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Jetzt gilt es: Auf zum Everest(ing)!

Benefization : Der Countdown läuft: Auf zum Everest(ing) in Trier!

Die Benefizaktion zu der seltenen Generkrankung KCNQ2 erreicht am Samstag ihren Höhepunkt. Extremsportler Ulrich Rose sammelt dann auf dem Trierer Kuhweg 8849 Höhenmeter. Ganz Trier feiert und fiebert mit.

Sebastian Bethge kann es nicht fassen. „Seit dem 5. August war an jedem Tag mindestens eine Gruppe auf dem Markusberg“, sagt der Vater des kleinen Sepp, der an dem seltenen Gendefekt KCNQ2 leidet (der TV berichtete). Heftige epileptische Anfälle und schwere Entwicklungsverzögerungen sind die Folgen. Wie wenig über diese Erkrankung  bekannt ist, mussten auch Sebastian und seine Frau Simone Bethge  erfahren. Ihr Sohn wäre fast gestorben, bevor ein Medikament gefunden wurde, das gegen die Krampfanfälle half. Mit dem nach dem Defekt benannten Verein wollen sie nun aufklären und ein weltweites Netzwerk der Hilfe installieren.

Höhepunkt der Benefizaktion, die Aufmerksamkeit dafür schaffen, aber auch die notwendigen finanziellen Mittel einwerben will, ist am Samstag, 1. September, ein großes Fest. Im Mittelpunkt steht dabei der Versuch des Extremsportlers Ulrich Rose, eine 1000 Meter langes Steilstück von der Markusstraße auf dem Kuhweg zum Markusberg insgesamt 62-mal hintereinander zu befahren. Bis zu 25 Prozent Steigung sind dabei jedesmal zu bewältigen. Die jeweils 145 Höhenmeter – Rose startet um 8 Uhr – sollen sich nach zwölf bis 13 Stunden zu einer Summe von 8848 Metern addiert haben. So hoch ist der höchste Berg der Welt. Der Mount Everest gibt der Benefiz-Extremtour deshalb ihren Namen.

Der 37-jährige Radprofi aus Thüringen  – 2011 war er Ultraradsport-Weltmeister über zwölf Stunden – ist zwar generell gut in Form. Aus dem Stand zu schaffen ist das Everesting in Trier aber auch für ihn nicht. Nach zahlreichen Trainingskilometern zeigt er sich aber selbstbewusst: „Ich will das in elf bis zwölf Stunden schaffen“, sagt er. „Langsam geht nicht, denn wenn im kommenden Jahr vielleicht ein anderer auf die Idee kommt, das schneller zu wiederholen, müsste ich ja noch einmal ran.“ Sebastian Bethge schüttelt angesichts solcher Ambitionen zwar mit dem Kopf und schmunzelt. „So sind eben Sportler.“ Gleichzeitig weiß er, dass diese Ansage dem Radmarathon am Samstag einen zusätzlichen Kick verpasst.  Wie sich ein solcher Adrenalinstoß anfühlt, haben seit dem Start der Aktion am 26. Juni bereits 2200 Menschen erlebt, die in kleinen und großen Gruppen ihr persönliches Everesting-Erlebnis gefeiert haben. „Wir könnten noch bis Weihnachten mit unserer Aktion weitermachen“, ist Bethge überzeugt, der fast jede Challenge – 8848 Höhenmeter mussten zusammenkommen – begleitet hat.  „Nur an unserem Hochzeitstag war ich nicht dabei.“

 Trotz der Erkrankung eine glückliche Familie: Simone und Sebastian Bethge mit ihren kindern Sepp (2) und Vroni (4).
Trotz der Erkrankung eine glückliche Familie: Simone und Sebastian Bethge mit ihren kindern Sepp (2) und Vroni (4). Foto: Rainer Neubert

84 Jahre alt war die älteste Teilnehmerin, drei Monate die jüngste. „Die Resonanz ist einfach unglaublich“, freut sich der umtriebige Organisator und erzählt von allerlei Tieren, die ebenfalls mit ihren Besitzern auf dem Berg waren: ein Pferd, Pony, ein Papagei und sogar ein Frettchen. 340 Kinder der Kurfürst-Balduin-Realschule plus aus Trier-West formierten die mit Abstand größte Gruppe. Bei allem Spaß habe jeder Teilnehmer die Ernsthaftigkeit der Aktion erkannt. „Es gab viele tolle Gespräche und erwachsene Männer, die mit Tränen in den Augen die steile Rampe hinaufgegangen sind. Die Leute haben einfach gemerkt, dass hier etwas Wichtiges passiert.“

Jede Gruppe überwies auch eine Spende an den KCNQ2 e.V., dessen erstes Ziel greifbar nahe scheint. „Wir wollen mit Hilfe eines Sponsors unsere Internetseite in 31 Sprachen anbieten“, sagt Sebastian Bethge. Der Trierer Verein will so Sprachrohr und Netzknoten für betroffene Familien in ganz Europa und darüber hinaus werden.

Jetzt gilt es: Auf zum Everest(ing)!
Foto: TV/Wilbert, Bianca
KCNQ2 - Die Familie Bethge kämpft für ihren Sohn

13 Streckenposten werden am Samstag auf der abgesperrten Strecke dafür sorgen, dass Ulrich Rose seinen Streckenrekord unfallfrei schaffen kann. Gegen zahlreiche lautstarke Fans am steilsten Abschnitt am Fuß der Rampe wird er aber nichts haben. Dort steigt ab 12 Uhr das Begleitprogramm mit sechs Bands, Clown und DJ (siehe Grafik). Eintritt wird dafür nicht verlangt. Wer aber spenden will, sollte seine EC-Karte nicht vergessen.

Weitere Informationen zum Verein und zum Programm finden Sie im Intrernet unter www.kcnq2.de