Kaes-Torchiani: "Ich bin ganz sicher kein Parteihansel"

Kaes-Torchiani: "Ich bin ganz sicher kein Parteihansel"

"Ich habe immer schon in einer Männerdomäne gearbeitet und war nie blond, blauäugig und vollbusig." Triers Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani steht öffentlich und im Stadtrat unter Beschuss. Zusammen mit CDU-Fraktionschef Ulrich Dempfle stellt sie sich den Fragen des TV und spricht offen über die gegen sie gerichteten Vorwürfe und ihr Verhältnis zur Trierer CDU.

Trier. 2015 läuft die Amtszeit von Simone Kaes-Torchiani ab. Ein Jahr vorher wird der Stadtrat neu gewählt, der entscheidet, ob sie bleibt oder geht. "Ich stelle mich selbstverständlich zur Wiederwahl zur Verfügung", sagt sie heute.
Christdemokratische Dezernenten hatten es selten leicht in der langjährigen CDU-Hochburg Trier. Schul- und Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink scheiterte 2006 als OB-Kandidat und wurde anschließend von seiner Partei noch nicht einmal pro forma für eine zweite Amtszeit nominiert. Wirtschaftsdezernent Norbert Neuhaus strich aufgrund mangelnder Unterstützung 1999 die Segel, und auch seine Nachfolgerin Christiane Horsch trat nach einer harten Amtsperiode nicht mehr zur Wiederwahl an und verließ Trier 2007.
Simone Kaes-Torchiani setzte die Tradition der gestressten CDU-Dezernenten lückenlos fort. Schon im Umfeld ihrer Wahl 2007 krachte es in der Trierer Politszene. Die damalige Mehrheit aus CDU und UBM (heute FWG) setzte sie als Baudezernentin durch. Der Vorwurf, hier sei das Parteibuch der entscheidende Faktor gewesen, verfolgt und ärgert sie bis heute. "Ich bin mit Sicherheit kein Parteihansel", sagt sie. "Die Partei kann eine andere Auffassung haben als ich. Gerade das ist doch das aktuelle Thema."
Damit hat sie recht. Aktuell ist die Baudezernentin so oft auf Gegenkurs zur CDU, dass der anfängliche Vorwurf der Parteihörigkeit längst dem Verdacht gewichen ist, die Kluft zwischen Simone Kaes-Torchiani und der CDU Trier sei mittlerweile unüberbrückbar tief.
Der jüngste Fall: Als die CDU im Stadtrat beantragte, während der Heimspiele der Eintracht Parken auf dem Radweg entlang der Zurmaiener Straße zuzulassen (der TV berichtete), reagierte sie direkt und konsequent: "Ich werde diesen Beschluss nicht umsetzen."
Diese Ansage sei keine Überraschung gewesen, versichert CDU-Fraktionschef Ulrich Dempfle. "Die Baudezernentin hat uns schon vorher in der Fraktion mitgeteilt, was sie von diesem Antrag hält." Simone Kaes-Torchiani sei kooptiertes Mitglied der CDU-Ratsfraktion - das bedeutet, dass die Fraktion sie zum ergänzenden Mitglied gewählt hat. "In zwei Dritteln der Sitzungen ist sie mit dabei", sagt Dempfle. "Wir reden offen miteinander und streiten auch. Häufig kann sie uns überzeugen."
Wer die Trierer Politik konsequent verfolgt, gewinnt einen anderen Eindruck. Die Tankstelle Ostallee, das Parken am Moselstadion, der von der CDU zuerst nicht mitgetragene Bebauungsplan Loebstraße - in diesen Fällen agierten Fraktion und Dezernentin nicht mit-, sondern gegeneinander. "Ich muss auch unpopuläre Entscheidungen treffen", sagt Kaes-Torchiani. "Es läuft nicht immer rund, aber wir packen die Dinge gemeinsam an." Das gelte auch für die Arbeit in ihrem Dezernat. Vom umstrittenen Führungsstil, dem ihr einige nachsagen, will sie nichts wissen. "Meine Leute lachen sich kaputt, wenn sie so was hören."
Dempfle unterstreicht: "Es gibt kein zerschnittenes Tischtuch." Ein Bekenntnis zur Baudezernentin, die derartigen Zuspruch zurzeit selten zu hören bekommt. Stattdessen hat ihre Haltung zur Tankstelle Ostallee ("Ich brauche dort keine Tankstelle") und dem Parken am Moselstadion ("Das ist rechtlich einfach nicht möglich") viele wütende Kommentare im Internet provoziert. Besonders auf Facebook ist Simone Kaes-Torchiani zur Zielscheibe geworden. "Diese Kommentare sagen mehr über diejenigen aus, die sie schreiben, als über mich." Kurze Pause. "Ändern wird sich dadurch nichts."Meinung

Triers eiserne Lady
Die eiserne Lady hat Hans-Alwin Schmitz (FWG) die Baudezernentin vor kurzem genannt. Im Internet wirft man ihr vor, sie verhindere, blockiere, schalte auf stur. Sie selbst stützt dieses Bild. Undiplomatisch und rabiat haut sie ihre Meinung raus und wirkt dabei oft herablassend, arrogant und beratungsresistent. Man kann von einer Dezernentin natürlich Gelassenheit und Fingerspitzengefühl verlangen, wenn man diese Attribute für wichtig hält. Dennoch kommt man an einem zentralen Punkt nicht vorbei. Die Dezernentin setzt Beschlüsse des Stadtrats um. Wenn dieser vor zwei Jahren gegen die Tankstelle Ostallee war und heute für sie ist, kann Simone Kaes-Torchiani nichts dafür. Wenn ihre CDU meint, die Straßenverkehrsordnung gelte nicht für Fußballfans, kann sie nichts dafür. Und wenn ihre CDU nicht auf sie hört und dem Bebauungsplan Loebstraße aufgrund einer Verzögerungstaktik, die ein Kind hätte durchschauen können, die Zustimmung verweigert, kann sie auch nichts dafür. j.pistorius@volksfreund.de