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Jugendpflege Verbandsgemeinde Schweich

Soziales : „Blechbüchsen” und Holzhaus für die Jugend

Die ehemalige Flüchtlingsunterkunft in Schweich wird Anlaufstelle für Jugendliche. Wechsel in der Jugendpflege der Verbandsgemeinde: Laura Wagner löst Dirk Marmann ab.

Stabwechsel in der  Jugendpflege der Verbandsgemeinde (VG) Schweich: Zum 1. Januar 2020 übernimmt Laura Wagner die Leitung des Sachgebiets Soziale Arbeit/Jugendpflege. Die 26-jährige Sozialpädagogin löst den langjährigen Jugendpfleger Dirk Marmann (44) ab, der eine Stelle beim Roten Kreuz antritt. Er wird Abteilungsleiter Rotkreuzaufgaben und stellvertretender Kreisgeschäftsführer beim DRK-Kreisverband Trier-Saarburg.

Marmann wurde vor 20 Jahren zunächst ehrenamtlich während seines Studiums als Jugendpfleger in der VG Schweich tätig. 2003, als die Verbandsgemeinde eine hauptamtliche Stelle schuf, übernahm der Diplom-Pädagoge diese in Vollzeit. Und Marmann kämpfte gleich gegen Widerstände und Vorurteile an. „Ich musste mich rechtfertigen, warum man mich braucht”, erinnert sich der zweifache Familienvater aus Schweich. Nicht wenige Kommunalpolitiker seien der Auffassung gewesen, dass mit der Förderung der freien Jugendarbeit eine Konkurrenz zur Jugendarbeit der Vereine entstehe. Marmann: „Das war am Anfang schwierig, aber später haben selbst Kritiker eingeräumt, dass über diesen Weg sogar Jugendliche in die Vereine gefunden haben.”

Seit November arbeitet Dirk Marmann seine Nachfolgerin ein, tourt mir ihr durch sämtliche Orte der VG. Immerhin gibt es in 15 der 19 Ortsgemeinden Jugendräume. Größtenteils organisieren sich die Jugendlichen in Absprache mit den Gemeindeverwaltungen selber.

In wenigen Tagen koordiniert also die gebürtige Saarländerin Laura Wagner die zahlreichen Jugendaktivitäten in der VG Schweich. Darunter sind sechs Ferienfreizeiten, eine politische Bildungsreise nach Berlin und das Familienfest an Christi Himmelfahrt in Trittenheim. Den Demokratieraum, der kürzlich in Schweich eröffnet wurde (der TV berichtete), möchte Wagner für Workshops nutzen. In Planung ist eine Veranstaltung im Vorgriff auf die Landtagswahl 2021. Auch sollen Jugendbeauftragte in den Ortsgemeinderäten etabliert werden.

„Für mich ist es ein Traumjob”, sagt die 26-Jährige. Vor sechs Jahren kam sie zum Studium nach Trier. Nach zwei Semestern Lehramt sattelte sie auf Sozialpädagogik um. Dass die Verbandsgemeinde eine Einarbeitungsphase ermöglichte, werten beide Jugendpfleger auch als Zeichen der Wertschätzung der Verwaltung für ihre Arbeit. „Es ist wichtig, das Netzwerk aufrecht zu erhalten. Bricht es einmal ein, ist es schwierig, es wieder aufzubauen”, sagt Marmann.

Sein Fazit fällt positiv aus: „Die VG Schweich ist bei der offenen Jugendarbeit gut aufgestellt.” Besonders freut ihn die Entwicklung in der Stadt Schweich. Nach 15 Jahren „schwieriger Diskussion” um ein Jugendzentrum sei man mit dem „Blechbüchsen-Projekt” zusammen mit Stadtjugendpflegerin Lisa Petri auf einem guten Weg. Blechbüchsen nennen die Jugendlichen die beiden Container, die die Stadt Schweich gekauft hat. Sie stehen im Bereich Schlimmfuhren und werden voraussichtlich im Januar oder Februar eröffnet. Der kleine Container (45 Quadratmeter) soll als offener Treff dienen, der große (90 Quadratmeter) als Veranstaltungsraum mit Bühne und Licht- und Tontechnik.  Theke, Bestuhlung und Teile der Technik sind aus den Beständen eines früheren Schweicher Cafés. 40 000 Euro stehen insgesamt an städtischen Mitteln und Spenden für die Ausstattung bereit.

Zudem möchte die Stadt Schweich das ursprünglich zur Unterbringung von Flüchtlingen erbaute Holzhaus in den Schlimmfuhren vom Kreis für ein Jugendzentrum erwerben. Der Kreistag hat dem Verkauf am Montag zum Preis von 640 000 Euro zugestimmt (siehe Info). Die Jugendräume in der alten Schule in Alt-Schweich sollen aufgegeben werden.

Ruhe könnte bald an der Skater-Anlage am Schulzentrum einkehren, nachdem es dort zu Reibereien zwischen Skatern und anderen Jugendlichen gekommen war (der TV berichtete). Nach der Sanierung der Stefan-Andres-Halle sollen dort die Container des TuS Issel aufgestellt werden, die derzeit noch an der Sportanlage stehen. Nutzer wird der städtische Verein „Jugendarbeit in Schweich”. Er besteht aus knapp 20 Leuten im Alter von 17 bis 25 Jahren.

 Das Holzhaus, das die Stadt Schweich vom Kreis kaufen möchte (rechts), und die Container im Hintergrund werden künftig als Jugendzentrum genutzt. Im Hintergrund die Sporthalle des Bonhoeffer-Gymnasiums in Schweich.
Das Holzhaus, das die Stadt Schweich vom Kreis kaufen möchte (rechts), und die Container im Hintergrund werden künftig als Jugendzentrum genutzt. Im Hintergrund die Sporthalle des Bonhoeffer-Gymnasiums in Schweich. Foto: Trierischer Volksfreund/Albert Follmann

Für Dirk Marmann wäre dann an der Skater-Anlage eine „soziale Kontrolle” gegeben. Er glaubt, dass an dieser Stelle die Konflikte auch deshalb eskaliert sind, weil der Kreis das Gelände des Schulzentrums einzäunen ließ und es somit als Treffpunkt für Jugendliche wegfiel.