Jugendkulturzentrum Exhaus Trier braucht dringend neues Gebäude

Die Suche läuft : Wer hat ein Ersatz-Exhaus für Trier?

Der Betreiberverein des geschlossenen Jugendzentrums im Trierer Norden braucht ein Gebäude, um seine Konzerte und Partys anbieten zu können und damit aus der Insolvenz zu kommen. Die Suche läuft.

Der erste Schock klingt allmählich ab. Seit mehr als vier Wochen ist das Jugendkulturzentrum Exhaus komplett geschlossen, denn das historische Gebäude ist einsturzgefährdet und eine Gefahr für jeden, der sich darin aufhält (der TV berichtete). Dennoch geht die Arbeit  weiter.

Die Mitarbeiter des Betreibervereins Exzellenzhaus sind bereits in vier Räumen der Geschwister-Scholl-Schule einquartiert worden und können von dort aus weiter arbeiten. Doch der in einem Insolvenzverfahren steckende Betreiber des Jugendzentrums, der Verein Exzellenzhaus, verdient Geld mit Partys und Konzerten. Nur ein alternatives Gebäude, eine Art Ersatz-Exhaus, kann dieses Problem lösen.

„Unsere Wunschvorstellung ist ein Gebäude, das uns für die Veranstaltungen des Exhaus-Vereins zur Verfügung gestellt wird“, sagt Rechtsanwältin Christine Frosch, die das Insolvenzverfahren als Generalbevollmächtigte begleitet. Das sieht auch Triers Oberbürgermeister und Finanzdezernent Wolfram Leibe (SPD) so. „Wir prüfen, was wir im Portfolio haben“, sagt er. „Aber wir können eine große Halle oder ein Gebäude nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Wo steht eine Immobilie, die brandschutzsicher ist und 500 Leute aufnimmt?“ Doch die Suche läuft: Carsten Lang, der Leiter des Jugendamts, arbeite mit Hochdruck an diesem Problem.

Währenddessen rollt die Welle der Hilfsbereitschaft weiter. Sofort nach der Schließung des Exhauses haben sich andere Trierer Säulen der Jugendszene bereiterklärt, Exhaus-Veranstaltungen zu übernehmen, so dass sie nicht ausfallen müssen. Eine Geste, die hilft, aber das generelle Problem nicht löst.

Kai Wichmann ist der Hausleiter des Jugendzentrums Mergener Hof, zu dessen Aktionen ebenfalls Konzerte und Veranstaltungen gehören. Zusammen mit weiteren Fundamenten der Trierer Jugendszene wie Lucky’s Luke und der Villa Wuller hat das Jugendzentrum sofort nach der Schließung des Exhauses die Bereitschaft signalisiert, einzelne Veranstaltungen in seinem 2018 erweiterten Kellerraum stattfinden zu lassen.

„Es ist doch klar, dass wir in einer solchen Situation helfen und in die Bresche springen“, sagt er. „Aber wir können natürlich nur einen Bruchteil der Exhaus-Veranstaltungen übernehmen.“ Denn ebenso wie Lucky’s Luke und die Villa Wuller hat auch der Mergener Hof einen eigenen Veranstaltungsplan und auch einen Kostenrahmen.

Wichmann: „Eine solche Übernahme einer Veranstaltung muss für beide Seiten zu stemmen sein. Niemand darf dadurch ins Minus rutschen.“ 15 Veranstaltungen des Exhauses habe der Mergener Hof übernommen. „Aber das können natürlich noch mehr werden.“

Für Cornelius Günther, den Leiter des Exhaus-Vereins, ist es außerdem wichtig, dass bei Konzerten an Ersatzorten der Name Exhaus weiter erscheint, „damit diese Marke nicht in Vergessenheit gerät“.

Der nächste entscheidende Schritt  für das Exhaus steht am 17. April auf der Tagesordnung des Stadtrats, der die Haushaltsunterlage (HU) Bau in Auftrag geben soll. Damit gemeint ist die Sammlung von Unterlagen, die nötig ist, um Mittel für öffentliche Bauprojekte zu beantragen.

Danach kann die Stadt ermitteln, wie schwer die Gebäudeschäden im Detail sind und wie teuer es werden kann, sie zu beheben. Aktuell spricht Baudezernent Andreas Ludwig (CDU) nicht von Abriss und Neubau, sondern von einer Generalsanierung. Die endgültige Entscheidung für oder gegen eine Sanierung des historischen Gebäudes wird dann der Stadtrat treffen.

Kommentar

Die Chance ist da, zum Helden zu werden

Wer es jetzt schafft, eine Halle oder ein Gebäude zu präsentieren, dass in den nächsten Jahren als Interims-Exhaus dient und Platz für die zum finanziellen Überleben notwendigen Partys, Konzerte und Veranstaltungen bietet, wird zum Helden der Jugendszene und Veranstaltungskultur in Trier. Denn die Schließung des Exhauses ist eine Krise, aus der sich der Betreiberverein kaum aus eigener Kraft wird befreien können. Jetzt und hier bietet sich die Chance, ein komplexes Netzwerk der Jugendkultur und Jugendarbeit, das sich in ernster Gefahr befindet, zu retten. Eine solche Geste hätte ein enormes Gewicht und würde wahrscheinlich viel vom verlorengegangenen Politikvertrauen der jüngeren Wählersichten wieder zurückbringen.

Die Herausforderung gilt dabei nicht nur der Stadt Trier. Unternehmen, Institutionen, vereine, Wohnungsgesellschaften, private Investoren, das Land, der Bund – jetzt ist die Chance da, zum Helden zu werden.

Da war das Exhaus noch offen: Die Hamburgerin Antje Schomaker spielte im Oktober mit ihrer Band im Balkensaal. Foto: Julia Nemesheimer

j.pistorius@volksfreund.de

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