Jetzt wird auch das Restkloster in Föhren abgerissen

Kostenpflichtiger Inhalt: „Von liebgewordenen Dingen trennen“ : Jetzt wird auch das Restkloster in Föhren abgerissen

Der Föhrener Gemeinderat schafft Freiräume für die Entwicklung eines neuen Dorfzentrums. Auch die alte Schule soll bald Geschichte sein.

Die Gemeinde Föhren hat einen großen Schritt in Richtung Entwicklung des Klosterareals in der Ortsmitte gemacht: Einstimmig hat der Gemeinderat den Abriss des übrig gebliebenen Klostergebäudes und die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen.

Ein Seitenflügel des Klosters der Franziskanerinnen von Nonnenwerth war bereits Anfang 2017 abgerissen worden. Nun folgt also das Hauptgebäude, das seit 20 Jahren leer steht und in einem sehr schlechten baulichen Zustand ist. Im Jahr 1868 war das Waisenhaus Sankt Josef für Zöglinge von der Armenverwaltung Trier gebaut worden. 1904 übernahmen die Schwestern die Immobilie und betreuten dort Heimkinder.

„Manchmal muss man sich auch von liebgewordenen Dingen trennen, wenn man vorwärtskommen möchte”, sagte Ortsbürgermeisterin Rosi Radant (CDU). Das Kloster habe eine große Bedeutung für Föhren, aber an dem Abriss führe kein Weg vorbei.  Trotz zweier Investorenauswahlverfahren in den Jahren 2014 und 2017 hatte sich kein Investor gefunden, der das marode Klostergebäude sanieren wollte. Nun möchte die Gemeinde auf dem städtebaulichen Entwurf der Arbeitsgemeinschaft FAT Architects SARL, AXT Architekten, BGHplan und Landschaftsarchitektur GmbH aufbauen.

Im neuen Gestaltungskonzept, das der Projektentwickler Neuland GmbH (Trier) mit dem Gemeinderat erarbeitet hat, wurde ein Kompromiss gefunden: Das „Herz von Föhren”, wie Architekt Thomas Kruppa (Neuland) sagte, solle sich zumindest optisch in einem Neubau wiederfinden. „Wir wollen die alten Laibungen in die neue Fassade einbauen und die Kubatur übernehmen, um so den Charakter des Klosters für künftige Generationen zu bewahren.” Ein großer, freier Platz soll den passenden Rahmen für das zentrale Gebäude bilden.

An der unterhalb verlaufenden Hauptstraße sollen Wohn- und Gewerbegebäude entstehen; die Landesstraße selbst soll umgestaltet werden. Zufahrtsmöglichkeiten ins künftige Dorfzentrum sind nur partiell als Sackgassen mit Wendemöglichkeit über den Hohlweg und die Waldstraße geplant.

Einen Ringverkehr soll es laut Kruppa nicht geben. Das obere Klosterquartier bleibe autofreie Zone; lediglich bei Veranstaltungen mit viel Publikum soll dort das Parken erlaubt werden. Im unteren Bereich ist eine Tiefgarage vorgesehen. Entlang des Hohlwegs wird die „kleinteilige Hoftypologie” mit Einfamilienhäusern fortgeführt (siehe Skizze).

Ortsbürgermeisterin Radant hob die „wohltuende Geschlossenheit” der Fraktionen in zwei Strategieworkshops hervor. Auch Alexandra Reichsgräfin von Kesselstatt (CDU), Ulrich Urbanek (SPD) und Hermann-Josef Steffes (FWG) lobten die gute überfraktionelle Zusammenarbeit. Alle Beteiligten gelobten, diese fortzuführen, schließlich gebe es noch viel zu tun. Die Gemeinde möchte das mehrere Hektar große Gelände eigenverantwortlich erschließen und die Grundstücke vermarkten – allerdings nicht unbedingt an den, der am meisten bietet.

Wie Städteplanerin Melanie Baumeister von der Neuland GmbH sagte, sollen Qualitätskriterien den Ausschlag geben: „Wir gehen von vielen Interessenten für die Grundstücke aus. Es läuft auf eine Konzeptvergabe heraus.” Eventuell werde eine Dorfgenossenschaft gegründet, um die Bürger von Föhren zu beteiligen.

... und durch ein neues, optisch ähnliches Gebäude ersetzt. Hier der komplette Planentwurf. Foto: Arbeitsgemeinschaft FAT, AXT, BGHplan, Landschaftsarchitektur GmbH

Bis Baurecht besteht – dies könnte 2021 der Fall sein –, wartet noch eine Menge Arbeit auf Planer, Gemeinde und Rat. Unter anderem wird ein Raumbedarfsplan mit Flächen- und Nutzungszuweisungen für das Bürger- und Vereinshaus sowie die alte Schule erarbeitet werden. Für die alte Schule soll auf Beschluss des Rates eine Abrissgenehmigung erwirkt werden. Das Büro Schuh & Weyer wurde damit beauftragt. Aus dem ehemaligen, denkmalgeschützten Klosterensemble bliebe damit nur noch das Torhaus (Männerhaus) bestehen.