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Kaiserthermen werden für kommende zwei Jahre zur Großbaustelle - Millionenspritze für Sanierung

Kaiserthermen werden für kommende zwei Jahre zur Großbaustelle - Millionenspritze für Sanierung

In den Kaiserthermen wird in den kommenden beiden Jahren umfangreich saniert. Das Mauerwerk ist in mehreren Bereichen geschädigt, wodurch Substanz und Sicherheit gefährdet sind. Teile der Weltkulturerbestätte werden für Besucher geschlossen. An Teilen des Baugerüsts soll auf 200 Quadratmetern ein mit der Ansicht der Kaiserthermen bedrucktes Gewebe angebracht werden.

Gleich mehrere TV-Leser riefen in den vergangenen Tagen an und monierten den Bau eines Maschendrahtzauns vor den Kaiserthermen in der Weimarer Allee. Eine Nachfrage beim zuständigen Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) brachte am Mittwochnachmittag Klarheit: Wegen des geschädigten Mauerwerks an dem alten Bauwerk bestehe akuter Handlungsbedarf, erklärte Pressesprecherin Claudia Renner. Die Arbeiten zur Wahrung der Verkehrssicherung sowie zum Erhalt der römischen Substanz seien nicht aufzuschieben.

Abbröckelndes Gestein habe die Behörde bereits im vergangenen Jahr zu ersten Arbeiten gezwungen. Damals schützte man einen Teil des Radwegs mit einem Gerüsttunnel. Vom Finanzministerium habe der LBB im Juli 2014 den Auftrag erhalten, die notwendigen Maßnahmen zur Verkehrs- und Substanzsicherung zu ergreifen. Anfang November stellten Gerüstbauer im Innenbereich der Kaiserthermen deshalb das Gerüst auf.
Renner: "Die Baustelleneinrichtung mit Sperrung des Radwegs besteht seit dem 24. November. Sobald die Baustelle gesichert ist, geht der Gerüstaufbau im Außenbereich weiter. Die Fertigstellung des Gerüsts mit Schutzdach ist für Mitte Januar 2015 geplant."

Im Vorfeld der Bauarbeiten stehen zunächst vor Ort statische und restauratorische Voruntersuchungen an. Sowohl für die Untersuchungen wie auch für die anschließenden Bauarbeiten wird ein freistehendes Gerüst benötigt.
Die besondere Herausforderung: Aus statischen und restauratorischen Gründen darf das Gerüst nicht an der Mauer der Thermen verankert werden. Renner: "Darüber hinaus wird ein Dach benötigt, damit die geschädigte Bausubstanz vor weiteren Witterungseinflüssen geschützt wird und die Arbeiten ab sofort witterungsunabhängig vorgenommen werden können."

Nach Abstimmung der konkreten Instandsetzungsarbeiten sollen diese ab Sommer 2015 in den kommenden zwei Jahren bautechnisch und restauratorisch ausgeführt werden. Einzigartig, so die Pressesprecherin, sei vor allem die Restaurierung der römischen Ziegel.

Ab 2015 sind die Herrichtung eines Teils der Außenanlagen und die ersten Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen im Bereich des Caldariums (Heißbad) geplant. Die Gesamtkosten der ersten Teilmaßnahme werden sich auf geschätzte zwei Millionen Euro belaufen. Zur vollständigen Herstellung der Verkehrssicherheit und zur Sicherung der römischen Originalsubstanz sind über die bereits beauftragten Arbeiten hinaus weitere Maßnahmen erforderlich. Im Ergebnis handelt es sich um Arbeiten, die über mehrere Jahre hinaus geplant und ausgeführt werden müssen.

Bleibt die Frage, ob der Maschendrahtzaun nach dem Ende der Arbeiten wieder demontiert wird. Claudia Renner: "Nach Fertigstellung aller notwendigen Arbeiten werden auch alle für die Baumaßnahme benötigten Zusatzprojekte wie die Baustraße und die notwendigen Sperrungen zurückgebaut."

meinung

Sorge um das Weltkulturerbe

Marcus Hormes

Die Nachricht vom LBB aus Mainz ist ein Schock für Trier: Die Weltkulturerbestätte Kaiserthermen wird über Jahre zur Großbaustelle. Barbarathermen gesperrt, Porta Nigra und Kurfürstliches Palais mehrfach eingerüstet, und jetzt auch der Anblick der stolzen Kaiserthermen dauerhaft gestört. Das ist über die reine Sorge um den Römerbau im Trierer Süden hinaus schmerzhaft für eine Stadt und Region, in der der Tourismus eine so wichtige Rolle spielt. Um so unverständlicher, dass der LBB das Megaprojekt erst auf Nachfrage des TV bekannt gab.
Nach der ersten Aufregung ist aber auch klar festzustellen: An der geplanten Untersuchung und Sanierung führt kein Weg vorbei. Das Land stemmt diese Herkulesaufgabe mit Millionenkosten, kaschiert die beeinträchtigte Optik mit einer Art Bildvorhang und verspricht, alles Störende wieder abzubauen. Diese Perspektive macht Mut!
m.hormes@volksfreund.de