1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Jetzt kickt der Rentner das Runde ins Eckige

Jetzt kickt der Rentner das Runde ins Eckige

Sein Vorgänger Norbert Garrecht war damals unübliche zehneinhalb Jahre der Kapitän, Paul de Bruijn brachte es sogar auf fast 14 Jahre als Direktor von Penta-Hotel und Europahalle. Nun geht der 65-jährige gebürtige Niederländer in den Ruhestand. Aber Freude will bei ihm (noch) nicht so recht aufkommen.

Trier. Wer Paul de Bruijn zum Ruheständlerdasein gratuliert, erntet eher einen Seufzer als ein befreites Lächeln: "Ich hätte gerne noch weitergemacht." Aber ab 1. Dezember ist er ganz offiziell Rentner - nach 42 Jahren in seinem Traummetier, dem Hotelmanagement. Ein Drittel seines Arbeitslebens hat der aus der niederländischen Hauptstadt Den Haag stammende 65-Jährige in Trier verbracht. Was er sich bei seinem Amtsantritt als Direktor des damaligen Ramada-Hotels nicht hätte träumen lassen.
"Die Halle, mein Baby"


Der Plan damals: Nach fünf Jahren wieder weg, so wie üblich in der Branche. Doch das Ramada Trier ist nicht "nur" ein Hotel, dazu gehört auch die Europahalle. Und die hat de Bruijn dann ganz schnell von der Vorstellung abgebracht, irgendwann andernorts eine neue berufliche Herausforderung zu suchen. Er muss lachen, als er von seinen Anfängen in Trier erzählt: "Ich hatte nicht wirklich eine Ahnung davon, was da mit der Halle auf mich zukommt. Sie hat's mir alles andere als leicht gemacht. Heute sage ich: Sie war mein Baby."
Heute - das ist 13 Unternehmerverbands-Neujahrempfänge, 13 Karnevalsgalas mit Kaiser-Augustus-Ordensverleihungen, 13 Guildo-Horn-Heimspiele, 65 Sitzungen der KG Heuschreck und hunderte Versammlungen, Kongresse, Firmenfeiern und Konzerte später. Hotel plus Halle - das ist auch der Grund, warum der Mann mit dem Rudi-Carrell-Akzent in Trier überaus bekannt und populär ist.
Zur (freiwilligen) Ausdehnung der Verweildauer trug aber auch eine Konzeptänderung bei: Aus der 127-Zimmer-Herberge Ramada Trier, vormals Europa-Parkhotel und Mövenpick, wurde 2008 Penta. Eine Marke aus demselben Hotelkonzern HPI, "aber ein völlig anderes Produkt: jünger, legerer, ungezwungener und trotzdem hochwertig." Die Philosophie "Wenn der Gast es wünscht, spielt der Hotelchef mit ihnen Billard oder Tischfußball" hat de Bruijn gerne verinnerlicht: "Ich bin ziemlich gut in beidem geworden." Tatsächlich eilt ihm der Ruf voraus, ein Holländer zu sein, der wichtige Fußballspiele auch gewinnen kann. Wenn auch nur am Kicker.
Sinnigerweise hat ihm das 32-köpfige Mitarbeiterteam zum Abschied einen Kickertisch geschenkt. Apropos Team: "Das ist eine tolle Truppe. Sie ist mit mir durch dick und dünn gegangen, sprich: Durch viele Jahre, in denen Hotel oder Halle Baustelle waren." Sein Nachfolger Marco Zimmermann (41; kommt vom Frankfurter Penta nach Trier) könne sich auf die Kolleginnen und Kollegen freuen.
Paul de Bruijn, der mit Frau (44) und elfjährigem Sohn in Riol wohnt, muss sich mit dem neuen Lebensabschnitt "erst noch so richtig anfreunden". Seine Hobbys Golfen, Gärtnern und Kochen seien nur bedingt ausfüllend: "Ich bin fit und in der Lage, mein Know-how und meine Erfahrungen zu teilen." Comeback im Arbeitsleben nicht ausgeschlossen.Extra

Die 1977 eröffnete städtische Europahalle ist ein kommunalpolitischer Problemfall. Die Trierer Bürgerverein 1864 GmbH (im Alleinbesitz der Günther-und-Käthi-Reh-Stiftung) hat ihren Pachtvertrag zum 31. Dezember 2017 gekündigt. Gleichzeitig endet der Betreibervertrag des Penta-Hotels. Problematisch sind nicht nur hohe Unterhaltungs- und Sanierungskosten, sondern auch die Raumsituation: Küche und Restaurant des Hotels gehören zur Europahalle. Wie es mit ihr weitergeht, ist noch nicht entschieden. Versuche, die Halle zum Symbolpreis von 1 Euro zu verkaufen, sind gescheitert. rm.