Jede Minute zählt

Herzinfarkt, Schlaganfall, Verkehrsunfall - im Ernstfall zählt jede Minute. Rund zwanzig Einsätze hat die erste First-Responder-Gruppe in der Verbandsgemeinde Ruwer seit ihrer Gründung im Mai dieses Jahres zu verbuchen - mit Erfolg, wie die Arbeit der letzten Monate beweist.

Daumen nach oben für ein neues Projekt in der Verbandsgemeinde Ruwer: Unser Bild zeigt die First-Responder Christian Kühn, Margarete Hans, Oliver Kraft, Gunther Butschmann und Christoph Meyer (von links). Rechts im Bild der Pluwiger Ortsbürgermeister Wolfgang Annen, dem der Vorstoß zur Gründung dieser Gruppe im Mai dieses Jahres gelang. TV-Foto: Anja Fait

Pluwig. (anf) Zwanzig Minuten und länger benötigt der Rettungsdienst oder Notarzt, um in Teilbereichen der Verbandsgemeinde Ruwer erste Hilfe leisten zu können. Der Grund: Unterbesetzung in der Notfallversorgung und viel zu lange Anfahrtswege. Ein Dorn in den Augen des Pluwigers Gunther Butschmann (erster Beigeordneter). Auch der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Ruwer, Josef Hartmann, war seit Jahren um eine Lösung für den Pluwig/Holzerather Bereich bemüht: "Die Versorgung unserer Bevölkerung liegt mir am Herzen und ist für mich wichtiger, als irgendwelche rechtlichen Dinge", so Hartmann. Im Mai dieses Jahres gelang dann dem Pluwiger Ortsbürgermeister Wolfgang Annen der Vorstoß: Gegründet wurde eine Gruppe von elf Männern und Frauen, alle mit professioneller Ausbildung im Rettungsdienst und alle Mitglieder im Malteser Hilfsdienst, beim Deutschen Roten Kreuz oder in der Freiwilligen Feuerwehr - die First-Responder Pluwig/Gusterath.

Im Notfall ist jemand zur Stelle



Seit Mai hat die erste Notfallhelfer-Gruppe der Verbandsgemeinde Ruwer bereits zwanzig Einsätze zu verbuchen und kommt damit in der Bevölkerung sehr gut an. Notfallhelfer-Mitglied Margarete Hans: "Die Leute sind einfach nur froh, wenn im Notfall schnell jemand zur Stelle ist. Wenn man die kranken oder schmerzgeplagten Menschen sieht, kann man die Dankbarkeit und Erleichterung an ihren Augen ablesen."

Das System greift zwar nur nach Feierabend der ehrenamtlichen Helfer, ist aber denkbar einfach: Geht ein Notruf in der zentralen Trierer Rettungsstelle ein, werden gleichzeitig mit dem zuständigen Notarzt auch die First-Responder per Funkmelde-Empfänger alarmiert. Ein Notfallkoffer steht im Pluwiger Feuerwehrgerätehaus immer bereit. Bedingt durch ihre Wohnortnähe sind die Notfallhelfer dann circa fünf bis zehn Minuten früher als Notarzt und Rettungswagen am Einsatzort. Damit man sie auch als Notfallhelfer erkennt, haben sich die Männer und Frauen Überzieher mit der Aufschrift "First Responder" angeschafft - finanziert aus der eigenen Tasche. Die medizinischen Geräte und Materialnachschub verdanken sie zum Teil Spenden des Deutschen Roten Kreuzes. An den Kosten für die Funkmelde-Empfänger hat sich die Verbandsgemeinde Ruwer beteiligt, und Fortbildungen werden vom Malteser Hilfsdienst organisiert und finanziert. Trotzdem gibt es immer noch einiges zu tun. So träumt First-Responder Christian Kühn (Pluwig) von einem ordentlichen Notfallkoffer - und zwar von einem in jeder Gemeinde.

"Wir leben sozusagen in einer Schnittecke', sagt Wolfgang Annen, Ortsbürgermeister von Pluwig. "Ein solches ehrenamtliches System wird hier dringend gebraucht. Auch Bürgermeister Bernhard Busch unterstützt das Projekt: "Die Verbandsgemeinde Ruwer freut sich über so ein hervorragend funktionierendes System und über die vielen ehrenamtlichen Helfer. Wir werden sobald wie möglich Schritte einleiten, um dieses System bei uns festzumachen."

Extra Die Notfallhelfer wohnen allesamt in Pluwig, Gusterath, Holzerath und Bonerath. Gunther Butschmann, Christian Kühn, Sebastian Hanf, Margarete Hans, Eva-Maria Kraft, Oliver Kraft, Katja Latapie-Strauch, Ralf Ackermann, Thomas Kluge, Christoph Meyer und Christoph Marx werden seit Mai dieses Jahres in den Gemeinden Bonerath, Hinzenburg, Holzerath, Ollmuth, Schöndorf, Pluwig, Gusterath und Gutweiler als Ersthelfer eingesetzt. (anf)