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Ingrid Moritz kandidiert als Parteilose für die Landtagswahl 2021 für den Wahlkreis Trier

Landtagswahl : Eine Direktkandidatin, die alleine kämpft

Ingrid Moritz schwimmt gegen den Strom. Die Einzelbewerberin will sich keinem Parteienzwang unterwerfen und klare Kante zeigen. Für den Wahlkreis Trier tritt sie als Direktkandidatin an.

Ein Blatt nimmt Ingrid Moritz nicht vor den Mund. Sie äußert unverblümt ihre Meinung, egal was andere von ihr denken mögen. „Ich bin eine Kämpferin. Mein ganzes Leben lang musste ich kämpfen. Ich komme aus einer großen Familie und war nie auf Rosen gebettet“, sagt sie. Moritz will als parteilose Kandidatin in den Landtag einziehen und damit als Vorbild für andere dienen. „Ich möchte Menschen dazu bewegen, in die Parlamente einzuziehen ohne Parteienzugehörigkeit. Ich bin froh, keinem Parteizwang zu unterliegen.“

Von Parteien hat die 71-Jährige ohnehin genug. Eine kurze Zeit lang ist sie Mitglied des Trierer Kreisverbandes der AfD, aber da macht sie  schnell wieder einen Rückzieher: Deren Inhalte sagen ihr nicht zu. Stattdessen engagiert sie sich bei den Freien Wählern. 2019 war sie deren  Kreisverbandschefin, doch schon ein Jahr später tritt sie und mit ihr der gesamte weitere  Vorstand der Trierer Freien Wähler zurück. Grund: Streit mit dem Landesverband um die Kandidatur von Moritz für die Landtagswahl 2021. Diese Erfahrungen liegen nun hinter ihr, und sie hat daraus ihre Konsequenzen gezogen: „In allen Parteien läuft es nach dem gleichen Muster ab. Deswegen bin ich bei den Freien  Wählern ausgetreten, und deswegen bin ich parteilos.“

Doch ihre Vergangenheit hat sie eingeholt. Ein  Gespräch mit dem NPD-Landesvorstand im Jahr 2017 ist folgenreich: Die rechtsextreme Partei gibt eine Wahlempfehlung für Moritz heraus (der TV berichtete).  Die hatte den Kontakt nach eigenen Angaben „ganz ausgeblendet, da es für mich damals belanglos war“ und sie seitdem keine Verbindung mehr zu diesen Personen gehabt habe.

Die promovierte Ärztin, die lange in der Trierer Innenstadt praktizierte, betritt spät die politische Bühne. Erst jetzt in der Rente habe sie Zeit für politisches Engagement, erzählt sie. „Ich war Ärztin. Das ist ein 24-Stunden-Tag. Ich habe mich meinen Patienten immer intensiv gewidmet. Heute noch erhalte ich Weihnachtskarten von Patienten, die ich vor 30 Jahren behandelt habe.“ Als sie vor einigen Jahren ihre Praxis schließt, hält sie nichts mehr auf: „Ich möchte nicht mehr weiter zugucken, sondern etwas verändern. Ich habe ja verfolgt, was 20, 30 Jahre lang so abgelaufen ist. Da habe ich mir vorgenommen: Jetzt tue ich was!“

Die Hände kann sie offenbar ohnehin nicht in den Schoß legen. Sie sei ein Workaholic, stellt die pensionierte Ärztin fest. „Aktuell mache ich Politik. Das ist jetzt mein Hauptberuf. Da lege ich mein Herzblut rein.“ Für Interessen oder gar Hobbys habe sie so gut wie keine Zeit. Und doch. Wenn der große Garten ruft, werkelt die Naturliebhaberin gerne und ausgiebig in ihrem Kräutergarten. „Ich habe im vergangenen Jahr sogar Kartoffeln angepflanzt. Ich lagere Äpfel ein und koche Marmelade.“ Und noch etwas würde sie gerne tun, hätte sie Muße dazu: eine weitere Sprache neben Englisch, Französisch und Russisch lernen. „Immerhin habe ich auch drei Berufsausbildungen. Ich bin Kauffrau, graduierte Sozialarbeiterin und promovierte Fachärztin.“

Kein Wunder, dass ihr Spezialgebiet das Gesundheitswesen ist, bei dem ihrer Ansicht nach viel im Argen liegt. Ohne Unterstützung einer etablierten Partei auszukommen, schätzt sie als Vorteil in ihrer Position. Als Einzelkämpferin könne sie unabhängig, ehrlich und zuverlässig agieren, macht sie klar und formuliert ihre Thesen so: „Ich kann Vorschläge objektiv und unvoreingenommen einbringen. Ich muss mich nicht beraten und festlegen, wie die Abstimmung zu laufen hat. Und ich bin frei von parteipolitischen Zwängen und Seilschaften.“ Bürgernähe ist ein Stichwort, das bei ihr oft fällt. „Ich möchte bürgernah sein ohne ideologische Scheuklappen.“

Auf die Frage, welche persönliche Zielmarke sie denn bei der Wahl anvisiert habe, sagt sie: „Ich kann das in Prozenten nicht ausdrücken. Mein Ziel ist es, in den Landtag zu kommen.“