JAM Software, seo2b und V-KON.media: Vorreiter für die Digitalwirtschaft in der Region

Digitalisierung : JAM Software, seo2b und V-KON.media: Vorreiter für die Digitalwirtschaft in der Region

Der digitale Wandel gilt als Schlüssel für die Zukunft und bietet große Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung der Moselregion. Verschiedene Firmen haben sich hier bereits als Pioniere in der Branche etabliert und zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten sein können. In den nächsten Jahren ist die Politik allerdings noch gefordert, um die optimalen Rahmenbedingungen für weiteres Wachstum zu schaffen.

Was alles hinter dem Schlagwort Digitalisierung stecken kann, zeigt ein Blick auf die große Bandbreite in der Branche. Von Webagenturen über Softwareentwickler, verschiedene IT-Dienstleister bis hin zum Bereich Online‑Marketing haben in der Region bereits zahlreiche Unternehmen Fuß fassen können. Dabei liegen die Anfänge der Trierer Digitalwirtschaft in den 1990er Jahren – einer Zeit, in der die Kommerzialisierung des Internets gerade erst begann.

Vorreiter und Innovationstreiber V-KON.media

1993 wurde V-KON.media gegründet, ein Dienstleister für zwei- und dreidimensionale Visualisierungen. Die multimedialen Darstellungen machen geplante Bauprojekte im Bereich Hoch- und Tiefbau oder Verkehr sichtbar und sorgen für mehr Transparenz. Grundlage dafür sind Vermessungsdaten und Baupläne.

Anfangs bestanden die Visualisierungen noch aus Fotomontagen. Bald folgte ein rund 250.000 D-Mark teurer Rechner als Herzstück des Unternehmens. Immer wieder wurden Innovationen vorangetrieben, vor allem im Bereich Building Information Modelling (BIM). Eine eigene Software, die heute als Branchenstandard gilt, zählt zu den weiteren Meilensteinen. Heute besteht das Team der Trierer Digitalpioniere aus 13 Fachkräften und ist für internationale Kunden tätig.

seo2b als Marketingexperten im digitalen Bereich

In einer ganz anderen Sparte hat sich die Online‑Marketing Agentur seo2b aus Trier etabliert und als Dienstleister für Suchmaschinenoptimierung an Deutschlands Spitze hochgearbeitet. Seit 2007 sorgt sie für mehr Sichtbarkeit der Internetauftritte ihrer Kunden. Vor allem seit Shopping im Internet zum Alltag geworden ist, hat Online-Marketing stark an Bedeutung gewonnen. seo2b konzentriert sich mit seinem Leistungsportfolio dabei vor allem auf die technische Seite: Suchmaschinenoptimierung (SEO) und –marketing (SEM) gehören zu den Kernkompetenzen.

Durch die technische, strukturelle und inhaltliche Optimierung von Webportalen wird nicht nur die Auffindbarkeit durch Suchmaschinen erhöht, sondern auch die realen Besucherzahlen, was sich am Ende positiv auf den Umsatz niederschlägt. Tausende unterschiedliche Faktoren spielen beim Ranking durch Google und Co. eine Rolle. Einen zentralen Bestandteil nimmt hier auch das Content Marketing ein, welches Inhalte im Netz verbreitet und Die Agentur betreut heute Kunden aus allen Branchen und gehört zu den größten im D‑A‑CH-Raum.

Softwareentwicklung aus Trier von JAM Software

Die Programmentwickler von JAM Software setzten bereits 1997 ausschließlich auf den digitalen Vertrieb ihrer Softwarelösungen über die eigene Webseite. Den Anfang machte das Programm TreeSize zur Optimierung von Speicherplatz auf Rechnern und Servern. Zu den Kunden zählen unter anderem IBM, Microsoft oder Intel.

Neue Software wird zunächst in englischer Sprache entwickelt und kann dann in andere Sprachen übersetzt werden. So lässt sich das Geschäft auf den internationalen Markt anpassen und ausweiten. Seit 2012 wechselte das Unternehmen von den Räumlichkeiten im Wissenschaftspark ins ganz eigenen Firmengebäude auf dem Petrisberg.

Stand der Digitalwirtschaft in der Region

Die Beispiele der erfolgreichen Firmen aus der Region zeigen, wie vielseitig die Geschäftsfelder im Bereich der Digitalwirtschaft sein können. Künftig werden zudem so gut wie alle Sparten mit digitalen Prozessen konfrontiert sein. Dazu hat das Marktforschungsinstitut Kantar TNS im Auftrag des Wirtschaftsministeriums die Auswirkungen und Einflüsse der Digitalisierung in unserem Bundesland näher untersucht und in einem Monitoring-Report zusammengefasst.

