1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Jägerkaserne: Ehrenamtliche helfen bei Betreuung von Flutopfern aus Ehrang

Nach der Hochwasserkatastrophe : Auch in der Not gilt: Reden hilft!

In der Jägerkaserne unterstützen viele Ehrenamtliche Stadt und Caritas bei der Betreuung von Flutopfern aus Ehrang.

Was nach einer lockeren Plauderrunde im Freien aussieht, hat einen ernsten Hintergrund. Die beiden Männer, mit denen sich Martina Jacoby unterhält, sind Ehranger Flutopfer. Die Kellerwohnung von Alberto Aguiar (72) in der Quinter Straße stand komplett unter Wasser und ist nun unbewohnbar, und Detlef Carota (60) ahnt, dass es bei ihm daheim in der August-Antz-Straße „schrecklich aussieht. Keine Ahnung, ob die ich noch mal wohnen kann“.

Vorübergehend habe die beiden eine Bleibe in der ehemaligen Jägerkaserne in Trier-West gefunden – so wie fast 120 weitere Stadtteil-Mitbewohner. „Aber Essen, Trinken und ein Schlafplatz sind nicht alles“, weiß Martina Jacoby. Deshalb hat sich die 65-Jährige frühere Krankenschwester in die Jägerkaserne begeben und bietet den Leuten dort an, „mit ihnen zu reden, wenn sie wollen“. Carota will, denn er findet das „super! Reden hilft. Gerade jetzt.“

 In der Jägerkaserne in Trier-West haben viele Menschen aus Ehrang, die nach der Flut nicht in ihre Wohnungen zurückkönnen, vorübergehend eine Notunterkunft gefunden.
In der Jägerkaserne in Trier-West haben viele Menschen aus Ehrang, die nach der Flut nicht in ihre Wohnungen zurückkönnen, vorübergehend eine Notunterkunft gefunden. Foto: Roland Morgen

Normalerweise dient der südliche Teil des Jägerkaserne-Komplexes in der Eurener Straße als Unterkunft für Asylsuchende. Knapp 50 Menschen, vorwiegend aus Afghanistan und Syrien lebten bis vergangenen Donnerstag dort. Am Freitag vervierfachte sich die Zahl der Bewohner plötzlich. Die Menschen, die vor der Flut in Ehrang evakuiert worden waren, wurden nach einer Nacht im Schulzentrum am Mäusheckerweg in die Jägerkaserne verlegt.

Für Einrichtungsleiter  Joshua Schulte (33) und Caritas-Abteilungsleiter Bernhard Jocher (60) und ihre Teams ist die ehrenamtliche Unterstützung, die sie vo außen erhalten, „mit Geld nicht zu bezahlen“. Ein Beispiel: Während am Montag noch überlegt wurde, wie die die Reinigung der Zimmer organisiert werden könne, seien vier Hauswirtschafts-Azubis des Berufsbildungszentrum Haus Elisabeth (Mehring) aufgetaucht und hätten gleich mit Saubermachen begonnen. Andere Freiwillige halfen bei der Essensausgabe, in der Kleiderkammer oder wo sonst noch angepackt werden konnte, medizinisch geschulte Ehrenamtliche, vorwiegend Krankenschwestern, hätten die Jägerkaserne-Gäste bei Corona-Selbsttests unterstützt. Resultat: „Alles negativ bisher!“

 "Mehr Spenden da, als wir brauchen": Die Kleiderkammer in der Notunterkunft Jägerkaserne.
"Mehr Spenden da, als wir brauchen": Die Kleiderkammer in der Notunterkunft Jägerkaserne. Foto: Roland Morgen

Durchweg positiv hingegen die „immense Hilfe von außen. Die hilft uns extrem in dieser Situation“, betont Einrichtungsleiter Schulte, der sich von der „Welle der Solidarität und Hilfsbereitschaft sehr beeindruckt“ zeigt. Auch davon, dass das Zusammenleben von Asylsuchenden und „Flut-Flüchtlingen“ völlig reibungslos funktioniere.

 Ehrenamt ist für ihn Ehrensache: "Ich bin selbstverständlich dabei, wenn ich gebraucht werde", sagt Paul Gasber (82), der in der Kleiderkammer hilft.
Ehrenamt ist für ihn Ehrensache: "Ich bin selbstverständlich dabei, wenn ich gebraucht werde", sagt Paul Gasber (82), der in der Kleiderkammer hilft. Foto: Roland Morgen

Unter den Bewohnern aus Ehrang herrscht eine große Fluktuation. Einige haben sich mittlerweile in Ferienwohnungen einquartiert. Dafür kam am Montag eine vierköpfige Familie in der Eurener Straße neu hinzu. Sie hatte nach der Flut zunächst bei Freunden Unterschlupf gefunden.

Doch die Zahl der Ehranger in der  Jägerkaserne wird abnehmen. Manche werden in den nächsten Tagen in ihre Wohnungen zurückkehren können, wenn sie von der Stadtverwaltung entsprechend grünes Licht erhalten.

Die Stadt Trier hatte die Jägerkaserne bereits abgeschrieben. Seit Juni sucht sie europaweit einen Investor für das 6,3 Hektar große Ex-Militärareal. Trier-West/Palliens Ortsvorsteher Marc Borkam  (49): „Jetzt war es doch sehr gut, dass wir noch dieses Gebäude für Menschen hatten, die aus heiterem Himmel Heim und Herd verloren haben.“