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Jahrestag der Amokfahrt in Trier: Das ist geplant am Gedenktag 1. Dezember

1. Dezember : Amokfahrt in Trier: Wenn eine ganze Stadt im Gedenken für ein paar Minuten innehält

Der 1. Dezember 2021 wird für viele Trierer und Menschen aus der Region kein Tag wie jeder andere sein: Ein Jahr zuvor raste ein Amokfahrer durch die Fußgängerzone, es gab viele Tote, Verletzte, Traumatisierte. Wie der Opfer am Jahrestag erinnert wird.

Am nächsten Mittwochnachmittag wird es in der ansonsten um diese Tageszeit so geschäftigen Trierer Innenstadt für einige Minuten etwas ruhiger werden. Wenn um genau 13.46 Uhr die Helenaglocke des Doms zu läuten beginnt, wird auf dem benachbarten Weihnachtsmarkt keine Musik mehr zu hören sein und viele Menschen werden innehalten – auch in den Geschäften der Stadt.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe hat alle Bürger gebeten, zu diesem Zeitpunkt der vielen Opfer eines Gewaltverbrechens zu gedenken, das die Stadt vor einem Jahr in ihren Grundfesten erschüttert hat. Bei einer rasenden Fahrt durch die Fußgängerzone hatte ein 52-jähriger Tatverdächtiger aus Trier-Zewen fünf Menschen getötet und Dutzende Passanten teils lebensgefährlich verletzt.

Die Amokfahrt zwischen der Konstantinstraße und der Christophstraße dauerte viereinhalb Minuten. Danach ließ sich der neben seinem Fahrzeug wartende Verdächtige widerstandslos festnehmen. Über das Motiv der Tat herrscht weiter Rätselraten, die Angaben des 52-Jährigen dazu waren eher verwirrend. Nach vorläufiger Einschätzung eines Sachverständigen leidet der zuletzt wohnsitz- und arbeitslose Elektriker an einer Psychose.

Bei den Gedenkveranstaltungen am Mittwoch geht es aber nicht um den Täter, sondern um die Opfer des Gewaltverbrechens, deren Angehörige und Hinterbliebene. Der nach dem vierminütigen Glockengeläut beginnende Ökumenische Gottesdienst im Dom wird gemeinsam geleitet von Triers Bischof  Stephan Ackermann, Erzpriester Georgios Basioudis für die griechisch-orthodoxe Kirche, Vizepräses Christoph Pistorius von der Evangelischen Kirche im Rheinland und von Apostel Clément Haeck von der Neuapostolischen Kirche.

Gottesdienst im Dom wird im Fernsehen übertragen

Nach einer Mitteilung der Stadt sind die Plätze im Dom vorrangig für Opfer, Hinterbliebene und Vertreter von Feuerwehr, Polizei, Rettungs- und Sondereinsatzkräften vergeben. Wegen der aktuellen Corona-Zugangsbeschränkungen gibt es darüber hinaus keine freien Plätze. Allerdings wird der knapp einstündige Gottesdienst ab 13.34 Uhr live im SWR-Fernsehen übertragen. Neben Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Triers OB Wolfram Leibe hat auch der Opferbeauftragte des Landes, Detlef Placzek, zugesagt.

Während des Gottesdienstes wird auch ein von Saarburger Gymnasiasten im Dom gestalteter Gedenkort mit Tonfiguren vorgestellt. Der Gedenkort soll dort auf Dauer bleiben und an die Opfer und das schreckliche Geschehen in der Trierer Fußgängerzone erinnern.

Mittwochabends um 20 Uhr (Einlass ab 19.15 Uhr) wird es ein Requiem in der Konstantinbasilika geben. Es spielen unter Leitung von Domkapellmeister Thomas Kiefer und Generalmusikdirektor Jochem Hochstenbach das Philharmonische Orchester der Stadt gemeinsam mit Domchor, Opernchor und Mitgliedern des Bachchors. Interessenten, die geimpft oder genesen sind,  können sich bis Freitag per E-Mail an protokoll@trier.de anmelden. Das Konzert wird ebenfalls live übertragen – allerdings im Offenen Kanal.

Vor den offiziellen Gedenkfeierlichkeiten wird an der Porta Nigra eine Steinplakette des Trierer Bildhauers Henning Wirtz angebracht. Nach Angaben eines Sprechers der Stadt soll die Steintafel ein erster Gedenkort sein, „damit die Menschen rund um den Jahrestag der Amokfahrt eine Anlaufstelle haben, um der Opfer zu gedenken“. Daneben gab es nach Angaben der Stadt bereits erste Gespräche von Angehörigen und Hinterbliebenen mit Trierer Künstlern über eine größere Kunstinstallation im öffentlichen Raum. Die Gespräche sollen voraussichtlich im Januar fortgesetzt werden.