"Jungs hätten schon längst aufgegeben!"

Trier · Eine Woche vor Beginn der Weltmeisterschaft der Frauen steigt auch in Trier das Fußballfieber. Beim Tag des Mädchenfußballs vor der Basilika kickte am Samstag der weibliche Nachwuchs das Leder.

 Chantal Kohr (links) will mit ihren Freundinnen ab der kommenden Saison beim TuS Euren spielen. Hier stellt sie sich als „Japanerin“ dem Zweikampf mit Anna Marie Kreber (TuS Issel) für Frankreich. TV-Foto: Daniel John

Chantal Kohr (links) will mit ihren Freundinnen ab der kommenden Saison beim TuS Euren spielen. Hier stellt sie sich als „Japanerin“ dem Zweikampf mit Anna Marie Kreber (TuS Issel) für Frankreich. TV-Foto: Daniel John

Trier. Ein Ahornblatt für Kanada, ein Känguru für Australien, ein Kiwi für Neuseeland - landestypische Motive zieren die gelben T-Shirts der Mädchen, die auf zwei Plätzen eine Mini-WM austragen. Bei dem Projekt "Ballance", das zur Fußballweltmeisterschaft der Männer 2006 ins Leben gerufen worden ist, geht es aber nicht in erster Linie um den Sieg.
"Straßenfußball für Integration, Fairplay und Toleranz" lautet das Moto der Kampagne. Deswegen wird auch darauf verzichtet, einen Mini-Weltmeister zu ermitteln. Siegerinnen sind am Ende alle, für jede Spielerin gibt es ein T-Shirt und einen Schlüsselanhänger zum Mitnehmen.
Das Los entscheidet


Jeweils vier Mädchen sind einem Land zugelost worden. Obwohl sie also keine eingespielte Mannschaft sind, funktioniert das bestens: "Wir haben gut zusammengespielt", freut sich die zehnjährige Nina von Wenzlawowicz, die sonst für Zerf und diesmal für Kolumbien im Einsatz ist.
"Wenn man mir vor zehn Jahren gesagt hätte, dass es einmal Sammelalben mit den Bildern der Nationalspielerinnen geben wird, hätte ich das nicht geglaubt", sagt Bernd Marx, Vorsitzender des Sportkreises Trier-Saarburg. Das aber ist nur ein Beleg für die rasante Entwicklung, die der Mädchen- und Frauenfußball in den letzten Jahren genommen hat.
Auch an der Basis sind immer mehr weibliche Teams entstanden, und das Potenzial ist nach wie vor groß: "Eine Freundin hat mich gefragt, ob ich Lust habe, Fußball zu spielen", erzählt Chantal Kohr. "Und ich habe ‚ja\' gesagt." Dann hätten sie sich an den TuS Euren gewandt. "Die Initiative ging von den Mädchen aus", berichtet Reinhold Fischer, Jugendleiter im Verein. "Sie haben dann fleißig Werbung gemacht, und jetzt haben wir hier 13 hochmotivierte Spielerinnen." In der kommenden Saison soll eine Mannschaft bei den C-Juniorinnen (Jahrgang 1997 und jünger) gemeldet werden.
Einer, der schon früh dem Mädchenfußball verbunden war, ist Michael Herrmann, Jugendleiter des Spielkreises Trier-Saarburg. Als er Anfang der 90er Jahre als Schiedsrichter in der Herren-Regionalliga eingesetzt werden sollte, sagte er ab - mit einer Begründung, die vor allem für Unverständnis sorgte: "Ich hatte schon versprochen, dass ich in Issel die E-Mädchen pfeifen würde."
Mädchen als Chance für Vereine


Zwar ist seitdem schon viel erreicht worden, Herrmann setzt sich jedoch weiter unermüdlich für die Förderung des Mädchenfußballs ein. Dafür geht er an die Schulen, und er hat auch mit der Leiterin der Europäischen Kunstakademie, Gabriele Lohberg, eine engagierte Partnerin gefunden. Die 150 T-Shirts, die am Stand der Akademie bemalt werden können, reichen längst nicht aus.
An den Informationsständen können sich die Mädchen, die noch nicht in einer Mannschaft spielen, direkt bei den Vereinsvertretern über die Angebote informieren.
Für die Vereine wiederum ist angesichts geburtenschwacher Jahrgänge der Aufbau von Mädchenmannschaften eine Chance, ihre Mitgliederzahl konstant zu halten.
Die Jugendspielgemeinschaft Riol-Longuich hat in der vergangenen Winterpause eine E-Mädchen-Mannschaft nachgemeldet, noch dazu in einer eigentlich zu starken Spielklasse, in der es hohe Niederlagen gab. Entmutigen ließen sich die Spielerinnen laut Betreuer Werner Reiter aber nicht. Er meint: "Jungs hätten schon längst aufgegeben!"

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