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Kaiserthermen in Trier: Verhüllt bis zum Jahr 2022

Kaiserthermen in Trier: Verhüllt bis zum Jahr 2022

Die Trierer Kaiserthermen werden seit 2015 von einem Gerüst verdeckt. 2017 sollte es wieder verschwinden, doch aktuelle Prognosen sehen anders aus. Der Metallgigant bleibt - und weitere werden folgen.

Das berühmte antike Gemäuer wirkt wie ein modernes Kunstobjekt. Ein Betrachter könnte auf die Idee kommen, Verpackungskünstler Christo - unvergessen sein verhüllter Reichstag 1995 - habe die Kaiserthermen verschnürt. Ein riesiges Gerüst, 1000 Quadratmeter groß, zieht alle Blicke auf sich. Planen verdecken das Unesco-Welterbe.

Der Metallriese: Von dem 2015 errichteten Gerüst soll der 1700 Jahre alten römischen Badeanstalt wieder Standsicherheit verliehen werden, denn die antiken Mauern bröckeln und müssen restauriert werden - ebenso wie die seit Monaten teilweise eingerüstete Porta Nigra (der TV berichtete). Bröckelndes Gestein hatte die Experten bereits 2013 in Alarmbereitschaft versetzt.

Die Kritik: Die Arbeiten laufen unter der Regie des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) Rheinland-Pfalz und der Mainzer Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE) seit zwei Jahren. Nur sieht man von außen nichts davon, was zunehmend Bewohner und Besucher der Stadt Trier verärgert. Schließlich, betonen die Kritiker, gehören die Kaiserthermen zu den Aushängeschildern Triers. Das riesige Gerüst müsse endlich weg.

Die Stadt: Im Rathaus hat man dagegen volles Verständnis für die lange Verhüllung. "Aus Sicht der Stadt Trier ist die Einrüstung der Kaiserthermen natürlich bedauerlich, aber leider nicht zu ändern, da es vor allem Sicherheitsaspekte waren, die die Instandsetzung erforderlich machten", sagt Michael Schmitz, der Sprecher der Verwaltung.

Die schlechte Nachricht: Der TV bittet den LBB um eine Erklärung zu Verlauf und Fortschritt der Arbeiten in den Kaiserthermen. Doch zuerst kommt die aus Sicht des Trierer Tourismus und Stadtbilds entscheidende Frage: Wann wird das Gerüst verschwinden? Die Antwort von Claudia Renner, der Leiterin Unternehmenskommunikation beim LBB, übertrifft die schlimmsten Trierer Befürchtungen, und zwar um mehrere Jahre.

"Nach Abschluss der aktuell laufenden Sicherungen wird das heute stehende Gerüst voraussichtlich Ende 2018 abgebaut", sagt Renner. Doch auch dann geht die Verhüllung weiter. "Zur Durchführung des unmittelbar südlich an die aktuell bearbeiteten Flächen anschließenden Bauabschnitts wird ein Arbeits- und Schutzgerüst vergleichbarer Dimension benötigt."

Die nächsten Jahre: Diese Arbeiten werden voraussichtlich Ende 2020 abgeschlossen. Danach kommt Gerüst Nummer drei. "Anschließend erfolgen Arbeiten am Hauptraum des Caldariums, gefolgt von der Nord-Ost-Apsis, für die ebenfalls ein vergleichbares Gerüst benötigt wird." Das Caldarium ist das Warmwasserbad, in dessen Bereich die bis zu 19 Meter hohen Mauern stehen, die das Gesicht der Kaiserthermen prägen (siehe Extra).

Die Riesengerüste werden weiterhin zum Trierer Stadtbild gehören. Wie lange noch? Renner wagt eine Prognose: "Auf die hoch aufragenden Gerüste in den Kaiserthermen können wir nach Abschluss der Arbeiten am Caldarium ab Ende 2022 verzichten." Mit deutlich kleineren Gerüsten folgen dann Arbeiten an Tepidarium (Warmluftbad), Frigidarium (Kaltwasserbad), Palästra (Vorplatz), den Seitenräumen und dem Keller.

