Je später der Abend . . .

Die Veranstalter zeigen sich insgesamt zufrieden, die Sanitäter eher erschüttert: Die Grenze zwischen fröhlichem Feiern und aggressiver Stimmung verlief beim Moselfest fließend. Damit ist die Diskussion um Einlasskontrollen zum Festgelände wieder eröffnet.

Trier-Nord. Zehntausende feiern fröhlich und friedlich, und einige wenige Hitzköpfe sorgen zu fortgeschrittener Stunde für einen schalen Beigeschmack. Auf diesen Bewertungs-Nenner lässt sich das Moselfest 2008 bringen. Nichts Neues also gegenüber den vergangenen Jahren und dennoch erschütternd: "Ich hatte geglaubt, wir wären auf einem guten Weg. Aber nach dem Feuerwerk war mein Optimismus schnell dahin", berichtet Rotzkreuz-Mann Helmut Bonerz, der Sanitätsdienst-Einsatzleiter am Samstag und der darauf folgenden Nacht. Die hatten es in sich: "15 ambulante Versorgungen, sieben weitere Leute mussten ins Krankenhaus." Es handelte sich überwiegend um Gesichtsverletzungen nach Schlägereien. Was Bonerz und seine 24 Kollegen besonders erschütterte: "Wenn wir einen Verletzten verarzteten, wurden wir noch blöd angemacht. Es herrschte bei vielen Leuten eine regelrecht aggressive Stimmung." Die wiederum sei auf das hemmungslose unkontrollierte Konsumieren von selbst mitgebrachten, harten Alkoholika zurückzuführen.Auch die starke Polizei-Präsenz beeindruckte nicht jeden: In den ersten beiden Fest-Nächten gab es neben Dutzenden kleinerer Streitereien drei Fälle von gefährlicher Körperverletzung, berichtet ein Sprecher der Schutzpolizei. Ein Unbekannter schlug einen Jungen mit einer Flasche ins Gesicht und entkam anschließend im Festgetümmel. Einen 19-Jährigen nahmen die Beamten vorsorglich in Gewahrsam, um die von ihm angedrohte Schlägerei zu verhindern. Doch die 53. Moselfest-Auflage hatte auch viele positive Aspekte. Allen voran das Feuerwerk: Die Eifeler Firma Steffes-Olig als Nachfolgerin des verstorbenen Altmeisters Johann Janßen zauberte ein fulminantes Pyrotechnik-Spektakel. "Donnerwetter. Ich habe schon viele Feuerwerke gesehen. Aber das hier hat mich vor allem wegen neuer Effekte beeindruckt", staunte Eike Neumann (64) auf seiner Terrasse in der Bonner Straße. Auf der anderen Moselseite prostete sich ein niederländisch-belgisches Touristenquartett zu: "Um dieses Fest zu erleben, haben wir unseren Trier-Aufenthalt verlängert. Eine gute Idee. Wir sind sehr beeindruckt", sagt Johannes Buruma (56) aus Bergum/NL. Auch die Vereinsführungen des MGV Zurlauben und der Karnevalsgesellschaft Wieweler, die seit 1956 das Moselfest veranstalten, zogen eine positive Bilanz: "Wir hatten natürlich großes Wetter-Glück. Der Freitag kam nach verregnetem Beginn nicht mehr so recht in die Gänge. Am Samstag haben die Schauer dann rechtzeitig aufgehört. Mit dem Besuch sind wir zufrieden", berichtet Wieweler-Vize Rüdiger Bechtel (57). Dennoch müsse für 2009 eine Absperrung des Festbereichs mit Einlasskontrollen "ernsthaft in Erwägung gezogen werden". Zum Moselfest-Finale heute Abend spielen die Zalawener Duckentcher (20 Uhr, kleine Bühne) und auf der großen Partyface-Bühne die Bands Slux (19 Uhr) und Vampire (21.30 Uhr).Weitere Bilder auf S. 20 sowie in Internet: volksfreund.de