Bilanz einer Katastrophe Jahrtausend-Hochwasser an Sauer und in Kordel macht hunderte Menschen obdachlos

Mehr als Tausend Menschen mussten ihre Häuser im Landkreis Trier-Saarburg verlassen, und die Pegel an Sauer und Kyll in Kordel haben die Jahrhundertmarken um ein Vielfaches überschritten. Die Folgen sind schwerwiegend:

Jahrtausend-Hochwasser an Sauer und in Kordel - Zig Menschen obdachlos
Foto: TV/Marion Maier

Der Landkreis hat die höchste Katastrophenlage erstmals ausgerufen, seit Landrat Günther Schartz vor 16 Jahren das Amt übernommen hat. 1200 Einsatzkräfte haben in der Verbandsgemeinde Trier-Land geholfen, 250 waren in der VG Konz im Einsatz. Die Schwerpunkte der Einsätze lagen dort in Tawern und Könen, wo es nicht zu größeren Schäden kam. In Kordel und in Ralingen sieht die Situation anders aus. Dort wurden hunderte Haushalte hart getroffen. Insgesamt mussten 1000 Menschen ihre Häuser und Wohnungen verlassen, 600 in Kordel, 400 an der Sauer. Wie viele von ihnen zurzeit obdachlos und auf Ausweichquartiere angewiesen seien, könne zurzeit noch nicht gesagt werden.

Millionenschaden im Klärwerk

Die Kyll hat das Klärwerk im Tal zwischen Kordel und der Burg Ramstein überflutet. Irgendwann habe man die Anlage aufgeben müssen, sagt VG-Bürgermeister Michael Holstein. Nun rechne er mit einem Millionenschaden.

Das Problem mit dem Wasser

Könen: Hochwasser an der Saar
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Hochwasser an der Saar in Könen

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Fotos: Hochwasser im Landkreis Trier-Saarburg am Donnerstag (15. Juli)
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Hochwasser im Landkreis Trier-Saarburg am Donnerstag (15. Juli)

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Landrat Günther Schartz und Michael Holstein, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land, schildern bei der Pressekonferenz eine besonders kritische Situation. Durch Stromausfall konnte das Pumpwerk Ramstein nicht mehr mit Strom versorgt werden. Deswegen wurde kein Wasser mehr in die Hochbehälter gepumpt. Zwei Drittel der Menschen in der Verbandsgemeinde Trier-Land hätten deswegen zeitweise kein Wasser mehr gehabt. Und: „Die Löschwasserversorgung wäre nicht mehr gesichert gewesen“, sagt Holstein. Erst am Donnerstagnachmittag sei über Waldwege ein großes Notstromaggregat dorthin transportiert worden. Und die Wasserversorgung konnte wieder hergestellt werden.

Einschätzung des Feuerwehrchefs

Der Trier-Saarburger Feuerwehrinspekteur Christoph Winkler hat am Mittwoch und Donnerstag teils 1200 Einsatzkräfte parallel koordiniert. Bei einer Pressekonferenz am späten Donnerstagnachmittag sagte er, dass es sich sowohl in Kordel an der Kyll als auch an der Sauer womöglich um ein Jahrtausendhochwasser gehandelt habe. Die Pegelmesser seien irgendwann ausgefallen. Weil Hochwasser, Starkregen, Strom und Wasserversorgung ausgefallen seien, sei es besonders kompliziert geworden. „Wir mussten alle Alarm- und Einsatzpläne, die wir hatten parallel bespaßen“, sagt er. Vor allem die Bundeswehr habe tolle Arbeit bei der Rettung der Menschen geleistet: „Die Bundeswehr hat solange gearbeitet, bis die Unimogs nicht mehr weiter konnten. Die Soldaten mussten sich durchs Dach retten.“ Sichtlich bewegt schildert er, dass zwar niemand gestorben sei, dass aber alle an ihre Grenzen gekommen seien. Die Feuerwehr habe viel Material verloren – darunter mehrere Fahrzeuge. „Wir haben in Menschenrechte eingegriffen, weil wir die Menschen überzeugen mussten, ihre Häuser zu verlassen“, sagt er.

Kritik an Zivil- und Katastrophenschutz

Michael Holstein sagt: „Wir sind deutlich an unsere Grenzen gekommen vom Personal als auch vom Gerät.“ Deshalb sei er froh über die Unterstützung von der Bundeswehr gewesen. Er äußert aber auch Kritik: „Über die letzten Jahrzehnte ist der Katastrophenschutz in Deutschland vernachlässigt worden. Das wird in einer solchen Einsatzlage deutlich.“ Innerhalb weniger Jahre seien Bundes- und Landesmittel zusammengestrichen worden. Das sei ein Fehler: „Wir werden verstärkt solche Einsätze bekommen und wir müssen uns diesen Situationen stellen“, sagt Holstein.

Landrat Schartz weist in diesem Kontext auf das Logistikkonzept des Landkreises hin, das vorsieht, in Hermeskeil, Konz, Newel und Föhren Spezialfahrzeuge vorzuhalten.

Lage an der Obermosel

In Oberbillig erreicht die Mosel ihren Höchststand von 6,03 Meter gegen 16 Uhr. An der Hochwasserschutzwand, die die Einsatzkräfte wenige Stunden vorher auf den höchsten Stand aufgebaut haben, ist da noch etwas mehr als ein Meter Platz. Anneliese Jakobs, eine 83-jährige gebürtige Oberbilligerin sieht sich die Lage am Damm an. Auf der verschlammten Mosel treibt gerade ein Sessel und ein Heuballen vorbei, der aus der Sauer angespült wird, die direkt gegenüber von Oberbillig in der Mosel mündet. „Ich habe noch nie gesehen, dass die Mosel so schnell angewachsen ist oder dass so viel Treibgut aus der Sauer kam“, sagt Jakobs.

Ausblick

Nach der Katastrophe ist Aufräumen angesagt. Die Verantwortlichen im Kreis hoffen dabei auf weitere Hilfe von der Bundeswehr. Wie lange das dauert, hängt davon ab, wie schnell die Pegel zurückgehen. Noch steht auch nicht fest, wann die Menschen zurück in ihre Häuser können.

Spendenkonto eingerichtet

Die Verbandsgemeinde Trier-Land hat für die Hochwasseropfer ein Hilfskonto eingerichtet: Verbandsgemeinde Trier-Land (Kontoinhaber), IBAN: DE13 5855011300001127380, BIC TRISDE55XXX. Weitere Informationen gibt es bei Otmar Coura, VG Trier-Land, Fachbereich Finanzen, E-Mail: otmar.coura@trier-land.de, Telefon: 06519798125.

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