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Jubiläum: Seit 150 Jahren gehört die Wäschegalerie Heinemann zu Trier

Jubiläum : Gefühl für Spitze und Feines - Seit 150 Jahren gehört die Wäschegalerie Heinemann zu Trier (Fotos)

Am 1. Oktober 1871 eröffnete die Wäschegalerie Heinemann in Trier. Nun feiert das Geschäft ein großes Jubiläum. Seit 150 Jahren ist der Laden Teil der Trierer Innenstadt.

Wenn ein Einzelhandelsgeschäft 150 Jahre lang im Familienbesitz betrieben wurde, müssen immer wieder Menschen in guten wie schlechten Zeiten Weichen richtig gestellt haben. Die Wäschegalerie Heinemann in der Trierer Brotstraße hat dieses Jubiläum 2021 erreicht. Die aktuellen Lenker, Christoph Heinemann und seine Schwester Ulrike Rothkamm, blicken mit Stolz auf die Vergangenheit und mit Zuversicht auf die kommenden Herausforderungen.

Das vergangene Jahr war eine dieser großen Hürden, die im Laufe einer derart langen Unternehmensgeschichte immer wieder einmal auftauchen. Die Monate im Lockdown überbrückte die Wäschegalerie Heinemann mit einem Lieferservice für ihre Kunden. „Gelitten hat dabei natürlich die intensive Beratung, die normalerweise unsere größte Stärke ist“, blickt Christoph Heinemann zurück. Nach vielen Monaten dann wieder Kundinnen im Laden begrüßen zu können – das sei für seine Mitarbeiterinnen und ihn ein schönes Gefühl gewesen. Den Schwung möchte man nun mitnehmen und Ende August den Umzug in ein größeres Ladenlokal auf der gegenüberliegenden Seite der Brotstraße abschließen. Damit wird das Unternehmen im Grunde an seinen angestammten Platz zurückkehren. Denn diese Seite der Ladenzeile war über die längste Zeit Standort des Heinemann-Geschäfts.

Am 1. Oktober 1871 eröffnete Josef Heinemann, Urgroßvater der heutigen Inhabergeneration, hier einen Laden für Strickwaren unter dem Namen „Gebrüder Heinemann“. Die Vorgeschichte reicht noch einige Jahre weiter zurück. Denn bereits Josefs Vater hatte im Sauerland den ehemaligen Nebenerwerb der Strickwarenherstellung zu einem Unternehmen ausgebaut. Dessen drei Brüder eröffneten bald Verkaufsstellen in Neuss, Düsseldorf und Mönchengladbach. Trier kam dann als vierte im Bunde hinzu. In den Folgejahren waren es in der Moselstadt nicht zuletzt die Frauen, die den Familienbetrieb am Laufen hielten. Josef Heinemanns Ehefrau führte nach seinem Tod die Geschäfte bis Ende des ersten Weltkriegs. Ganz ähnlich erging es der nächsten Generation: Sohn Heinrich starb zu Anfang des zweiten Weltkriegs und seine Frau übernahm das Ruder.

In diese Zeit fielen auch die wenigen Jahre, in denen das Unternehmen nicht in der Brotstraße saß. 1944 wurde der ursprüngliche Laden bei einem Bombenangriff zerstört und der Neuanfang begann 1947 zunächst in der Fleischstraße. Zu Beginn konnte die Familie rund um Hubertus Heinemann – er führte die Geschäfte von 1947 bis 1988 – nur auf wenig zurückgreifen. „Einige Möbel und Kleidungsstücke für den Tauschhandel hatte man durch den Krieg gerettet“, erzählt Christoph Heinemann. Doch schon bald ging es wieder aufwärts.

Das Sortiment hat sich dabei im Laufe der 150 Jahre immer wieder geändert. Zu den Strickprodukten gesellten sich Anfang des 20. Jahrhunderts Markenwaren und die damals überaus beliebten Matrosenanzüge. Seinen heutigen Wäsche-Schwerpunkt erhielt das Haus in erster Linie ab 1996. „Eleganz und hohe Verarbeitungsqualität gewannen aus Kundensicht an Bedeutung“, erläutert Heinemann. Anstelle von stärker funktional orientierter Nacht- und Unterwäsche früherer Jahrzehnte traten zunehmend aufwendige Dessous. Gerade bei solchen Waren bestehe eine hohes Interesse an eingehender Beratung und Anprobe-Möglichkeiten vor dem Kauf, meint Heinemann. Und da könne ein Fachgeschäft mit kompetenten Mitarbeitern auftrumpfen – selbst gegenüber den großen Onlinehändlern.

Hilfreich sei natürlich, Spaß an der eigenen Arbeit zu haben. Den hat sich Christoph Heinemann seit der eignen Ausbildungszeit zum Einzelhandelskaufmann bewahrt. Schon als Azubi im Trierer Modehaus Blaue Hand habe ihn der Kontakt zu Kunden begeistert. Nach dem anschließenden Studium an der Fachhochschule Worms mit Schwerpunkt Handel und Marketing war allerdings noch nicht klar, dass die eigene berufliche Zukunft im Familienunternehmen liegt. Doch der Tod des Vaters 1988 stellte hier die Weichen neu.

Jubiläum: Seit 150 Jahren gehört die Wäschegalerie Heinemann zu Trier
Foto: Wäschegalerie Heinemann

Zunächst unterstützte Heinemann die Mutter im Geschäft und übernahm dann 1991 selbst die Verantwortung. Seine Schwester Ulrike Rothkamm ist der zweite Teil des Familienbetriebs, sie organisiert die Beratung und den Verkauf. Die nächste Generation ist mit Heinemanns Tochter Lena-Marie ebenfalls schon aktiv, indem sie sich um das digitale Auftreten des Geschäfts kümmert. Gerade der Corona-Lockdown hat die Bedeutung dieses Bereichs erneut vor Augen geführt.

Hier geht es zur Bilderstrecke: 150 Jahre Wäschegalerie Heinemann