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Infoveranstaltung zur Theatersanierung: Studie lässt viele Fragen offen

Infoveranstaltung zur Theatersanierung: Studie lässt viele Fragen offen

Braucht das Theater wirklich so viel zusätzlichen Platz? Warum wurde in die Sanierungsüberlegungen die zu kleine und sanierungsbedürftige Tufa nicht mit einbezogen? Das waren zwei Kernfragen des Publikums bei der Infoveranstaltung der Stadtverwaltung zur geplanten Theatersanierung. Rund 80 Leute waren dazu in die Tufa gekommen.

Trier. Während man die Stadtratsmitglieder an einer Hand abzählen konnte, waren etliche Architekten in die Tufa gekommen. Mit Alois Peitz hatte die Stadt einen der schärfsten Kritiker mit aufs Podium genommen: Der 84-jährige Architekt war schon beim Bau des Stadttheaters in den 1960ern dabei. "Nun soll das Haupthaus um 1500 Quadratmeter erweitert werden, ein zweiter Standort mit 6000 Quadratmetern entstehen und zusätzlich eine Kammerspielbühne mit 1600 bis 2000 Quadratmetern. Das sind rund 9000 Quadratmeter - und damit mehr, als das Haupthaus mit 8400 Quadratmetern heute hat. Ist diese Größenordnung wirklich angemessen?", fragte Peitz.
Kulturdezernent Thomas Egger hielt dagegen: "Es ist ja nicht so, dass wir bislang mit 8400 Quadratmetern zurechtkommen. Das Theater hat sieben weitere Standorte in der Stadt - angemietete Räume für Proben und Kulissenlager. Das alles soll am Augustinerhof und an einem künftigen zweiten Standort zusammengefasst werden."

Herbert Hofer, ebenfalls Architekt in Trier, hakte nach, inwiefern Augustinerhof und Viehmarkt städtebaulich in die Pläne einbezogen werden. "Oder baut man einfach an und alles wächst irgendwie zu?" Tatsächlich geht die Machbarkeitsstudie kaum auf das städtebauliche Umfeld ein.
Klaus Reh, Vorsitzender des Tufa-Trägervereins, kritisierte, dass die Machbarkeitsstudie andere Kultureinrichtungen - insbesondere der Tufa - nicht einbezieht. Auch die Kunstakademie in Trier-West bleibe außen vor, "dabei gibt es dort ungenutzten Platz ohne Ende", sagte Reh.

Reinhold Daberto, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Theapro, die die Machbarkeitsstudie im Auftrag der Stadt angefertigt hat, betonte, dass seine Studie auf den Daten aufbaue, die Stadt und Theater zur Verfügung gestellt hätten - insbesondere bezüglich des geforderten Raumprogramms. "Vielleicht sind wir nach mehr als 30 Jahren Theaterplanung ein bisschen betriebsblind, jedenfalls haben sie mit uns niemanden engagiert, der ein Theater in Grund und Boden spart, sondern der einen Vorschlag für ein gutes, funktionierendes Haus macht", verteidigte Daberto seine Studie.

Was Aufstockung um zwei Etagen oder Winkelanbau vom Augustinerhof entlang der Südwest-Fassade (der TV berichtete mehrfach) sowie der Neubau von Kammerspielhaus und einem zweitem Theaterstandort kosten würde, will Daberto bis Ende Juli ausgerechnet haben.
"Die Sache wird uns viel Geld kosten", prognostizierte Kulturdezernent Egger, "aber dann haben wir ein Haus, das hoffentlich die nächsten 50 Jahre gut funktionieren wird. Angesichts dieser langen Zeit relativiert sich, was wir uns leisten wollen und können."Extra

Intendant Karl Sibelius hatte in der Tufa seinen ersten öffentlichen Auftritt nach dem Beschluss des Stadtvorstandes, ihm die finanzielle Verantwortung für das Theater zu entziehen (der TV berichtete). Sibelius machte einen aufgeräumten und professionellen Eindruck und zeigte Humor: "Noch darf ich ja als Verwaltungschef antworten", scherzte er. Insgesamt finde er die Machbarkeitsstudie "intelligent und professionell", eine Kammerbühne sei nicht nur künstlerisch, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll, "egal, ob am Augustinerhof oder am Zweitstandort". Die Vorwürfe, das Theaterbudget im Jahr 2015 um 1,3 Millionen Euro überzogen zu haben, wies er in einem Nebensatz von sich: "Da war ich doch erst seit ein paar Monaten da", sagte er. Als Intendant angefangen hatte Sibelius im August vorigen Jahres. woc