Josef Otto fährt mit Elektrokutsche durch Trier

Verkehr : Romantische Kutschfahrt durch Trier - und das elektrisch

Wenn Josef Otto mit seiner Elektrokutsche durch Trier fährt, drehen sich die Köpfe. Das Gefährt ist  maximal 25 Stundenkilometer schnell.

Der Traum vieler Touristen, Hochzeitspaare und Romantiker: eine Kutschfahrt durch Trier. Doch Gedanken an Tierschutz und das Risiko durchgehender Pferde trübt bei manchem die Freude. Seit letztem Jahr kann man nun Romantik und Bedenken – und Wissensdurst – miteinander  vereinbaren. Zwar bietet Josef „Jupp“ Otto Stadtrundfahrten mit einer  Pferdekutsche an, jedoch wird diese statt Pferdestärken mit Elektromotor betrieben. „Gääkisch Bäpp“ nennt er das Gefährt, was so viel bedeutet wie „verrückte Barbara“. Es ist mit höchstens 25 Stundenkilometern unterwegs und wurde einem Jagdwagen aus der Zeit von 1900 nachempfunden. 

 Für Touristen nahezu unsichtbar ist die Lage des Abfahrtspunkts vom „Gääkisch Bäpp“ und „Jupp“ Otto. Doch der Hobbykutscher ist froh, dass er wenigstens vor dem Lokal „Lange Theke“ am Margaretengässchen  einen Standplatz von der Stadt mieten konnte. Ohnehin mussten viele Genehmigungen und Erlaubnisse eingeholt werden, bevor er mit seiner Idee an den Start gehen konnte, sagt er.  Die Liste der Auflagen ist groß: Er darf weder auf Bundesstraßen noch in der Fußgängerzone unterwegs sein – und auch der Platz vor dem Dom, wo Touristen auf bis zu 20 Stundenkilometer schnellen Segways entlangdüsen, ist für ihn tabu. Doch das trübt den Optimismus von Josef Otto nicht. Gut gelaunt beginnt die Rundfahrt, die zunächst über die Mosel- und Dietrichstraße bis zur Einfahrt des Stockplatzes führt. Unterwegs erzählt Jupp im Plauderton Wissenswertes über die gerade gesehenen Bauwerke.

 Passanten drehen die Köpfe, und Handys werden gezückt – auch die drei Personen, die am Stockplatz Fotos machen, staunen über das spektakuläre Fahrzeug. „Wollt Ihr mitfahren?“, ruft Jupp ihnen zu. Die drei sehen sich an, beratschlagen kurz, lachen ungläubig und steigen staunend über das spontane Angebot in die Kutsche.

Triererin Claudia Binder lebt seit 25 Jahren in Langen bei Frankfurt. Ihre Begleiter sind Richard und Ruth Begon aus Mettendorf (Eifelkreis Bitburg-Prüm). Die  Spontan-Kutschierten freuen sich über ihr Glück, die nächsten 40 Minuten eine Stadtführung der besonderen Art zu bekommen. Die Fahrt geht weiter, und wieder bleiben die Menschen am Straßenrand stehen: Sie staunen, lachen, winken, machen Fotos. In der Kutsche selbst steigt die Laune weiter. Selbst für Ur-Trierer, die in der Südallee zigmal mit dem Auto an der Ampel standen, ist der Blick von der hohen, offenen Kutsche aus ein völlig anderer. Jupp erzählt von den alten Häusern, zeigt die Fassaden und erklärt Baustile.

Hauptberuflich ist Jupp Otto beim LBB (Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung) tätig, daher kann er die Fragen seiner Fahrgäste spontan beantworten. An der Treppe zum Basilikavorplatz am Rand des Palastgartens – dessen Wege für „et gääkisch Bäpp“ ebenfalls tabu sind – hat Jupp noch eine Überraschung für seine Gäste: Er öffnet eine gut gekühlte Flasche Sekt! Das Etikett zeigt Jupp und Bäpp – die Fahrgäste sind entzückt und stoßen miteinander an. Wieder schauen die umliegenden Passanten herüber. Solche Momente liebt Jupp. „Ich bin mal an einem Bus vorbeigefahren, wo gerade etwa 50 Italiener Rast gemacht haben. Die haben uns applaudiert“, erzählt er lachend. Auch ein berührendes Erlebnis mit einer alten gehbehinderten Frau im Rollstuhl, der er eine Kutschfahrt ermöglichen konnte, hat er in guter Erinnerung.

Nach 40 Minuten ist die Kutsche, die Platz für sieben Fahrgäste bietet, wieder an ihrem Ausgangspunkt im Margaretengässchen. Für Claudia Binder, Richard und Ruth Begon war es „ein Erlebnis“, sie bedanken und verabschieden sich herzlich von Jupp und nehmen Flyer mit. Auf den Kutscher warten indes schon die nächsten Kunden, die irgendwie auf Jupps besonderes Gefährt aufmerksam wurden und die Fahrt telefonisch gebucht hatten.

Eine eigene Homepage hat Josef „Jupp“ Otto nicht, für Interessenten ist er telefonisch zu erreichen unter 0179/420 64 63 oder am Standplatz vor der „Langen Theke“ freitags (ab 14 Uhr) bis sonntags. Der Preis pro Person beträgt 15 Euro. „Et gääkisch Bäpp“ ist also – zumindest bis jetzt – noch ein Geheimtipp für alle, die Trier mal mit anderen Augen sehen – (und gesehen werden) wollen.

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