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Interview mit Triers Sozialdezernentin Elvira Garbes zum Exhaus

Interview : Sozialdezernentin Elvira Garbes über das Trierer Exhaus: „Ein Mammutprojekt“

Triers Sozialdezernentin Elvira Garbes ist hochmotiviert, die Sanierung des Ex-Hauses anzugehen – auch, wenn es noch Jahre dauern wird und die Kosten noch nicht absehbar sind.

Die Sanierung des Exhauses am Zurmaiener Ufer wird vermutlich einen zweistelligen Millionenbetrag kosten. Gegen diese hohen Sanierungsausgaben müssten allerdings die „sozialen Kosten“ gerechnet werden, die anfallen würden, wenn der Exhaus-Verein keine neue Heimat bekäme, meint Triers Sozialdezernentin im TV-Interview.

Das grobe Raumkonzept für die Sanierung des Ex-Hauses steht. Was wird sich ändern – oder bleibt beim pädagogischen Konzept alles so, wie es war?

Elvira Garbes: Im vergangenen Jahr hat es eine große Jugendkonferenz gegeben, an der unter vielen anderen auch das Jugendparlament beteiligt war. Dabei war ein Ergebnis, dass es nach wie vor bei den jungen Leuten den Bedarf nach Räumlichkeiten ohne Konsumzwang gibt. Man will sich also treffen können, ohne dazu in ein Café oder eine Kneipe gehen zu müssen, in denen man gleich wieder zum Geldausgeben mehr oder weniger gezwungen ist. Ein Treffpunkt, um Freunde zu sehen. So ein Treffpunkt zu sein, das hat das Exhaus auch bisher geleistet – deshalb ist diese frühere Nutzung auch das Konzept für die weitere Nutzung – wir wollen schließlich nicht an den Bedürfnissen der Jugendlichen vorbeiplanen.

Räume sind zunächst mal die Voraussetzung für pädagogisches Arbeiten. Die pädagogische Arbeit kann sich natürlich ändern, auch wenn Räume und Grundrisse identisch bleiben. Das Grundkonzept sieht deshalb vor, dass die Nutzungen erhalten bleiben, aber optimiert werden. Deshalb gibt es im Entwurf beispielsweise auch eine Erweiterung im Bereich der Kindertagesbetreuung.

Wissen Sie schon, was die Sanierung des Ex-Hauses ungefähr kosten wird und wann das Stammhaus des Vereins bezugsfertig sein wird?

Garbes: Dazu kann ich vor der Fertigstellung der HU Bau (Anm. d. Red.: Die Hauptuntersuchung Bau sind Verwaltungsunterlagen, für die die konkreten Baukosten und -arbeiten analysiert und aufgestellt werden) nichts sagen. Die dient ja dazu, genau dies zu ermitteln.

Die Orangerie im Schießgraben soll zur Zwischennutzung während der Bauzeit für gut 1,8 Millionen Euro hergerichtet werden. Ein teures Provisorium, oder nicht?

Garbes: Die Sanierung des Exhauses ist ein Mammutprojekt, das sicherlich einige Jahre dauern wird. Von einem wirklichen Provisorium kann man daher eigentlich nicht sprechen. Wenn wir das Objekt am Schießgraben nicht herrichten, müsste womöglich eine ganze Generation junger Leute auf ein jugendgerechtes Angebot verzichten. Das können wir nicht verantworten. Man darf hier nicht nur die monetären Kosten sehen, sondern darf auch die ,sozialen Kosten’ nicht aus den Augen verlieren – wenn wir das Projekt nicht machen würden.

Was könnte nach dem Umzug des Exhaus-Vereins zurück ins alte Exhaus aus der Orangerie am Schießgraben werden?

Garbes: Es ist noch reichlich früh, sich darüber schon Gedanken zu machen. Die anstehende Sanierung des Gebäudes hat aber sicherlich auch im Hinblick auf eine mögliche Folgennutzung Sinn. Angesichts der Lage in der Nähe der Berufsschulen und der Hochschulen ist beispielsweise eine Folgenutzung aus dem Jugendbereich durchaus denkbar. Die Räume also als Jugendcafé, als Schwerpunkt der Jugendbeteiligung in Trier zu nutzen, könnte auch weiterhin möglich sein.

Wie hoch ist die Motivation, im ohnehin schon wegen der Corona-Krise völlig aus dem Ruder gelaufenen Haushalt so viele Millionen für die Herstellung und Sanierung von Kulturzentren lockerzumachen – wo bislang völlig unklar ist, wann große Konzerte wieder stattfinden und Clubs wieder öffnen dürfen?

Garbes: Die Motivation ist hoch. Denn es wird auch wieder Zeiten nach Corona geben – und die Bedürfnisse der jungen Menschen für Konzerte, Kultur und das gemeinsame Treffen werden dann sicherlich die gleichen sein wie vor Corona.

Anbau Tufa, Generalsanierung Theater, Sanierung Tufa, Sanierung Orangerie, Sanierung Ex-Haus – das sind ziemlich gleichzeitig ziemlich hohe (freiwillige) Kulturausgaben. Machen die Finanzaufsicht beziehungsweise das Land als Zuschussgeber das mit?

Garbes: Jedes einzelne dieser Projekte hat aus Sicht der Verwaltung einen hohen Stellenwert und muss einzeln betrachtet werden. Das wird die Verwaltung so auch gegenüber Zuschussgebern darstellen. Es bringt nichts, die Projekte oder diejenigen, die davon profitieren, gegeneinander auszuspielen.