Jugend und Politik: Jugendliche klagen über mangelndes Interesse

Jugend und Politik : Jugendliche klagen über mangelndes Interesse

Junge Schweicher Bürger berichten im Bürgerzentrum von Erfahrungen mit Politikern in ihrer Heimatgemeinde.

Wenn der Jugendverein in Schweich einlädt, wird es durchaus auch politisch. Wie jüngst im Bürgerzentrum. Rund 25 junge Leute berichteten von ihren Erfahrungen mit Politikern, diskutierten, was ihnen an Schweich wichtig ist.

Auch Max Winstel vom Dachverband Kommunale Jugendvertretungen Rheinland-Pfalz hatte sich von Kaiserslautern aus auf den Weg an die Mosel gemacht. „Weil ich das Gefühl habe, dass hier Jugendliche sind, die sich engagieren“, begründete er die recht lange Anreise. Auch weitere ältere Besucher, darunter Dirk Marmann, Jugendpfleger der Verbandsgemeinde (VG) Schweich, hatten den Weg ins Bürgerzentrum gefunden. Es ist offensichtlich so, wie Winstel sagt. Einige junge Leute aus der VG Schweich hatten in den vergangenen Wochen den Kontakt zu Lokalpolitikern gesucht, Stadtratsfraktionen besucht und Fragebögen rund gemailt – und auf Antworten gehofft.

Ziel war, dass sich Jugendliche in Schweich einen Überblick über die Standpunkte der Parteien und Wählergruppen verschaffen. Alina, Melina und Katharina resümierten stellvertretend für alle Mitmachenden: Die SPD-Fraktion sei relativ offen gewesen, die CDUler hätten sie gegen die Wand geredet und klar gemacht, dass die jungen Leute in der Bringschuld stünden, also zu den Politikern gehen und sich informieren müssten.

Dies sei auch der Tenor in der FGW-Fraktion gewesen. Auf die Frage von Stefan Henn, wer mit Politikern Kontakt habe, schnellten nur wenige Finger nach oben. Henn, Vorsitzender des Jugendvereins und Moderator an diesem Abend, bedauerte: „Gestandene Politiker und Jugendliche im Gespräch das ist ein seltenes Bild.“ Auch hatte sich nur etwa die Hälfte der Parteien und Funktionsträger der VG Schweich und des Kreises Trier-Saarburg die Mühe gemacht, den Jugendlichen die schriftlich eingereichten Fragen, die sogenannten Wahlprüfsteine, zu beantworten.

Eines der positiven Beispiele: Arnold Schmitt (CDU) hatte in seiner Funktion als erster Beigeordneter des Kreises Trier-Saarburg und stellvertretend für den Landrat seitenweise geantwortet. Was wollten die jungen Leute wissen? Unter anderem, wie Politiker die, durch den Zaun am Stefan-Andres-Schulzentrum in Schweich, entstandene Situation (der TV berichtete) verbessern wollten und ob das Holzhaus an der Flüchtlingsunterkunft in den kommenden zwei Jahren doch noch als Jugendzentrum genutzt werden könne. Die Jugend sucht nach wie vor ihren Platz in der Moselstadt.

„Aber noch wichtiger als Kubikmeter umbauter Raum ist aus unserer Sicht ein nachhaltiges und professionelles Konzept für die offene Jugendarbeit in Schweich“, heißt es weiter in den Schreiben an die Politiker. Der Prozess zur Schaffung professioneller Strukturen laufe seit 2003. „Aktuell hat die Schweicher Jugend verschiedene Räume und Treffpunkte, die wenig miteinander verzahnt sind.“ Wie schon mittlerweile eine Genration zuvor bleibt die Frage die alte: „Wie wollen Sie vorgehen, um professionelle Strukturen der Offenen Jugendarbeit in Schweich zu erreichen und was sind für Sie hierbei die zentralen Eckpunkte und die konkreten nächsten Schritte?“

Ende des Jahres wird Dirk Marmann nach rund 20 Jahren seine Stelle als Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Schweich aufgeben. Er hat sich beruflich neu orientiert. 

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