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Italiens Küche in einstigem Kelterhaus

Italiens Küche in einstigem Kelterhaus

Früher haben sie es als Abstellfläche genutzt, heute ist es ein Schmuckkästchen: Das Kelterhaus von Gut Sommerau ist in den letzten drei Jahren von der Weinkellerei Peter Mertes saniert worden. Dabei sollte die Authentizität des Hauses erhalten bleiben.

Sommerau. Der Ort strahlt Ruhe aus. Umringt von Weinbergen, Bäumen und Gräsern, steht das Haus inmitten der Natur. Weder Autos, noch Stimmen sind zu hören. Der Blick ins Weite zeigt ein grünes Tal mit einer herausragenden Burgruine. "Niemand möchte so eine Burgruine kaufen. Die Instandhaltung kostet einiges an Geld", sagt Weingutsbesitzer Michael Willkomm und nippt an seinem Sommerau-Wein.Lage mit hohe Frostgefahr


Doch das verfallene Gemäuer gehört nunmal dazu, genauso wie der Wald, das Kelterhaus und der Seerosenteich. Die Familie Willkomm kaufte Gut Sommerau 1958. Trotz der perfekten Aussicht wollte das Weingut niemand haben, da die Frostgefahr in diesem Bereich sehr hoch war. Doch der Vater von Willkomm, Peter Mertes, war überzeugt von dem Grundstück und stolz auf es bis ans Ende seines Lebens: "Verkaufe niemals das Weingut Sommerau", gab er seinem Sohn als letzten Wunsch mit.
So wurde das Kelterhaus bis vor 20 Jahren genutzt, zum Schluss diente es jedoch nur noch als Abstellfläche, da der Wein in Wehlen produziert wird. Irgendwann stand lediglich ein heruntergekommener Bau inmitten des grünen Fleckchens. Die Decken waren nass, das Dach zerstört, der Komplex verwildert.
Doch vor drei Jahren beschloss Michael Willkomm das Haus vor dem Verfall zu retten und erarbeitete gemeinsam mit der Architektin Rita Vollmuth aus Kanzem eine Planung. "An der Ruwer ist immer wenig passiert, wir wollten der Region etwas Gutes tun", sagte Willkomm. So entstand das dreijährige Projekt in dem kleinen Örtchen Sommerau, das dem Ruwertal neues Leben einhauchen sollte.
Wegen seiner Leidenschaft zur Architektur und seiner Begeisterung für den einfachen Bau des Kelterhauses wollte Willkomm vor allem die Authentizität des Hauses erhalten.
Historisch einzigartig ist das Gebäude unter anderem wegen des unbehauenen Schiefers aus den Weinbergen. Auch die Stilistik ist speziell: Hoch in den Himmel ragende Kamine aus Naturstein und in die Mauer eingelassene Fenster, die durch ihre Proportionen harmonisch wirken.
Man sieht auch noch nach der Sanierung die Eisenträger, die von unterschiedlichen Eisenbahnschwellen stammen, aus der Hauswand ragen. Die Treppen hinauf gehen die Gäste auf original Eifeler Basalt.
Bei der Erneuerung wurde eine Erdwärmeheizung eingebaut, sodass das Gut komplett emissionsfrei ist. Die modernen Fenster, gute Isolierung und das neue Dach verbessern die Energiebilanz des Kelterhauses.
Erst während der Sanierung entschloss sich der Besitzer dazu, das Kelterhaus gastronomisch zu nutzen. Für die Familie kam da nur einer infrage: Luigi Jenopoli, ein Freund, war der Auserwählte. Der Italiener hat bereits ein Restaurant in Bernkastel und war sofort von der Idylle überzeugt: "Hier ist einfach eine wunderbare Stille. Die Lage ist perfekt", sagte der Koch. Das Restaurant sollte den Außenbereich widerspiegeln. Das Innere ist modern, elegant und schlicht gehalten. Einen Einblick in vergangene Zeiten bieten die alten Fotografien an der Wand. Auch die Ruwerer haben das idyllische Haus inmitten des 76-Einwohner-Dorfes für sich entdeckt.
Das Restaurant wird vor allem von Einheimischen besucht.
Für Gäste, die diesen Ort der Ruhe genießen, hat die Weinkellerei drei Mietwohnungen im oberen Stock des Hauses eingebaut.Extra

Das heutige Restaurant war früher ein Verwalter- und Kelterhaus. 1898 ließ Adolph Hüsgen, ein bedeutender Weinhändler aus Traben-Trarbach, ein Weingut mit 6 Hektar Fläche anlegen. Gerade zur Preußenzeit und wegen des industriellen Aufschwungs war Moselwein begehrt. Zum Weingut gehörten die Burg-Ruine Sommerau und das Kelterhaus, in dem die Trauben von oben in die mit Wasserdruck arbeitende Doppelkelter gegeben wurden. Von der Kelter aus lief der Most in den darunter liegenden Keller in Gärfässer. Zudem wurde erstmals ein Stausee angelegt, um das Mikroklima im Talkessel zu verbessern. Einer der Nachteile von Sommerau war nämlich die Frostgefahr. Dennoch kaufte die Familie Willkomm 1958 das Weingut inklusive der Burgruine und war von der Lage überzeugt. Das Haus wurde anfangs zum Keltern genutzt, später diente es als Abstellfläche. Vor fünf Jahren kam die Idee zur Sanierung. sjsExtra

Architektur und Wein: Sie bauen aus, sie bauen um, sie bauen an: Viele Traditionsweingüter an Mosel, Saar und Ruwer wandeln sich. Eine neue Generation von Winzern stellt sich den Herausforderungen der Zukunft, indem sie auch architektonisch neue Wege geht. In einer sechsteiligen Serie berichtet der TV über Winzerbetriebe, die dabei ihre Vorstellungen ganz unterschiedlich umgesetzt haben. vk