Der Digitalisierungsgrad in rheinland-pfälzischen Unternehmen hat in den letzten Jahren vor allem bei Kleinstunternehmen, Dienstleistern und bei der gewerblichen Wirtschaft deutlich zugenommen. Dennoch liegt er insgesamt immer noch knapp unter dem Bundesdurchschnitt.

Interessant ist, dass hoch digitalisierte Firmen in Rheinland-Pfalz den Einfluss der Digitalisierung auf ihren Unternehmenserfolg als sehr stark einschätzen. Rund 92 Prozent der Befragten bekannten sich zu dieser Aussage – deutschlandweit waren es derweil nur 63 Prozent.

Das zeigt, dass viele Unternehmen verstanden haben, wieviel Potential in der Digitalisierung gerade in unserer Region steckt. Wer sich hier frühzeitig mit dem digitalen Wandel auseinandersetzt und Möglichkeiten für sich ausschöpft, stellt die Weichen, um auch langfristig konkurrenzfähig zu bleiben und sich mit Innovationen neue Märkte zu erschließen.

Trier als Digitalstandort

Dass es oft nicht viel mehr braucht als geeignete Räumlichkeiten und eine gute Internetverbindung, zeigt der Weg, den seo2b bislang zurückgelegt hat: Was vor 11 Jahren im eher kleinen Format begann, zeigt sich heute als 30 Fachkräfte starke Firma, die sich in ihrer Nische zu den größten Agenturen in Deutschland weiterentwickelt hat.

Durch die Kooperation mit einem Affiliate Marketing- und Online Advertising Spezialisten aus Berlin kam es Mitte des Jahres zur gemeinsamen Gründung der interdisziplinären Dachgesellschaft detailM. Nach Angaben des Geschäftsführers Timo Abid war dies „letztlich eine logische Konsequenz, um das eigene Leistungsportfolio mit weiteren digitalen Dienstleistungen im Bereich Online Marketing zu vergrößern und den Digitalstandort Trier voranzubringen.“ Vom günstigen Standort in Trier aus potenzieren sich so die Möglichkeiten, das weitere Wachstum der Agentur voranzutreiben.

Als Dienstleister in der Digitalbranche genügen oft wenige grundlegende Faktoren, um erfolgreich starten zu können – ein großer Vorteil für die regionale Wirtschaft. Neben einer guten digitalen Infrastruktur sind hoch qualifizierte Fachkräfte und eine funktionierende Vernetzung mit Innovationstreibern und gegebenenfalls mit mutigen Investoren die wichtigsten Punkte.

Herausforderung Infrastruktur

Zwar ist Trier selbst mit schnellem Internet ganz gut aufgestellt, bei den umliegenden Gemeinden sieht es oft noch anders aus. 93 Prozent der Befragten Unternehmen fordern einen flächendeckenden, schnellen Internetzugang. Darüber hinaus ist das Thema Datenschutz besonders präsent. Hier wünschen sich 91 Prozent klarere Regelungen im Internet. Zudem soll der Datenaustausch beim elektronischen Geschäftsverkehr durch bindende Standards sicherer werden (85 Prozent).

Gleichzeitig ist eine bessere und gezielte Förderung innovativer Unternehmen im digitalen Bereich gefordert. Dies könnte sowohl in Form finanzieller Hilfen geschehen, als auch durch eine bessere Vernetzung von etablierten Unternehmen mit Start-Ups für lukrative Kooperationen.

Starke Konkurrenz durch Nachbarregionen

Foto: MONITORING-REPORT/Wirtschaft DIGITAL: Rheinland-Pfalz

In der Großregion gibt es immerhin hervorragende Bildungsmöglichkeiten für IT- und Digitalfachkräfte. An der Hochschule Trier sind dazu verschiedene innovative Studiengänge geschaffen worden:

· Informatik mit dem Schwerpunkt digitale Medien und Spiele

· Informatik mit dem Schwerpunkt sichere und mobile Systeme

· Internet of Things (IoT) / Digitale Automation

· Digitale Produktentwicklung / Maschinenbau

Für die örtlichen Unternehmen ist es trotz dieser komfortablen Situation mitunter schwer, hochqualifizierte Mitarbeiter auch langfristig zu halten.

