Junge Kulturformate wie Poetry Slam haben auch in Trier ihre Fans.

Kultur : 15 Jahre Poetry Slam Trier: „Ein Mensch, der deine Sprache spricht“

Junge Kulturformate wie Poetry Slams haben in Trier ihre Fans. Für einige Slammer ist die Bühne im Mergener Hof schon Sprungbrett für eine Laufbahn als Kabarettist gewesen. Der ausrichtende Verein hat gleich zwei Anlässe zum Feiern.

Als Artem Zolotarov beim Poetry Slam des Vereins Kultur Raum Trier die Bühne betritt, ist es still bei den rund 150 Zuschauern im Gewölbekeller des Mergener Hofs. Dem Poeten gelingt es wie seinen sechs Mitstreitern an diesem Abend, das Publikum zu fesseln und mit Worten in den Bann zu ziehen.

Sein Satz „Ein Mensch, der deine Sprache spricht, mehr braucht es nicht“, passt an diesem Abend gleich zweimal: Zum einen zu Zolotarovs erstem Text, mit dem er die Menschen aufruft, sich aus dem täglichen Einheitsbrei zum Quell des Lebens zu begeben. Und des weiteren zum Phänomen Poetry Slam, das in Trier regelmäßig viele Besucher anzieht und in diesem Winter gleich zwei Jubiläen feiert: Die Veranstaltung im November ist der 150. Poetry Slam, den Moderator Peter Stablo und seine Mitstreiter in der Moselstadt organisieren. Und am 15. Dezember feiert der Trierer Poetry Slam im Mergener Hof, seit Mai 2009 Veranstaltungsort für den monatlich ausgerichteten Wettbewerb junger Poeten, sein 15-jähriges Bestehen.

„Dann laden wir auch Slammer ein, die bei der ersten Veranstaltung im Palais am Dom dabei waren“, sagt Stablo. Beim Start 2003 hätten die Leute noch nicht gewusst, was Poetry Slam ist. Heute ist es als Format bekannt. „Das ist kulturell gelebte Teilhabe, auf der Bühne und vor der Bühne “, sagt Stablo. Die Slammer tragen ihre eigenen Texte, ihre eigenen Gedichte vor. Und die Zuschauer küren die Sieger. Wer den lautesten Applaus erhält, gewinnt. „Eine Kulturform, bei dem das Publikum mitbestimmt, macht den Reiz beim Slam aus“, sagt Stablo. Man könne theoretisch einen Text schreiben und damit innerhalb weniger Wochen auf Deutschlandtour gehen. „Es gibt nichts anderes, wo das geht“, sagt Stablo. Poetry Slam sei eine Jugendkultur, „auch, wenn es 60-jährige Slammer gibt“.

Zolotarov ist der Slammer, der beim Trierer Poetry Slam am häufigsten aufgetreten ist. Bis zu zehnmal war er dabei, genau weiß er es nicht. „Das ist einer der schönsten Slams in Deutschland“, sagt der gebürtige Ukrainer, der seit 20 Jahren hier lebt. Die Atmosphäre sei sehr herzlich, die Zuschauer sehr empfänglich für die Texte, egal, ob leise oder lustig.

Apropos lustig: Schon nach der ersten Veranstaltung am 17. Dezember 2003 habe man überlegt, witzige und ernste Beiträge zu trennen, sagt Stablo. Denn Texte zum Lachen seien beim Publikum besser angekommen, ernste Vorträge hätten nur geringe Chancen auf den Sieg gehabt. Herausgekommen ist der Comedy Slam, den Kultur Raum Trier bald darauf ebenfalls organisiert hat, als erster Veranstalter in Deutschland. „Das ist einzigartig und auch für uns eine Möglichkeit, außerhalb von Comedy aufzutreten“, sagt die Mainzer Slammerin Nicky Schuck.

Neben den 150 Poetry Slams hat Kultur Raum Trier mit dem Vorgängerverein Palais e.V. bisher 121 Comedy Slams organisiert, zuzüglich 14 Master Comedy Slams, bei denen die Sieger gegeneinander antreten. Heutige Kabarett- und Comedygrößen wie Faisal Kawusi, Chris Tall und Stefan Waghubinger hätten in Trier angefangen, sagt Stablo. „Weil wir das als erste gemacht haben, kommen viele hierher“, sagt er. Comedians treten auch gerne in Trier auf, um zu testen, wie ihre neuen Programme ankommen. Das Jahr ist für Stablo und seine Mitstreiter getaktet: Mit Ausnahme der Sommermonate jeden ersten Samstag im Monat ein Comedy Slam, jeden dritten ein Poetry Slam. „und ein Ende ist nicht abzusehen“, sagt er.

Für den Trierer Rekordslammer Artem Zolotarov ist der Jubiläumsslam ein ganz besonderer. Nachdem er sich fürs Finale qualifiziert hat, erhält er dort für seinen Text, der sich mit einem friedliebenden Moslem in Deutschland befasst, von den Zuschauern den lautesten Applaus der vier Endrundenteilnehmer und wird so als Sieger gekürt. Ein Auszug aus seinem Siegertext: „Er steht unter Generalverdacht, weil er einen Glauben hat, der missbraucht und pervertiert wird bei jedem Attentat.“ Termine finden sich, wie auch die weiteren Angebote und Veranstaltungen von Kultur Raum Trier, unter www.kulturraumtrier.de

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