Jeden kann es treffen

Psychische Erkrankungen, Altersarmut und junge überschuldete Menschen sind zunehmend Thema in der Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbandes Trier. Mit einem Fachvortrag, Grußworten sowie Rück- und Ausblicken feierte der Verband das 25-jährige Bestehen seiner gut frequentierten Anlaufstelle.

Trier. Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Caritasverbands Trier ist stark vernetzt. Dies zeigte die Aufzählung der vielen Partner - vom Jobcenter bis zum Amtsgericht, deren Vertreter Caritasdirektor Bernd Kettern zur Jubiläumsfeier begrüßte. Danach gehörte die Aufmerksamkeit Professor Johannes Hoffmann. Er ist einer der Väter des Frankfurt-Hohenheimer-Leitfadens zur ethischen Bewertung von Unternehmen.
Laut Creditreform ist in Trier jeder zehnte Bürger überschuldet. Die Zahl der Überschuldeten wachse ständig, sagte Hoffmann. Verschuldung und Überschuldung und das Auseinanderdriften von Arm und Reich seien systembedingt. Den Banken etwa wirft er vor, nur gewinnorientiert zu agieren. Hoffmann warnte vor wachsenden Einkommensungleichheiten. Sie verursachten gefährliche Spannungen mit schwerwiegenden Folgen in einer Gesellschaft.
Sozialberatung von Schuldnern sei unbedingt geboten. Der Caritasverband nehme mit seinem 25-jährigen Angebot eine wirtschaftsethische und sozialpolitische Funktion wahr, die zum Schutz des Gemeinwohls hinreichend finanziert werden müsse. In den vergangenen 13 Jahren haben die beiden Beraterinnen Anne Bereths-Weber und Beate Lippert rund 23 Millionen Euro Schulden reguliert und etwa 18 000 Menschen aus der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarbug geholfen. Seit zwei Jahren werden die langjährigen Beraterinnen von dem Rechtsanwalt Joachim Schäferbarthold ehrenamtlich unterstützt. "Als ich vor 20 Jahren anfing, kamen Sozialhilfeempfänger, heute kommen Menschen aus allen Berufssparten", sagt Lippert. Vor allem immer mehr Selbstständige suchten Hilfe.
Ihre Kollegin Anne Bereths-Weber beobachtet, dass zunehmend Menschen mit psychischen Erkrankungen und von Altersarmut Betroffene Hilfe suchten. "Zehn Prozent der Ratsuchenden sind über 60 Jahre alt", sagt sie. Auch vermehrt kämen junge Überschuldete, denen Kosten für Handy, Fitnesscenter oder Dispotkredite über den Kopf wüchsen. Eine der gravierendsten Änderungen während des vergangenen Vierteljahrhunderts sei die Einführung des Verbraucherinsolvenzverfahrens gewesen, sagt Bereths-Weber. Seit 1999 gibt es in Deutschland ein gesetzliches Verfahren, das überschuldeten Menschen eine geregelte Möglichkeit eröffnet, sich von ihren Schulden zu befreien. kat
Extra

Im Jahr 2012 kostete die Schuldnerberatung des Caritasverbandes Trier rund 140 000 Euro: Das Land Rheinland-Pfalz trug 39,4 Prozent der Gesamtkosten, der Kreis Trier-Saarburg, die Stadt Trier und die Caritas übernahmen jeweils 13,2 Prozent und die Sparkasse 21,1 Prozent der Kosten. Quelle: Schuldner-und Insolvenzberatung des Caritasverbands Trier

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