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Junge Tischlermeister präsentieren in der Handwerkskammer Trier originelle Meisterstücke

Handwerk : Wenn die Mosel über den Stehtisch fließt

Junge Tischlermeister präsentieren originelle Meisterstücke und zeigen, dass Tradition und Moderne zusammenpassen. Das teuerste Werk ist 13 000 Euro wert.

Das Meisterstück von Andreas Kunz aus Zerf gefällt Oberbürgermeister Wolfram Leibe am besten. Das Büromöbel aus furniertem Rosenholz ist vorne und seitlich leicht abgeschrägt, sechs versteckte Schubkästen bieten reichlich Stauraum. Die lackierte Ablagefläche glänzt weinrot.

Erst am Tag vor der Ausstellung hat Andreas Kunz erfahren, dass er seine Meisterprüfung bestanden hat. Am Tag nach der Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse werden die Tischler-Meisterstücke ausgestellt –  an dieser Tradition hält die Handwerkskammer (HWK) Trier auch in diesem Jahr fest. Neu ist der Ausstellungsort: Im Neubau der Kammer kommen die Meisterwerke gut zur Geltung.

Als „funktional und ästhetisch hervorragend“ lobt Leibe das Möbelstück von Kunz. „Es gibt ganz viele junge Menschen, die Vorbilder und Beispiele wie Sie brauchen, damit sie sich für diesen Beruf entscheiden können.“

Ein Stockwerk höher sieht sich Patrick Schnieder, Bundestagsabgeordneter und HWK-Vorstandsmitglied aus der Eifel, das Meisterstück von Jonas Ernzer aus Dingdorf an. Dessen TV-Schrank in Eiche und Räuchereiche hat Raffinessen wie ein seitlich ausfahrbarer Schubkasten mit unsichtbarem Griff und ein Fach für den versteckten Stromanschluss. Die eingefrästen geometrischen Formen erinnern an eine Handvoll geworfener Mikadostäbchen.

Computergesteuertes Fräsen macht vieles möglich und leichter. Tom Scherrer aus Reil beispielsweise hat diese moderne Technik genutzt, um den präzisen Verlauf der Mosel in seinem Meisterstück zu verewigen. Das Ornament auf der Oberfläche seines Stehtisches mit Barschrank zieht die Aufmerksamkeit vieler Ausstellungsbesucher auf sich.

Blickfang sind aber immer wieder auch traditionelle Techniken, etwa gezinkte oder gezapfte Eckverbindungen ohne Schrauben und Nägel. Maximal 18 Arbeitstage hatten die Absolventen Zeit, um ihr Meisterstück zu planen, zu kalkulieren und in Form zu bringen.

Je nach Aufwand liegt der Wert der ausgestellten Stücke zwischen 3000 und 13 000 Euro. Spitzenreiter ist das Sideboard von Fabian Peters aus Körperich, dessen Frontverkleidung eine aufwendige Wabenstruktur ziert.

Unterdessen wartet schon der nächste Meisterkurs – auf die Führung durch die Ausstellung und auf den Startschuss des Lehrgangs im Oktober. Aus Erfahrung kennt Studiendirektor Hans Löber von den Berufsbildenden Schulen (BBS) Saarburg-Hermeskeil die Reaktionen der angehenden Meisterschüler schon vor dem Rundgang: „Oh je, das werden wir nie schaffen!“

 Rosenholz hat Andreas Kunz aus Zerf für sein Büromöbel gewählt – und damit einen besonderen Gast der Ausstellung beeindruckt.
Rosenholz hat Andreas Kunz aus Zerf für sein Büromöbel gewählt – und damit einen besonderen Gast der Ausstellung beeindruckt. Foto: Handwerkskammer Trier

Doch Hans Löber weiß auch, wie die Geschichte am Ende ausgehen wird: „Am Schluss schaffen sie es doch und sind stolz auf ihre Meistertitel!“