INFRASTRUKTUR

Zur Berichterstattung über die Existenznot des Multikulturellen Zentrums Trier:

Im Herbst 2013 begann ich mit der Betreuung zweier Jugendlicher im Fach Mathematik. Der junge Kurde benötigte Hilfe bei seiner schulischen Ausbildung in einer höheren Berufsfachschule. Der afghanische Jugendliche suchte die Unterstützung als Begleitung zur Berufsausbildung. Beide sind wissbegierig und wollen bei teils nur bruchstückhafter Schulbildung die Bildungslücken ausgleichen. Der Afghane ist der typische Migrant, alleine, ohne Familie und über das Mittelmeer hier gestrandet. Das Multikulturelle Zentrum bot den Platz, uns zu treffen. Gleichzeitig sollte die deutsche Sprache dort erlernt werden. Also ging ich jeden Mittwoch für zwei bis drei Stunden ins Zentrum. Immer gab es ein volles Haus, aus Afrika, dem vorderen Orient und aus noch vielen anderen Ländern drängten die Jugendlichen hierher. Sie wollten etwas lernen. Es war ein so großer Andrang, dass ich mit meinen beiden Jugendlichen immer wieder zum Unterrichten in die Küche oder den Bürovorraum ausweichen musste. Gleichzeitig erlebte ich Studenten, die ehrenamtlich den unterrichteten. Hin und wieder traf ich auch ebenfalls pensionierte Lehrer, die wie ich kleine Gruppen betreuten. Ich fand die Situation toll. Bei dieser Vielfalt der Sprachen und Menschen hatte ich das sichere Gefühl, dass hier wichtige und vorzügliche Arbeit verrichtet wird. Dann las ich diesen unglaublichen Artikel "Ich habe keine Hoffnung mehr". Zorn überkam mich. Hatte ich doch gerade von der neuen Bildungsministerin gelesen: "Gute Kenntnisse der deutschen Sprache sind eine Grundvoraussetzung für schulischen Erfolg und für eine erfolgreiche Integration in die Gesellschaft. Die Sprachförderung von Kindern und Jugendlichen hat in der rheinland-pfälzischen Bildungspolitik daher einen sehr hohen Stellenwert." Wie passt das, wenn die einen 500 Millionen Euro ohne wirkliche Konsequenzen verzocken können und andere ehrenamtlich wirkende Männer und Frauen wegen fehlender läppischer 45 000 Euro aufgeben müssen? Es müsste doch einen Aufschrei aller verantwortungsbewussten Bürger geben! Ludwig Weyand, Gutweiler