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Jüdischer Friedhof in Saarburg-Niederleuken neben dem Grundbach

Serie „Landmarken“, Teil 9 : Selbst steinerne Bruchstücke erzählen Geschichte

Serie „Landmarken“: Ein Friedhof in Saarburg erinnert an früheres jüdisches Leben in der Stadt und um sie herum.

Friedhöfe sind im jüdischen Glauben Orte der dauerhaften Toten­ruhe – einer der im Hebräischen geläufigen Namen lautet übersetzt „Haus der Ewigkeit“. Deshalb bleiben die Gräber un­angetastet über Jahr­hunderte, bis allenfalls die Natur ihre Spuren un­kenntlich macht. Friedhöfe sind daher ausgesprochen dauerhafte Zeugen für jüdisches Leben. So auch in unserer Region, wo lange neben der großen Gemeinde in Trier viele kleinere existierten. Auf die jüdische Geschichte Saarburgs verweisen in Niederleuken nahe dem Grundbach mehr als ein Dutzend Grabsteine.

Groß war die Gemeinde nie, stets lebten hier nur einige Familien. Dennoch reicht die Historie bis ins 14. Jahrhundert zurück. Was während der Pest­wellen dieser Zeit geschah, in der viele jüdische Gemeinden Ziel von Pogromen wurden, ist für Saarburg nicht nachzuvollziehen. Erst nach 1400 lassen sich wieder Familien nachweisen. Eine genaue namentliche Auflistung ist erst aus dem Jahr 1607 erhalten. Seit dem Dreißigjährigen Krieg lässt sich die jüdische Geschichte Saarburgs durchgehend verfolgen.

Zwar versuchten die National­sozialisten ab 1933 auch hier, jüdisches Leben auszulöschen. Damals gab es in der Stadt 40 Juden bei einer Gesamteinwohnerzahl von 4179. Die Verfolgungen und Über­griffe der folgenden Jahre gipfelten 1939 in der Deportation der verbleibenden jüdischen Bürger. Angeblich zur eigenen Sicherheit vor französischen Angriffen wurden sie nach Trier umgesiedelt. Im Unterschied zu anderen Bewohnern durften sie aber nie wieder zurück, sondern wurden später in Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt. Nachweislich überlebten 25 von ihnen jene Jahre nicht. Die Saarburger Gemeinde existierte damit nicht mehr, doch ihre Geschichte zu tilgen, gelang den Nazis nicht. Ein wichtiges Symbol ist der Friedhof in Niederleuken. Dieser wird erstmals 1804 im Zusammenhang mit der Versteigerung eines Judenkirchhofweihers schriftlich genannt. Er entstand aber vermutlich bereits im Jahrhundert davor.

Insgesamt sind noch 15 solcher jüdischen Gräberfelder im Kreis Trier-Saarburg erhalten. Mit 2049 Quadratmetern Fläche ist der Niederleukener Friedhof der zweitgrößte nach dem in Freudenburg. In der Anfangszeit muss das Gelände kleiner gewesen sein, denn es werden Erweiterungen im Lauf des 19. Jahrhunderts und insbesondere 1907 beschrieben. Genutzt wurde die Begräbnisstätte auch von Jüdinnen und Juden aus Ayl, Beurig, Könen, Wawern und Wiltingen. Ab dem 20. Jahrhundert ist die Geschichte durchgehend dokumentiert, da im Archiv der Verbands­gemeinde­verwaltung Saarburg ein geschlossener Aktenband „Israelitischer Friedhof“ hinterlegt wurde.

Mit der NS-Zeit begann auch hier ein dunkles Kapitel. Immer wieder gab es Schändungen der Gräber, die 1938 in einer systematischen Verwüstung durch die SA ihren Höhepunkt fanden. Viele Steine wurden umgeworfen, zerkleinert oder zum Aufschichten einer Mauer missbraucht. Doch einige entgingen der Zerstörung, sie stehen heute wieder am alten Ort. Wiederaufbau und Pflege dieses Erinnerungsorts hatten allerdings nicht immer höchste Priorität. Zu Anfang waren Landesministerium, Bezirksregierung und Landratsamt ab 1947 noch sehr bemüht. Der zwischenzeitlich aufgestellte Hühnerstall wurde entfernt und machte wieder einigen der rechtmäßig zurückgekehrten Grabsteinen Platz.

 Ein Friedhof in Saarburg erinnert an früheres jüdisches Leben der Stadt. Im Kreisgebiet ist er mit 2049 Quadratmetern Fläche der zweitgrößte nach dem jüdischen Friedhof in Freudenburg.
Ein Friedhof in Saarburg erinnert an früheres jüdisches Leben der Stadt. Im Kreisgebiet ist er mit 2049 Quadratmetern Fläche der zweitgrößte nach dem jüdischen Friedhof in Freudenburg. Foto: TV/Martin Recktenwald

Die Pflege des Areals wurde allerdings in späteren Jahrzehnten nicht immer mit Hochdruck betrieben. Anfang der 2000er Jahre machte der Friedhof einen recht verwahrlosten Eindruck. Die Gräber selbst werden zwar nach jüdischem Brauch weitgehend sich selbst überlassen. Das gilt jedoch nicht für die Wege zum Gelände. Außerdem hatte man beim ursprünglichen Wiederaufbau nicht alle Schäden beseitigt. Einige Grabsteine lagen nach wie vor zerschlagen in der Böschung. 2006 rückte eine Gruppe Saarburger Jugendlicher – unterstützt durch Studiendirektor Günter Heidt vom Gymnasium Saarburg – den Friedhof wieder ins Bewusstsein. Sie trugen die Bruchstücke im Zentrum zusammen und schichteten sie zu einem Mahnmal auf. Zugangsweg und Portal sind heute neu gestaltet. In jüngerer Zeit wurden sogar wieder Menschen auf dem Friedhof bestattet, wie einige Inschriften mit dem Sterbedatum 2014 zeigen.

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