Die Verzögerung: Wo liegen die Gründe für diese enorme Verzögerung und Verlängerung? "Die Zeitschiene der ursprünglichen Terminplanung musste nach der Einrüstung unter anderem aufgrund neuer Erkenntnisse über den genauen Umfang und die Art der Schäden an der historischen Bausubstanz neu getaktet werden", sagt Claudia Renner. "Daher wurde für die Vorbereitung der Baumaßnahmen mehr Zeit als ursprünglich geplant benötigt."

Die Arbeiten: Wie laufen die Arbeiten, was wurde bisher erreicht? Claudia Renner erklärt: "Auf der Außenseite des Caldariums wird aktuell eine äußere Mauerschale aus den 1930er Jahren, die stark verwittert und in ihrer Standsicherheit massiv gefährdet war, abschnittsweise abgebaut und die dahinterliegende, ebenfalls aus den 30er Jahren stammende Spritzbetonschale saniert."

Auch angrenzende Mauerflächen aus den beiden römischen Bau- sowie den mittelalterlichen Umbauphasen werden restauratorisch bearbeitet und gesichert. Dabei liegt der Schwerpunkt der Arbeiten auf dem Erhalt der Originalsubstanz. "Stark verwitterte Kalksteine sowie zerbrochene Ziegelplatten werden gegen passend angefertigte neue Teile ausgetauscht." Alter Fugmörtel wurde herausgenommen, die Fugen wurden mit nach römischem Vorbild angemischtem Kalkmörtel neu verfüllt.

Claudia Renner betont: "Verwendet werden eigens entwickelte Mörtelrezepturen, die dem römischen Original sowohl optisch als auch in ihren technischen und physikalischen Eigenschaften weitestgehend entsprechen." Die Herstellung von Ersatzziegelplatten, die in Format, Aussehen und technischen Eckdaten an die römischen Originalziegel angepasst werden, wurde nach einer europaweiten Ausschreibung an ein hoch spezialisiertes Unternehmen vergeben. Dessen Arbeit haben die rheinland-pfälzischen Denkmalexperten unter die Lupe genommen. Die Muster der Ziegelbrände wurden vom Landesbetrieb LBB in Kooperation mit der Landesdenkmalpflege sowie dem Institut für Steinkonservierung (Mainz) optisch und technisch-physikalisch geprüft, bevor die Ziegelplatten für die Kaiserthermen in die Produktion gehen konnten.

Das Ende: Wann werden die Arbeiten an den Kaiserthermen abgeschlossen sein? LBB-Sprecherin Renner: "Der letzte Abschnitt soll 2026 beginnen. Zwei Jahre sind dafür geplant."
Extra

Die Kaiserthermen: Daten und Fakten

Die Kaiserthermen stammen aus dem vierten Jahrhundert nach Christus, und sind damit die jüngste der drei römischen Badeanlagen in Trier. Die größeren Barbarathermen wurden im zweiten Jahrhundert errichtet, der Bau der Viehmarktthermen begann bereits 80 n. Chr. Die Kaiserthermen gehörten zu den größten Badeanlagen des römischen Reiches, sind aber nach aktuellem Kenntnisstand nie komplett fertiggestellt worden. Im Mittelalter wurden die Thermen als Steinbruch ausgebeutet - so wie alle römischen Bauten in Trier. Wer die Kaiserthermen heute betritt, kommt zuerst ins Caldarium, den Warmwassersaal. Das Wasser wurde in sechs Kesselräumen geheizt, vier davon sind heute noch sichtbar. Die Kessel erhitzten das Wasser auf 40 Grad, das dann in die drei Badebecken strömte. Vom Caldarium aus kann der Besucher die unterirdischen Gänge betreten oder zum Frigidarium, dem Kaltbad, weitergehen. In späteren Jahrhunderten wurden die Kaiserthermen als Burg, Stadtmauer und Kloster genutzt. In der Palästra entstanden die Kirche St. Gervasius (um 1100), das Agnetenkloster (1295) und später eine Gerberei. Erst im 19. Jahrhundert entdeckte das damalige Trier den Wert der antiken Mauern. Die Grundfläche der antiken Kaiserthermen umfasst insgesamt 25 800 Quadratmeter oder 3,5 Fußballfelder.