Junge Flüchtlinge zeigen ihre Kreativität

Junge Flüchtlinge zeigen ihre Kreativität

Die Abschlusspräsentation des Projekts "talentCAMPus 18plus" führt unter dem Motto "Alles Trier" zu überraschenden Ergebnissen.

Trier Die Wände sind vollgehängt mit selbst gemalten Bildern von Weinreben, Apfelbäumen und Sehenswürdigkeiten der Stadt, der Porta neben den Kaiserthermen und dem Kurfürstlichen Palais. Davor stehen auf einem kleinen Tisch bemalte Tassen, zusammengeschnittene Fotos, Kalender und T-Shirts, auf denen groß "Trier" prangt. Die Projektteilnehmer sollten zeigen, wie sie ihre neue Heimat sehen, und durch "talentCAMPus 18plus" einen Zugang zu kreativer, kultureller und sprachlicher Bildung bekommen, der ihnen sonst verwehrt geblieben wäre.
Das Projekt richtet sich an unbegleitete Flüchtlinge aus Afghanistan und Pakistan im Alter von 18 bis 26 Jahren, die nicht als solche anerkannt werden und deshalb an keinen anderen Projekten oder Kursen teilnehmen. Hier arbeiten sie dann über vier Wochen mit Lehrern zusammen, studieren Tanzchoreographien und Rollenspiele ein, besuchen Museen, machen Erkundungstouren und halten ihre Eindrücke in Fotos und Bildern fest. Sie lernen außerdem Deutsch.
Bei der Abschlusspräsentation ist darum die Nervosität, aber auch der Stolz der 25 Teilnehmer mit Händen zu greifen. Aus voller Kehle schmettern sie ein traditionelles afghanisches Lied, führen mit viel Enthusiasmus Rollenspiele und Tanz vor und zeigen außerdem ihre neu gewonnen Sprachkenntnisse, indem sie sich den knapp 50 Interessierten im Publikum auf Deutsch vorstellen. Fabian Lang hat seine Gruppe sogar kurzerhand im Trierischen unterrichtet. Ganz selbstverständlich präsentieren die jungen Männer daraufhin an einer Schautafel, wie sie Verben in Mundart konjugieren und essenzielle Begriffe wie "Lowi" und "Milljuuunen" korrekt verwenden können. Auch kulinarische Spezialitäten finden Anklang. Während einigen die Trierer Krankenhäuser und das Moselstadion gefallen, haben es Habibollah Haidary aus Afghanistan vor allem die Flieten, aber auch die Geschichtsstunden während des Projekts angetan. "Ich fand gut, dass wir über Dinge wie die Porta Nigra gesprochen haben. So haben wir etwas über die Geschichte der Stadt gelernt. Das hat besonders viel Spaß gemacht", erklärt er. Auch für die Projektleiterin Gisela Sauer war "talentCAMPus 18plus" ein voller Erfolg. Sie sagt: "Für mich war es besonders toll zu sehen, wie interessiert diese jungen Leute waren und wie viele Fragen sie hatten." In Zukunft können sie ihre Fragen ja vielleicht sogar auf Trierisch stellen.
Extra: DIE DREI FORMATE BEIM "TALENTCAMPUS"


"TalentCAMPus" soll Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien in Form eines kostenfreien Ferienbildungsprogramms helfen. Angeboten wird es in drei Formaten, wobei sich "talentCAMPus Ferien" an Jugendliche im Alter vom 10 bis 18 Jahren richtet, während "talentCAMPus Plus" für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge derselben Altersstufe vorgesehen ist. Ergänzt wird das Angebot nun durch "talentCAMPus 18plus", bei dem Geflüchtete, die bereits volljährig und damit in Deutschland nicht mehr schulpflichtig sind, Zugang zu kultureller, kreativer und sprachlicher Bildung erhalten.