.

Aber spätestens im Oktober soll ohnehin alles besser werden. Sälinger kündigt an: "Parallel zur Störungsbeseitigung an der Altanlage arbeiten wir an einer komplett neuen Informationsanlage, die unsere Kunden in Zukunft sowohl akustisch, als auch visuell informieren wird. Dazu wollen wir im dritten Quartal neue Anzeigeanlagen installiert und in Betrieb genommen haben."

Diese Aufrüstung sei Teil des Sanierungsprogramms für den Trierer Hauptbahnhof, das die Bahn im November 2013 angekündigt hat (der TV berichtete). Die Gesamtkosten für dieses Programm liegen bei 3,4 Millionen Euro.
Meinung

 Die Anzeigetafeln an den Bahnsteigen sind ebenfalls tot.
Die Anzeigetafeln an den Bahnsteigen sind ebenfalls tot. Foto: Roland Morgen

Von
Roland Morgen
Einfach erbärmlich!Der Hauptbahnhof ist alles andere als eine vorzeigbare Visitenkarte für Trier. Diese nicht neue Erkenntnis wird durch das aktuelle Total-Debakel bei den Anzeigesystemen nachdrücklich untermauert. Täglich 13 000 Menschen werden Zeugen der Nicht-Information. Wer erstmals nach Trier kommt, dürfte glauben, auf einem Provinzbahnhof hinter den sieben Bergen gelandet zu sein. Zumal mit unschöner Regelmäßigkeit dort auch Getränke- und Snackautomaten außer Betrieb sind. Dass Informationstechnik mal den Geist aufgibt, ist verzeihlich. Nicht aber, dass die Deutsche Bahn für ihre, wie sie selbst sagt, "Altanlagen" keine Ersatzteile mehr beschaffen kann. Das zeigt nämlich nur eins: Hier wurde keinerlei Systempflege betrieben, sondern es wurde kaputtgespart. Das ist einfach erbärmlich. r.morgen@volksfreund.de