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Jede Menge Bömbchen für Hollywood

Jede Menge Bömbchen für Hollywood

Nichts für prüde Spaßbremsen: Der Rosa Karneval hat mit einer furiosen Auftaktsitzung am Freitag den schwul-lesbischen Karneval eingeläutet.

Trier. Studenten, Professoren, Unternehmer, es wird Hochdeutsch gesprochen, Trierisch, Eifeler Platt und Letzeburgisch - der Blick ins Publikum zeigt, dass der Rosa Karneval in Trier längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Die Sitzungen sind kein Geheimtipp mehr, sondern begehrt wie kaum eine andere Veranstaltung in Trier.

Am Vorverkaufstermin im Dezember bilden sich lange Schlangen vor dem Schmit-Z, dem schwul-lesbischen Zentrum Trier e.V., das den Rosa Karneval veranstaltet. Fünf Sitzungen mit je 650 Zuschauern sind ratz-fatz ausverkauft. Die Romika hat aus dem Veranstaltungszelt in der Metternichstraße mit Blick auf die Karnevalisten mittlerweile eine echte Eventhalle gemacht, Wände, Toiletten und Eingangsbereich erneuert - die Karnevalisten und ihre Gäste sollen sich wohlfühlen.

Und das tun sie auch. Niemand kommt unkostümiert, viele haben sich aufwendig in Schale geschmissen. Ehrengast Theaterintendant Gerhard Weber etwa könnte glatt als echte Charlston-Lady durchgehen. Da wird nach Kräften mitgesungen, geschunkelt, geklatscht, da werden "Bömbchen" en masse produziert (die schwul-lesbische Form der Rakete), und nach gut fünf Stunden hält es niemanden mehr auf den Sitzbänken, wenn Sitzungspräsident Berti Schreiner ("Seh ich nicht aus wie die junge Romy Schneider?") seine langsam zu Klassikern werdenden Mitgröl-Balladen "An einem Sonntag in Trier-Nord" und "Ruwer" anstimmt. Von den Aktiven stehen einige gleich mehrfach auf der Bühne - ohne Scheu, sich in guter karnevalistischer Manier selbstironisch zum Affen zu machen.

Sitzungsmotto ist eine rosa Oscar-Verleihung, und darauf sind viele Programmpunkte abgestimmt. Genial komisch etwa Nele Engel als Pokal Tosca, die ungeliebte Zwillingsschwester der Oscar-Statue. Stark die Dschungel-Camp-Parodie von Philipp Gonder, Caroline Hermes, Maria Arvanitis und Dietmar Kruppert. Perfekt geschminkt Edgar Sonnen als Ava-Trier-Darsteller ("Sexbomben sind in Trier eher rar - es sei denn ihr fragt mal im Priesterseminar"). Ja, richtig böse geht's teilweise zu, und ein nicht unwesentlicher Teil der Gags spielt sich unter der Gürtellinie ab. Etwa, wenn Günther Thommes in Trierisch-Englisch von seinen Erlebnissen als Promi-Schönheitschirurg berichtet.

Nichts für prüde Seelchen - aber das haben die meisten Zuschauer ja vorher gewusst. Und sie werden sich trotzdem - oder gerade deshalb - auch im nächsten Jahr wieder um die Karten reißen.

Extra
Weitere Aktive: Klaas Michel mit der "Politisch Red", Christian Sailler, Alex Rollinger mit dem Sketch Partner-Vermittlung; Filmprobe mit Edgar Sonnen, Dietmar Kruppert, Ingo Könen; das Schmit-Z-Ballett unter der Choreografie von Kerstin Thielen, die Gruppe Party-Alarm (Leitung Markus Deutsch), die Garde aus Orenhofen und als Sänger Stefan Sorgen (Cinema), Susi Newel (Mendocino) und Harald Junkes als Hariette. (mic)