Ist Trier wirklich eine „Hurenhauptstadt“?

Ist Trier wirklich eine „Hurenhauptstadt“?

237 Prostituierte auf 100.000 Einwohner – ist Trier eine der „Hurenhauptstädte“ Deutschlands? Das hat die Welt am Sonntag berichtet. Ein Bestätigung für die Zahlen gibt es aber bisher nicht.

"Das sind Deutschlands Huren-Hauptstädte", schreibt bild.de in bekannt plakativer Manier und listet Städte aus ganz Deutschland und Prostituiertenzahlen auf , jeweils umgerechnet auf 100.000 Einwohner. Die Statistik stammt von der Welt am Sonntag , die als Quelle "präzise Angaben bis grobe Schätzungen" der Polizei angibt.

Platz 1: Augsburg mit 244, Platz 2: Trier mit 237 auf 100.000 Einwohner oder 250 Prostituierten absolut. Abgeschlagen: die Millionenstadt Hamburg mit der Reeperbahn auf Platz 16.

Dass es in der Region Trier wegen der Grenznähe zu Luxemburg und Frankreich eine hohe Zahl von Prostituierten gibt, ist bekannt (der TV berichtete mehrfach). Genaue Zahlen gibt es aber nicht. Woher die Welt-am-Sonntag-Zahl für Trier stammt, ob dies eine Schätzung der Trierer Polizei ist, ließ sich heute nicht ermitteln.

Das Trierer Finanzamt hatte gegenüber dem TV die Zahl der Prostituierten Ende 2012 mit 65 angegeben - deutlich weniger als 237 also.

Auch die Stadt Trier kann auf volksfreund.de-Nachfrage die hohe Zahl nicht bestätigen. Pressesprecher Ralf Frühauf verweist darauf, dass es für Prostituierte keine Meldepflicht gebe. Offiziell registriert seien in Trier fünf Straßenprostituierte. Daneben habe die Stadt Kenntnis von 16 gewerblichen Zimmervermittlungen, bordell- und barähnlichen Betrieben.

Auch die seit Oktober 2011 erhobene Vergnügungssteuer für Prostitution (gemeinhin "Sexsteuer" genannt) lasse keine Rückschlüsse zu. Frühauf: "Sie wird vorwiegend als Pauschsteuer nach der Größe des benutzen Raumes erhoben." Man kann daraus also nicht ablesen, wie viele Prostituierte dort arbeiten.

Die Zahl von 237 halte die Stadt jedoch für zu hoch. Nach Frühaufs Angaben hat Einführung der Sexsteuer vom 1. Oktober 2012 bis zum 31. Oktober 2013 knapp 76.000 Euro eingebracht. mic