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Kältebus ab November für Obdachlose in Trier unterwegs

Trierer Kältebus : Hilfe für die, die auf der Straße zu Hause sind

Draußen wird es kalt. Ein Kaffee, ein Tee, eine heiße Brühe wärmen auf. Besonders, wenn man auf der Straße lebt. Mit ihrem Kältebus starten Stadt und Caritas ein neues Hilfeangebot für Trierer Obdachlose.

Sie rollen ihre Schlafsäcke in einer Ecke im Parkhaus aus, neben dem Geldautomaten im Vorraum der Bankfiliale oder unter einer Brücke: Rund 15 Menschen leben in Trier auf der Straße.

Laut Gesetz ist die Stadt dazu verpflichtet, ihnen Bett und Obdach zu gewähren. Grundsätzlich haben Obdachlose auch Anspruch auf Hartz IV. Aber manche nehmen die behördliche Hilfe nicht in Anspruch. „Die Gründe dafür sind sehr unterschiedlich“, sagt Lars Frankfurter, bei der Trierer Stadtverwaltung angestellter Streetworker. Psychosen oder die Abneigung, mit anderen Obdachlosen in Mehrbettzimmern zu schlafen etwa. Oder, weil die Menschen den Pflichten, die der Staat Hartz-IV-Empfängern auferlegt, nicht nachkommen können oder wollen. Manchen mag auch eine so genannte bürgerliche Existenz gar nicht so erstrebenswert erscheinen, wie es von außen an sie herangetragen wird.

Um ihnen Türen offen zu halten und bei Problemen Ansprechpartner zu sein, hat der städtische Arbeitskreis Obdachlosenhilfe ein neues Hilfsangebot initiiert: Ab Montag steuern Lars Frankfurter und seine bei der Caritas angestellte Streetwork-Kollegin Isabel Endres einen knallroten Kleinbus durch die Stadt. Dreimal pro Woche macht der Bus Halt in der Saarstraße, am Hauptbahnhof und vor der Commerzbank in der Trierer Brotstraße (siehe Extra). „An Bord haben wir Kaffee, Tee, heiße Brühe – alles, woran man sich wärmen kann“, sagt Endres. Auch Winterkleidung und Schlafsäcke haben die beiden dabei. Finanziert hat den Bus die Trierer Ernst-und-Ingrid-Kostka-Stiftung. Auch die Stiftung „Zeichen der Hoffnung“ des Caritasverbands Trier gibt Geld dazu. Die Trierer Bäckerei Dietz stiftet belegte Brötchen und Teilchen für die, die auf der Straße leben und Hunger haben.

Isabel Endres, Streetworkerin bei der Caritas, und ihr Kollege Lars Frankfurter starten mit dem Kältebus ein neues Hilfeangebot.  Foto: Christiane Wolff

Wie das Angebot angenommen wird, können die beiden Streetworker Frankfurter und Endres noch nicht richtig einschätzen. „Der Bedarf ist jedenfalls da“, sagt Endres. „Schließlich ist es schon jetzt ziemlich kalt, besonders nachts.“ Ohne eigenes Zuhause sind in Trier zudem viel mehr Menschen als die rund 15, die tatsächlich auf der Straße leben. Im vorigen Jahr haben rund 450 Menschen ihre Postadresse im Trierer Caritas-Obdachlosenheim Benedikt-Labre-Haus angemeldet – ohne dort zu übernachten. „Das sind Menschen, die bei Freunden oder Verwandten wohnen oder mal hier mal da unterkommen“, sagt Endres.

Ob es auch in Corona-Zeiten noch möglich ist, so einfach Unterschlupf bei anderen zu finden? „Unter diesen Menschen herrscht meist ein großer Zusammenhalt“, sagt Caritas-Sprecher Reinhold Bittner. „Dass ausgerechnet jetzt vorm Winter die Leute von ihren Bekannten rausgeschmissen werden, glaube ich eigentlich nicht.“

Trotzdem: Corona hat auch die Situation der Obdachlosen verschlechtert. „Zum Beispiel haben Orte, an denen sich diese Menschen sonst tagsüber aufhalten konnten, ihre Kapazitäten wegen der geltenden Abstandsregeln heruntergefahren“, berichtet Frankfurter.

Zum Beispiel das speziell für Frauen eingerichtete Haltepunkt-Café des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF). Oder auch die Teestube des Benedikt-Labre-Hauses. „Auch die Übernachtungszimmer im Benedikt-Labre-Haus und beim SKF können nicht mehr mit mehreren Männern und Frauen belegt werden – das macht die Kapazitäten knapper“, bestätigt Triers Sozialdezernentin Elvira Garbes. Die Stadt habe aber Ausgleichsmöglichkeiten geschaffen. Auch die Unterbringung in angemieteten Pensionen komme infrage, sagt Garbes.

Mit dem Kältebus wollen Frankfurter und Endres nicht nur Kontakt halten zu den Obdachlosen, die ihnen von ihrer klassischen Streetwork-Arbeit bekannt sind. „Uns geht es auch insbesondere um die, die wir noch nicht auf dem Schirm haben“, sagt Frankfurter. Kontakte knüpfen, ein Vertrauensverhältnis aufbauen, damit Hilfe und Beratung angenommen werden, wenn die Menschen sie benötigen – das ist unser Ziel.“