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Integrative Gesamtschule: Interesse groß, Budget klein

Integrative Gesamtschule: Interesse groß, Budget klein

Die Nachfrage brummt, das Land hat ein Ganztags-Angebot genehmigt, und trotzdem blickt Triers künftige Gesamtschule auf dem Wolfsberg nicht ohne Sorgen auf die Stadtrats-Sitzungen in dieser Woche. Denn viele bauliche und organisatorische Minimal-Forderungen müssen erst erfüllt werden - und das kostet Geld.

Das Telefon klingelt dieser Tage oft bei Josef Linden, dem Leiter der Ludwig-Simon-Realschule, die ab dem kommenden Schuljahr etappenweise in der ersten Trierer Gesamtschule aufgehen wird. Fast immer sind Eltern am Apparat, die sich nach den Zulassungsbedingungen für die IGS erkundigen, die im Sommer 2010 mit 120 Fünftklässlern den Betrieb aufnehmen soll.

Bis nach Wintersdorf, Gusterath oder gar Speicher reicht die Nachfrage - obwohl auf Wunsch des Schulträgers, der Stadt Trier, die Trierer Schüler bei der Verteilung der Plätze bevorzugt werden sollen - was die Chance Auswärtiger nicht unbedingt erhöht.

Aber die Stadt ist auch anderweitig am Brett. Denn sie muss bei den Haushaltsberatungen in dieser Woche den Weg für eine Reihe dringlicher Maßnahmen freimachen, wenn das ehrgeizige Projekt nicht ins Schleudern kommen soll.

Dabei geht es zunächst gar nicht um große Lösungen, wie sie die Planer mittelfristig angedacht haben. Schulleiter Linden, der zur Planungsgruppe gehört, die die zuständige Schulaufsicht ADD einberufen hat, formuliert eher minimale Voraussetzungen für die Aufnahme der Arbeit.

So soll die neue IGS, die zunächst in einem Untergeschoss der Realschule Platz findet, laut Linden "wenigstens nach außen hin deutlich erkennbar machen, dass es sich um eine neue, eigene Schule handelt". Ein Lehrer-Stützpunktraum müsse eingerichtet werden, um eine Umsetzung des innovativen Schul-Konzeptes zu ermöglichen. Und auch das Mobiliar der Klassen sollte den Anforderungen eines kooperativen statt frontalen Unterrichtes entsprechen.

Ebenfalls ganz oben auf der Liste der Voraussetzungen: behindertengerechte WCs. Noch hat die Stadt den Antrag nicht gestellt, die IGS als Schwerpunktschule für die gemeinsame Unterrichtung behinderter und nichtbehinderter Schüler auszuweisen. "Wir wollen diesen Weg gehen", sagt Linden. In dieser Woche berät man mit der ADD über die Frage, bei welcher Form von Behinderung die Schule auf dem Wolfsberg die geeignete ist. Aber gerade die gewünschte Integration wird weitere bauliche Ansprüche mit sich bringen.

Die unzureichende Computer-Austattung, der Nachbesserungsbedarf bei den naturwissenschaftlichen Räumen, der erhoffte naturnahe Schulhof vor der Klassentür: Da fehlt noch vieles an einer funktionsfähigen Gesamtschule. Josef Linden hofft darauf, "dass manches beim Land förderungsfähig wird, wofür es bislang keine Unterstützung gab".

Die Eltern lassen sich derweil von den Ungewissheiten nicht bremsen. Aber sie müssen sich noch in Geduld üben: Die Anmeldephase ist vom 30. Januar bis 3. Februar. Und schon tags drauf soll entschieden werden, wer einen Platz in der neuen Schule ergattert. Dabei wird ein Losverfahren angewendet, das für eine gleichmäßige Verteilung "besserer" und "schlechterer" Schüler in die Klassen sorgen soll. Wer nicht zum Zug kommt, ist dann immer noch früh genug dran für die Anmeldung an anderen Schulen.