Jobmaschine Gesundheitswesen
Trier soll künftig verstärkt Akzente in der Gesundheitswirtschaft setzen. Vertreter von Stadt, Region, Hochschulen und Trägern verständigten sich im Rahmen eines Runden Tischs, die Gründung eines "Europäischen Forums für Gesundheitswirtschaft" mit Sitz in Trier in die Wege zu leiten.
Trier. In mehreren Workshops hatte der Runde Tisch mögliche Leitprojekte abgeklopft, um den Jobmotor Gesundheits-Branche - Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser, Medizintechnik, Pflege, Reha, Fitness - zu stärken und auszubauen. Immerhin arbeiten in Trier und der näheren Umgebung rund 6500 Menschen in den entsprechenden Berufen.
Es fehlt eine koordinierende Institution
Dabei gab es einen erstaunlich breiten Konsens darüber, dass eine Institution fehlt, die sich um die Koordination von Aus- und Weiterbildung kümmert, Trends im Gesundheitswesen aufspürt, Forschungs-Erkenntnisse vermittelt und die Akteure grenzüberschreitend an einen Tisch bringt, um eine effektivere Zusammenarbeit vor allem Richtung Luxemburg zu gewährleisten.
Diese Aufgabe soll künftig das "Europäische Forum für Gesundheitswirtschaft" übernehmen. Den ursprünglichen Begriff "Akademie" hat man aufgegeben - wohl, um andere Ausbildungsträger im Gesundheitswesen nicht zu verschrecken. Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen sprach von einer "Agentur-Funktion", die die künftige Institution haben solle. Gedacht ist an eine Art Geschäftsstelle, die konkrete Einzelprojekte betreut. Wie das im Detail aussehen soll, weiß noch niemand. "Was wir da machen, gibt es in dieser Art sonst nicht", betonte der OB. Der Koblenzer Gesundheitsökonom Professor Stefan Sell riet dazu, "jetzt konkrete Projekte zu benennen, damit die Menschen in der Region sich konkret vorstellen können, was da geplant ist". Wenn die Idee mit dem Forum nicht funktioniere, sei "der eingeschlagene Weg in Trier zu neuen Akzenten in der Gesundheitswirtschaft zu Ende".
Der Professor spielte damit auf den Umstand an, dass ein zweites Leitprojekt kurzfristig gekippt worden war. Die vorgeschlagene gemeinsame regionale "Medizin-Logistik" scheiterte daran, dass die meisten beteiligten Träger, vor allem Krankenhäuser, an einer "Einkaufsgemeinschaft" vor Ort kein Interesse haben - schließlich gehören sie meistens überregionalen Verbünden an.
So können sich jetzt alle Kräfte auf das Forum konzentrieren. Doch für dessen Aufbau müssen zunächst die entsprechenden Mittel aufgetrieben werden. Ein Jahr lang soll die Projektvorbereitung dauern, rund eine halbe Million Euro wird dafür gebraucht. Organisationsstruktur, inhaltliches Konzept, Marketing-Ansätze und ein Geschäftsplan sollen erstellt werden - schließlich muss sich die grenzüberschreitende Agentur längerfristig selbst finanzieren.
Aber zuerst ist die Stadt am Zug. "Wir werden entsprechende Förderanträge erarbeiten", kündigte OB Jensen an. Gleichzeitig will er "Teilprojekte schon jetzt angehen". Als Haupt-Geldgeber ist das Land im Visier, möglicherweise stehen aber auch europäische Töpfe zur Verfügung.
Meinung
Sprung zu kurz, Richtung stimmt
Man hätte es schon gerne etwas konkreter gehabt als mit diesem ziemlich wolkigen "Forum", von dem keiner so richtig sagen kann, wie es am Ende aussehen soll. Aber mehr war wohl im Moment nicht drin, wenn man möglichst viele Unterstützer hinter dem Projekt versammeln will. Mit einem Büro, ein paar Forschungsaufträgen und Spielräumen fürs Nachdenken wird der große Durchbruch in der Gesundheitswirtschaft freilich kaum gelingen. Und die Fördermittel werden nicht allein aufgrund der treuen Augen des Oberbürgermeisters fließen, da braucht es schon Butter bei die Fische. Aber auch wenn der Sprung (noch) zu kurz ist: Die Richtung stimmt. Angesichts der demografischen Entwicklung werden im Laufe der Jahre Regionen die Nase vorn haben, die die "Ware Gesundheit" in möglichst vielfältiger, professioneller, gut koordinierter und damit effektiver Form anbieten können. Der Grenzraum Trier-Luxemburg hat dabei alle Chancen der Welt, wenn er sie nicht kleinmütig verzockt. d.lintz@volksfreund.de