INFRASTRUKTUR

Zur Polemik "Seid ihr noch zu retten?" (TV vom 20. Oktober):

Es stimmt natürlich nicht, dass den heutigen Bürgern alles egal sei. Das gilt allenfalls für das Prekariat. Wir Bürger setzen uns für Kultur und in diesen Zeiten der Schuldenorgien besonders für das Theater ein. Erst recht, nachdem bereits die Antikenfestspiele - trotz beschlossener Kulturabgabe - diskret erdrosselt worden sind. Sollen wir unseren Kindern eine verödete Stadt ohne Kunst und Musik und dazu noch 600 Millionen Euro Schulden vererben? Sparen kann man beispielsweise am Abriss einer Gewerbesteuer zahlenden Tankstelle, an einem "komfortablen" und nur 100 Meter langen Fahrradweg, der dann wieder mal 350 000 Euro kostet und an beiden Enden im gefährlichen Autoverkehr endet. Wer solchen Unsinn plant, an dem kein Bürger beteiligt wurde, sabotiert den von der Verwaltung proklamierten Sparwillen und macht sich der Verschwendung, ja sogar der Veruntreuung von Steuergeld schuldig. Katrin Hülsmann, Trier Was Frank Jöricke schreibt, ist tatsächlich Polemik hoch zwei. Mit derartigen Vergleichen kann man eine Stadt auch kaputt reden. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, mit dem Ziel, die Bürger zu verunsichern. Man kann sowohl für den Erhalt einer Tankstelle als auch für den Erhalt des Trierer Theaters sein. Allerdings muss man wissen: Das Theater belastet den städtischen Haushalt mit jährlich rund sieben Millionen Euro, und die Tankstelle bringt der Stadt einige Einnahmen. Die Trierer sind nicht verschlafen, aber wir brauchen auch keine so polemischen Gastkommentare, die lediglich dazu führen, das gute Image der Stadt zu beschädigen. Mehr Sachlichkeit ist das Gebot der Stunde! Annemarie De Pugh, Trier Als geborener Trierer sehe ich keinen Anlass für Katastrophenstimmung. Was der Gastkommentator sich mit seiner polemischen Fragestellung erlaubt hat, ist nichts anderes als billige Stimmungsmache. Die Trierer sind nicht verschlafen. Zur Kultur gehört auch das Bemühen, neben der wirklichen Welt eine menschlichere Welt zu schaffen. Die Stadt steht vor schwierigen Herausforderungen. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir sie zusammen mit den engagierten Bürgern aus eigener Kraft meistern werden. Wir Trierer brauchen keine Belehrungen von außen und erst recht keine Beschimpfungen, als seien wir nicht mehr zu retten. Manfred Maximini, Trier Mit dem Beitrag des Werbetexters Jöricke bin ich so nicht einverstanden, wenn ich auch davon ausgehe, dass er so übertrieben formuliert hat, um wachzurütteln. Es geht nicht um eine Tankstelle, die geschlossen werden soll, sondern um die Kosten eines Radfahrweges, der niemandem nutzt und den niemand braucht, der aber den Trie rer Bürgern doch einiges Geld abverlangt, was offenbar nicht vorhanden ist. Stadtentwicklung hin oder her: Wenn die Kassen leer sind, muss die Stadtentwicklung eben noch etwas warten. Wenn eine Tankstelle so einen Aufschrei verursachen kann, muss man sich doch vielleicht auch einmal fragen, was das Theater falsch macht, dass es nicht in aller Munde ist und so still vor sich hindümpelt. Ich jedenfalls bin für das Theater und besuche es oft und gern. Ich bin gegen die Kosten für einen Radweg. Der Erhalt der Tankstelle ist mir persönlich völlig egal. Dagmar Neugebauer-Tatz, Gusterath