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"Je mehr Regionalbahn, desto weniger Güterzüge"

"Je mehr Regionalbahn, desto weniger Güterzüge"

Die Nerven der Anwohner im Westen Triers liegen blank. Grund ist die mehrmonatige Umleitung von Güterzügen, die sonst auf der mit Lärmschutz versehenen Ostseite der Mosel fahren. Der Verkehrsclub Deutschland befürchtet, dass dadurch die positiven Aspekte der Regionalbahn vergessen werden.

Trier. Christian Weber ist Kreisvorsitzender und stellvertretender Landesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Er habe Verständnis für die Klagen der Anwohner, sagt er zu der aktuellen Diskussion um die Reaktivierung der Westtrasse für den Personennahverkehr auf der Schiene.
"Natürlich werden die Anwohner durch den Lärm der Güterzüge stark belastet, aber der Einsatz von leisen Personenzügen wird effektiv die Fahrten von Güterzügen verhindern." Dieser Aspekt komme derzeit zu kurz. Zwar sei die Belegung der Strecke zwischen Ehrang und Zewen einzig und allein in der Verantwortung der Deutschen Bahn. Sobald dort aber Personennahverkehr stattfinde, müsse die Bahn sich mit dem Zweckverband SPNV-Nord abstimmen.
In Musterberechnungen hat der VCD mögliche Frequenzen für den Zugverkehr auf der Weststrecke ermittelt. Demnach sind derzeit bei reinem Güterzugverkehr theoretisch bis zu 20 Züge pro Stunde und Richtung möglich. Nach der Reaktivierung für den Personenverkehr mit fünf Haltepunkten wäre laut Verkehrsclub wiederum maximal ein Drei-Minuten-Takt für Regionalbahnzüge möglich.
Christian Weber: "Bei den jetzt in erster Priorität vorgesehenen fünf Zwischenhalten für den Personenzugbetrieb dürfte ein Güterzug frühestens 13 Minuten nach einem Personenzug losfahren, um nicht anhalten zu müssen." Die theoretisch maximale Zahl der Güterzüge pro Stunde und Richtung wäre dadurch auf vier beschränkt. Bei weiteren Haltepunkten verringere sich diese Zahl noch einmal. Weber nennt eine einfache Formel: "Je mehr Regionalbahnverkehr, desto weniger Güterverkehr."
Und in der Nacht? Auch dazu hat der Verkehrsclub eine klare Meinung: "Da sind Güterzüge möglich, aber diese können auch über Triers Hauptbahnhof fahren und dort das dritte Gütergleis bis Trier-Süd nutzen, um eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit beizubehalten."
Sollte sich die Bahn dennoch entscheiden, den Güterverkehr auf der Weststrecke zu intensivieren, so müssten Lärmschutzmaßnahmen ergriffen werden.
In diesem Zusammenhang kritisiert der VCD die Stadt Trier: "Es ist für uns unverständlich, wie beim Bau eines Neubaugebiets in Euren direkt neben der Bahnstrecke keinerlei Maßnahmen zum Lärmschutz ergriffen wurden, etwa durch die Verwendung des angefallenen Erdaushubs zur Errichtung eines Lärmschutzwalls." Ein Zaun zur Sicherung der Bahnstrecke sei erst nach Protesten der Anwohner errichtet worden.
"Verkehrslärm schädigt Menschen und muss reduziert werden", sagt Christian Weber. "Güterzüge sind sinnvoller als LKW. Entlastung für Anwohner von Bahnstrecken bringen langfristig nur leisere Züge." r.n.
Der Trierische Volksfreund wird sich in den kommenden Wochen intensiv mit dem Thema Güterverkehr und Westtrasse beschäftigen. Höhepunkt wird ein TV-Forum am 16. Juli im Bürgerhaus Euren sein.
Extra

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist ein gemeinnütziger Verein, der sich um eine umwelt- und verbraucherfreundliche Mobilität bemüht. Im Mittelpunkt steht dabei die Verknüpfung der unterschiedlichen Fortbewegungsarten. Ziele sind möglichst wenig Ressourcenverbrauch und geringe Umweltbelastungen. Der VCD Deutschland hat 53 400 Mitglieder. Der Landesverband Rheinland-Pfalz mit seinen sieben Kreisverbänden zählt 2500 Mitglieder. 230 Menschen unterstützen aktiv den Kreisverband Trier-Saarburg. r.n. www.vcd.org