Kämpfer gegen den Alkoholismus

Rom hat grünes Licht gegeben. Und Bischof Stephan Ackermann holte die Unbedenklichkeitserklärung des Heiligen Stuhls, das sogenannte "Nihil obstat", ein (der TV berichtete). Das Verfahren zur Seligsprechung des in Schweich geborenen Priesters Pater Johannes Maria Haw ist damit eingeleitet. Wir stellen das Leben und Wirken des Seelsorgers vor.

 Die Ausstellung im Niederprümer Hof in Schweich zeigt die reichhaltige Schriftensammlung des Priesters Johannes Maria Haw. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar

Die Ausstellung im Niederprümer Hof in Schweich zeigt die reichhaltige Schriftensammlung des Priesters Johannes Maria Haw. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar

Schweich. Weltweit wird er geschätzt und verehrt. Seine Statuen und Porträts schmücken Klostergärten und Ordenshäuser in Portugal, Mosambik, Indien und Montenegro. Aber wer ist eigentlich dieser Pater Johannes Maria Haw?

Selbst alteingessene Schweicher wissen nicht, was es mit Haw auf sich hat. Eine Straße, ein Steinwurf vom jüdischen Friedhof in Schweich entfernt, sowie in Trier in der Nähe des Südbahnhofs erinnern an den Mann, der vor 115 Jahren von Bischof Michael Korum im Dom zu Trier zum Priester geweiht wurde und der wenig später gleich zwei Orden gründete, die heute weltweit arbeiten.

Haws lebenslanger vehementer Kampf gegen den Alkoholismus und seine Sorge um die, die das Leben an den Rand gespült hatte, ließ ihn 1919 zunächst den Johannesbund gründen und dann gleich zwei Ordensgemeinschaften: die Johannesschwestern von Maria Königin und die Johannesmissionare mit Sitz in Leutesdorf am Rhein (Kreis Neuweid) mit Wirkungskreis rund um den Globus. Deren Patres und Priester kümmern sich um Obdachlose und entlassene Strafgefangene, arbeiten in Altenheimen, auf Krankenstationen, in Schulen und Sozialdiensten.

Im Niederprümer Hof in Schweich gibt eine Dauerausstellung mit über 200 Fotos, Dokumenten, alten Kleinschriften und aktuellen Schautafeln einen Einblick in das Leben eines Mannes, der trotz schwacher Gesundheit unbeirrbar beharrlich seinen Weg ging. Bereits während des Studiums 1893 am Trierer Priesterseminar riet ein Arzt dem Lungenkranken, "die anstrengende Beschäftigung" sofort aufzugeben. Gestützt und getragen wurde Haw dabei von einem unerschütterlichen Gottesglauben. "An jedem Tag möglichst vielen Seelen möglichst viel nützen", schreibt Pater Haw 1920 in sein Tagebuch.

Visionen gegen die Trostlosigkeit



Fast scheint es, als ob sein Weg vorgezeichnet war: 1871 als Sohn einer alteingesessenen Schweicher Bauernfamilie geboren, verspürt er früh den Wunsch, Priester zu werden. Nach dem Abitur am Trierer Friedrich-Wilhelm-Gymnasium beginnt er mit philosophisch-theologischen Studien am Bischöflichen Priesterseminar und wird 1895 zum Priester geweiht. Als Pfarrvikar im saarländischen Holz mitten im Kohlerevier erlebt er die Folgen einer rasant fortschreitenden Industrialisierung samt Bevölkerungswachstum, die Armut und Not in den Familien, die Perspektivlosigkeit, das Vergessen-Wollen von sozialen Problemen, die Eintönigkeit und Hoffnungslosigkeit des Alltags durch hochprozentigen Alkohol.

Nach dem Pfarrexamen wird er 1900 als Pastor nach Wintersdorf/Sauer an der luxemburgischen Grenze versetzt. Auch hier im Milieu der Kleinbauern und Steinbrucharbeiter die Konfrontation mit dem "Arme-Leute-Alkoholismus". Der Trostlosigkeit setzt er eine Vision entgegen: Er animiert seine Gemeinde, mit ihm eine Kirche zu bauen. Wenn er nicht gerade selbst mit Hand anlegt, dann zieht er sich zurück und schreibt sich den Frust von der Seele. Sein wohl bekanntestes Büchlein "König Alkohol" entsteht. Bischof Korum bestellt ihn 1906 zum geistlichen Rektor des St. Irminen-Hospitals und zum Geschäftsführer des Diözesan-Mäßigkeitsbundes mit Sitz in Trier in der Speestraße 16. Ein Jahr später gibt Haw eine eigene Zeitschrift heraus. "Der Morgen" soll in "allen Ständen" und "weiten Kreisen" wachrütteln, wie zerstörerisch Alkohol Leib und Seele ruiniert.

Als Direktor des "Katholischen Mäßigkeitsbundes Deutschlands" verlegt Haw 1912 den Sitz der Zentrale des Bundes von Trier nach Leutesdorf, wo er zunächst ein "Sanatorium für alkoholgefährdete Männer gehobener Kreise" eröffnet. Immer mehr rückt auch die seelsorgliche Arbeit in seinen Fokus. Er bietet die ersten Exerzitien an. Brot für die geschundene Seele. Der Zuspruch ist riesig.

Zeitschrift soll Menschen über Alkohol aufklären



Seine Schriften verbreitet er in ganz Deutschland und dem deutschsprachigen Ausland. Bis auf den heutigen Tag leisten zwei Publikationen des Johannesbundes "Der Rufer" und "Krankenbrief" ihren Beitrag zur Glaubensverkündigung. Am 28. Oktober 1949 stirbt Pater Johannes Maria Haw in Leutesdorf und liegt dort in einer Gruft der Ölbergskapelle.

"Für die Seinen ist er eine legendäre Gestalt geworden. Der Weise von Leutesdorf ist das Symbol eines Apostels des 20. Jahrhunderts", sagt die Oberin der Johannesschwestern in Leutesdorf, Sr. Celeste Gonçalves, deren Orden die Seligsprechung engagiert vorangetrieben hat.

Die Öffnungszeiten der Pater-Johannes-Maria-Haw-Dauerausstellung im Niederprümer Hof in Schweich: dienstags von 14 bis 16 Uhr, sonntags von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung. Weitere Auskunft erteilt das Kulturzentrum im Niederprümer Hof, Telefon 06502/6524, oder die Stadtverwaltung Schweich unter Telefon 06502/933826.