1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Innocent Nsengimanas zweites Buch der Reihe "Die Geschichte Ruandas"

Literatur : Neuer Blick auf die Geschichte Ruandas

Der Weg zur Rationalität: Der Trierer Historiker Innocent Nsengimana legt ein weiteres Buch zu seinem afrikanischen Heimatland vor. Hierzu hat er sich auch bislang unveröffentlichter Quellen bedient.

(fj) „Die Gesellschaft Ruandas ist durch eine ideologische und einseitige Sichtweise auf die Geschichte des Landes geplagt“, sagt Innocent Nsengimana. Der Autor, der in Korlingen (Landkreis Trier-Saarburg) wohnt, will mit seinem zweiten Buch einen Beitrag dazu leisten, dies zu ändern. Der 60-Jährige stammt aus Ruanda und hat an der Universität Trier promoviert.

Der Titel des Werks lautet: „Die Geschichte Ruandas. Des­ideologisierung und Wiederherstellung der historischen Fakten. Beitrag zur sozialen und politischen Geschichte Ruandas“. Es handelt sich um eine Weiterführung seines Buchs „Ruanda. Der Weg in die Unabhängigkeit“ (der TV berichtete).

Das neue Buch ist mit 461 Seiten deutlich dicker als sein Vorgänger, beschäftigt sich jedoch auch mit einer wesentlich längeren Zeitspanne. So beginnt Nsengimana mit geografischen und historischen Daten der Vorkolonialzeit und geht kurz auf die sozialen und politischen Eigenschaften des postkolonialen Ruanda vom Ende des 20. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts ein. Am Ende beschäftigt sich das Buch mit der Kolonialzeit, die vor allem durch die Revolution 1959 gekennzeichnet wird.

Außerdem geht der Autor auf Ursachen der Revolution ein und erläutert ihre Konsequenzen. Auch die sozialpolitische Situation des heutigen Ruanda wird thematisiert. Hier treten der Rassengedanke und das Ressentiment (versteckter Groll) der Gesellschaft wieder zum Vorschein. Nsengimana beklagt eine bisher einseitige Übermittlung der Geschichte Ruandas, die zu politisch-militärisch und dem „Sindi-Nyiginya“-Königreich zugewandt sei. Außerdem weise die bisher übermittelte Geschichte Lücken auf, die Nsengimana mit der Wahrheit füllen will. Er möchte mit seinem Buch einen Beitrag leisten, den Bürgern des heutigen Ruanda frei von Ideologien die wahre Geschichte ihres Landes zu vermitteln, die auch einige andere Königreiche beinhaltet. Gleichzeitig soll das Buch aber nicht detailliert sein, sondern lediglich einen Überblick über die echte Geschichte Ruandas verschaffen.

Als Quellen verwendet Nsengimana archäologische Entdeckungen, volkstümliche und offizielle mündliche Überlieferungen und die Ahnenforschung. Bei der Recherche reiste er auch über die Grenzen Ruandas hinaus und stellte im Verbreitungsgebiet der anderen Königsfamilien Nachforschungen an.

Innocent Nsengimana nimmt für sich in Anspruch, Mythen und Legenden durch bisher nicht veröffentlichte Quellen zu widerlegen. Außerdem ist er der Überzeugung, dass man ein Land nicht zum Frieden führen könne, ohne die Vergangenheit zu kennen.

Bisher ist das neue Buch von Nsengimana in Deutschland noch nicht im Handel erhältlich, sondern nur beim Verlag „Editions Sources du Nil“ in Frankreich. Dort kostet es 30 Euro. Infos auf Französisch unter

www.editions-sources-du-nil.fr