„Die Nähe zu Luxemburg ist manchmal eine Herausforderung“, sagt Joachim Marder, der Gründer und Geschäftsführer von JAM Software. Auch dort finden sich größere IT-Konzerne, „die manchmal auch größere Aufstiegschancen bieten als ein mittelständischer Softwareanbieter“. Marder setzt deshalb auf andere Benefits, um sein Unternehmen für Mitarbeiter attraktiv zu machen.

Maßnahmen zur Stärkung der Digitalisierung

Der notwendige Breitbandausbau wird 2019 nochmals verstärkt vorangetrieben. Investitionsförderungen von Bund und Land werden dazu genutzt, um auch ländlichere Regionen noch mit schnellem Internet zu versorgen. Im Laufe des Jahres 2018 haben in verschiedenen Gemeinden rund um Trier bereits die Ausbauarbeiten begonnen.

Viele kleinere Firmen und Gewerbegebiete profitieren dann künftig ebenfalls von schnelleren Verbindungen. Ein wichtiger Schritt für die Zukunft, um den Anschluss nicht zu verpassen. Gleichzeitig gehen die Bemühungen weiter: Die Nachfrage nach Gewerbeflächen mit ausreichender digitaler Infrastruktur wächst auch in unserer Region. Deshalb hat die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Trier-Saarburg (WFG) dazu jüngst ihre Strategie neu ausgerichtet. Ziel ist vor allem das Erschließen neuer Flächen.

Ein weiteres Projekt der Stadt Trier ist der geplante Digital Hub. Der sogenannte „moselHUB“ soll für die gesamte Region eine zentrale Anlaufstelle und Austauschplattform werden. Start-Ups und innovative Geschäftsideen im digitalen Bereich stehen klar im Fokus. Die Vorbereitungen für das Zentrum werden von der regionalen Wirtschaft mit positiver Erwartung begleitet.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe und die Leiterin der Wirtschaftsförderung Christiane Luxem sind sich einig: “Wir haben das Potenzial”, sagt Leibe mit Blick auf die bereits etablierten Unternehmen und die Innovationskraft, die von den Hochschulen ausgeht. “Wir wissen aus der Hochschule von sieben oder acht Startups, die im Bereich der Spieleentwicklung schon bald an den Start gehen wollen. Und auch aus dem Bereich der Universität gibt es eine ähnlich große Zahl, die möglichst bald loslegen3 will”, ergänzt Luxem.

Interessierte sollen am Digital Hub künftig nicht nur professionelle Ansprechpartner finden, sondern auch mit potentiellen Investoren in Kontakt treten können. Selbstverständlich ist zudem eine hochmoderne digitale Infrastruktur, die in den Räumlichkeiten zur Verfügung stehen soll.

Chancen für die Region

Überregional ist die Stadt Trier mit den umliegenden Gemeinden ansonsten vor allem für ihre Agrarerzeugnisse (Weinbau) und als Tourismusstandort bekannt. Darüber hinaus ist die Wirtschaft überdurchschnittlich durch Dienstleistungsbetriebe und wissensintensive Beschäftigungsfelder geprägt.

Genau deshalb bietet die Digitalisierung hier viele Anknüpfungspunkte. Zu Beginn der 90er Jahre wurde nahe des Universitätscampus der Wissenschaftspark geschaffen, der noch heute als wichtiges Innovationszentrum fungiert. Mit den bestmöglichen Standortbedingungen und leistungsfähiger Infrastruktur ausgestattet haben sich hier schnell verschiedene innovative Firmen angesiedelt. Auch den Gründern von V-KON.media fiel die Entscheidung für ihren Standort im Wissenschaftspark nicht schwer. Sie fanden dort die besten Voraussetzungen, um ihr Unternehmen aufzubauen und nach vorne zu bringen.

Foto: MONITORING-REPORT/Wirtschaft DIGITAL: Rheinland-Pfalz
Foto: MONITORING-REPORT/Wirtschaft DIGITAL: Rheinland-Pfalz

Digitale Vorreiterbranche unseres Landes ist und bleibt der Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT). Die Bedeutung der Unternehmen im digitalen Bereich zeigt sich in einem stetigen Umsatzzuwachs und vor allem bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Bereits 2013 konnten die Umsätze in den IKT-Schlüsselunternehmen um knapp zehn Prozent gesteigert werden. Parallel dazu stiegen die Mitarbeiterzahlen um rund zwölf Prozent.

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