Junge Forscher erfolgreich

Trier/Mainz · Mit ihren Forschungen und neuen Erkenntnissen zu jüdischen Schülerinnen am Auguste-Viktoria-Gymnasium Trier in der NS-Zeit haben zwei Schüler einen Landessieg errungen. Lucas Eekhof (14) aus Gusterath und Wolfger Tripathi (13) aus Mertesdorf triumphierten beim Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten.

Foto: (h_st )

Trier/Mainz. Der Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten wird von der Körber-Stiftung in Hamburg organisiert. Diesmal lautete das Thema "Anders sein. Außenseiter in der Geschichte". Die beiden Schüler Lucas Eekhof und Wolfger Tripathi (13) vom Trierer Auguste-Viktoria-Gymnasium (AVG) beschäftigten sich bei ihren Nachforschungen mit den jüdischen Schülerinnen am AVG in der NS-Zeit.
In mühevoller Kleinarbeit sichteten die jungen Zeithistoriker die Quellen im Schularchiv des AVG, darunter Zeugnislisten, Akten, Abgangszeugnisse und Konferenzbücher. Unterstützt wurden die Schüler, die für ihre Recherchen ein halbes Jahr Zeit hatten, von ihren Lehrern Dr. Frank-Thomas Ott und Julia Helena Müller. Lucas und Wolfger glichen ihre Ergebnisse mit den einschlägigen Akten und Sammlungen im Trierer Stadtarchiv ab und recherchierten über Datenbanken weiter zum Thema.
Überraschende Ergebnisse


Die Ergebnisse überraschen. Bisher war von zehn bis zwölf verfolgten Schülerinnen am AVG die Rede. Die Jungforscher identifizierten hingegen mehr als 50 jüdische Schülerinnen für die Zeit von 1933 bis 1945 (bei insgesamt rund 500 Schülerinnen) und recherchierten deren Schicksal als Opfer. Sie stellten Maßnahmen zu Zwangsarisierungen von elterlichen Geschäften, Auswanderungswellen sowie die Deportation und Ermordung einzelner Schülerinnen in Vernichtungslagern dar.
Anhand von Polizeikennkarten des Stadtarchivs Trier ordneten sie Einzelschicksale Porträts zu. Diese Porträts wurden der Schulgemeinschaft in der Ausstellung "Gebt den Opfern ein Gesicht" anlässlich des Gedenkens zum 9. November 1938 gezeigt.
Nach erster vorsichtiger Einschätzung durch die Schüler reichte das Verhalten von Lehrer- und Schülerschaft offensichtlich von Diskriminierung bis zu wohlwollender Unterstützung.
Unter dem Titel "Anders sein. Jüdische Schülerinnen am Auguste-Viktoria-Gymnasium in Trier" wurde die Arbeit der Landesjury Rheinland-Pfalz vorgelegt und mit einem Landespreis ausgezeichnet. Dr. Lothar Dittmer, Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung in Hamburg, und Hans Beckmann, Staatssekretär im Bildungsministerium überreichten den Schülern die Preise im Mainzer Landtag.
Bernhard Simon, Leiter des Stadtarchiv Trier, regte an, die Ergebnisse als Aufsatz im Neuen Trierischen Jahrbuch zu präsentieren. Dem kamen die Schüler mit Unterstützung ihres Lehrers Dr. Ott mit großer Begeisterung nach (der TV berichtete am 26. November). red