Kämpfer für alle Schulen

Der Geduldsfaden vieler Trierer Eltern ist gerissen. Mit mehr als 3300 Unterschriften fordern sie, mehr Geld in Lehr- und Sachmittel und auch in die dringend nötige Sanierung vieler Trierer Schulen zu investieren.

Trier. "Die Schulen haben oberste Priorität. Das habe ich vor meinem Dienstantritt versprochen, und daran halte ich mich." Mit diesen Worten empfing Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen gestern Morgen eine Delegation der Arbeitsgemeinschaft der Gymnasial-Elternbeiräte in Trier (AGT). Die im Januar 2006 gegründete AGT hatte ein dickes Paket dabei: 3300 Unterschriften hat das Gremium gesammelt. "Wir sehen uns nicht nur als Repräsentanten der Gymnasien, sondern als Kämpfer für alle Schulen in Trierer Trägerschaft", betonte Thomas Mohr, der Sprecher der Delegation. Die hinter den Unterschriften stehende Forderung ist eindeutig: Die Eltern wollen mehr Geld für die Trierer Schulen.Die Prioritätensetzung des neuen OB scheint perfekt zu einer solchen Forderung zu passen, indes gibt es dennoch ein Problem: Die Trierer Haushaltslage, die astronomisch hohe Zinsbelastung und das ohnehin überstrapazierte Kreditlimit lassen keine großen Sprünge zu - genau betrachtet, noch nicht einmal kleine Hüpfer. Dennoch gab es keine Misstöne in der Diskussion. Man war sich allgemein einig, den Rahmen des Machbaren für die Schulen auszuschöpfen.30 Millionen Euro müsste die Stadt haben und investieren können, um alle Schulgebäude auf einen Schlag zu sanieren - reine Utopie, auch wenn der Schulhaushalt 2008 eine Viertelmillion Euro mehr an Zuschüssen verbuchen kann als im Vorjahr. "Ohne die zusätzlichen Geldmittel von Fördervereinen oder den Einsatz von Eltern bei der Renovierung wäre ein Unterricht in der jetzigen Form undenkbar", sagte Miriam Lörz im Namen der AGT. Der Kampf gegen den Sanierungsstau ist nicht die einzige Argumentations-Basis der Elternbeiräte. "Der Betrag für Lehr- und Lernmittel ist viel zu gering", sagte Thomas Mohr. Bis jetzt müsse ein Gymnasium mit 1000 Schülern mit 9000 Euro pro Jahr auskommen. "Damit sollen dann Unterrichtsmaterialien, Landkarten, Sportgeräte und Computer bezahlt werden", so der AGT-Sprecher. "Das ist völlig unzureichend. Gerade mit Blick auf die Pisa-Diskussion reagieren Eltern mit Unverständnis, wenn die Bildung ihrer Kinder, eine der wichtigsten Ressourcen unseres Landes, so sträflich vernachlässigt wird."Der Oberbürgermeister und sein Kulturdezernent boten dem Gremium zwar kein Geld, aber ihren Willen zur Kooperation an. Klaus Jensen hat einen Haushaltsentwurf für 2008 vorgelegt (der TV berichtete), die Beratungen des Etats im Stadtrat stehen im Dezember bevor. "Man wird sehen, an welchen Stellen noch nachjustiert wird", sagte Jensen. "Es hängt davon ab, welche Schwerpunkte die Fraktionen setzen." Der OB dankte den Elternbeiräten für deren Arbeit und das Sammeln der Unterschriften. "Ihre Intervention ist hilfreich, über das Thema noch einmal zu diskutieren. Wir sind sehr froh, dass sich die Notwendigkeit dieser Diskussion auch über den Elternwillen artikuliert."Schuldezernent Ulrich Holkenbrink hatte die Aufgabe, auf die Realität hinzuweisen: "Es gibt vieles, was wir machen würden, aber nicht machen können." In einem Punkt waren sich die Eltern mit der Verwaltungsspitze einig. "Wir würden gerne die Gründung einer Stadtelternvertretung vorantreiben", kündigte Mohr an. "Dieses Gremium wäre ein zentraler Kooperationspartner der Verwaltung in schulischen Belangen." Meinung Emotional geladen Der Sanierungsstau der Trierer Schulen ist eine emotional geladene Kollision berechtigter Elternwünsche mit politischen Machtlosigkeiten. Wenn ein Kind von Rissen in der Turnhallendecke seiner Grundschule berichtet, wenn von klammen Klassenräumen die Rede ist, wenn die Ausstattung des gymnasialen Naturwissenschafts-Raumes an Vorkriegszeiten erinnert, dann sinkt das Verständnis vieler Eltern für die Trierer Haushaltsnöte drastisch. Die Wurzeln des Sanierungsstaus liegen in vergangenen Zeiten. Damals hätte sich kein Kommunalpolitiker träumen lassen, wie eng die finanziellen Spielräume einmal werden würden. Unvorstellbar, dass mal kein Geld für die Schulen mehr da sein könnte. Deshalb hatten sie nicht die höchste Priorität - und deshalb hat Trier heute einen Sanierungsstau in astronomischer Höhe. Und den aktuellen Akteuren bleibt leider nur noch die Schadensbegrenzung. j.pistorius@volksfreund.de

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