Just married

PLUWIG. (dis) So etwas hat es in der Region noch nicht gegeben: Rund 250 Cowboys und Indianer werden Zeugen, als Tanja und Rolf Scherf aus Hockweiler sich auf der Freilichtbühne der Karl-May-Freunde Pluwig im Westernlook das Ja-Wort geben.

Wer kennt den berühmten Wild-West-Film "Zwölf Uhr mittags" nicht? Als Sheriff Will Kane (Gary Cooper) heiraten, seinen Stern niederlegen und aus Hadleyville wegziehen will, kündigt Bandit Frank Miller für "Zwölf Uhr mittags" Rache an. Auch im ehemaligen Steinbruch bei Pluwig, der Freilichtbühne der Karl-May-Freunde, ist für "Zwölf Uhr mittags" eine Hochzeit angekündigt.Westernglocke läutet in der Kulisse

Von Rache ist allerdings absolut keine Spur. Es ist brütend heiß. Die Sonne kennt kein Erbarmen. Der Platz vor der Silhouette der Westernstadt ist mit Tischen und Bänken gefüllt. Mittendrin liegen dekorativ Strohballen, Wagenräder und Holzfässer. Auf dem Fort "Rio Brava" weht die amerikanische Flagge. "Fast eine Woche lang habe ich hier die Hochzeit vorbereitet", erzählt der Bräutigam, der sich mit der Trauung an dieser Stelle und in dieser "Aufmachung" einen Herzenswunsch erfüllt. Mit seinem elfjährigen Sohn Marvin und dessen Freund Simon Hanecke hat er bereits einige Nächte hier geschlafen, um dunkle Gestalten abzuschrecken. Zu den Vorbereitungen gehört auch der Bau einer angedeuteten Kirche, auf der ein schlichtes Holzkreuz thront. In dem daneben stehenden Turm hat Rolf Scherf eine Glocke installiert. Zwölf Uhr mittags: Wildwest-Atmosphäre macht sich breit. Die Glocke läutet. Staub weht über den Platz. Ein Pferd schnaubt. Die Gäste wedeln sich erfrischende Luft zu. Fast ganz Hockweiler ist gekommen, dazu Abordnungen des Karnevalvereins Trier-Irsch und der Stadtgarde Augusta Treverorum. Scherf, der bei den Aufführungen der Karl-May-Freunde den Sam Hawkins spielt, hat sie bei der Einladung nicht vergessen. Mit dabei ist auch der zweijährige Sohn Marlon. Rolf Scherf fährt in einem englischen Taxi vor, während seine Frau hoch zu Ross und ganz in Weiß auf den Platz reitet. Brautvater Achim Hahn übergibt die Hand seiner Tochter Tanja an Rolf Scherf. Der evangelische Pfarrer Matthias Jens und Pastor Klaus Stankowitz, er ist auch Feldgeistlicher der Stadtgarde, holen das Brautpaar am Rande des Platzes ab. Das Paar hat sich in Schale geschmissen. Er ist in schwarzem Westernlook gekleidet. Ein kleines Sträußchen ziert sein Revers. Beide tragen einen breitkrempigen Hut. Die Ringe bringt Sohn Marvin zum Altar. Die Trauung ist feierlich. Ein Gitarrist stimmt die Lieder an, die Gemeinde singt, Pfarrer Jens predigt, und die Trauzeugen Nathalie Bardy und Karl Mayer wünschen dem Paar alles Gute. Während die vielen Gäste weiter schwitzen, fragen Matthias Jens und Klaus Stankowitz Tanja und Rolf nach ihrem Ja-Wort. Das kommt von beiden laut und deutlich - ohne Zögern. Mit den Worten "Trage diesen Ring" legen sie sich gegenseitig die Treuesymbole an. Sie sollen für die Ewigkeit und Verbundenheit stehen - "bis dass der Tod euch scheidet". Als sie sich endlich küssen dürfen, zeigt sich, dass dabei die großen Hüte doch etwas hinderlich sind.Freuden-Schüsse nach dem Ja-Wort

Die schöne Zeremonie hätte damit ihr Ende gefunden, wäre da nicht noch der dreimonatige Sohn Mike-Leon. Ihn galt es, weil der Anlass so schön passend war, zu taufen. Pastor Klaus Stankowitz bat dazu die Gesellschaft einschließlich der Taufpaten Inge Ertz und Arnold Mayer an die Pferdetränke mit eigener Wasserpumpe vor der Westernschmiede. Bei solch einer Taufe wird Mike-Leon, wenn er seinem Vater nachschlägt, bestimmt einmal ein großer Karl-May-Fan. Wildwest ohne Schießerei? Nein, auch in Pluwig waren im Applaus vereinzelt Freuden-Schüsse zu hören. Übrigens: Genau auf den Tag vier Jahre zuvor hatten sich die Eheleute vor dem Standesbeamten zueinander bekannt.

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