1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Kameradschaft, Risiko und bretthartes Wasser

Kameradschaft, Risiko und bretthartes Wasser

Mit 80 Stundenkilometern über die Sprungschanze: Der Nervenkitzel spielt mit beim Wasserskiclub Schweich-Issel, der am Samstag, 12. Juli, seinen 50. Geburtstag feiert. In der TV-Serie "Mein Verein" erzählt Hermann-Josef Schneider von dem Sport und Sportschau-Auftritten.

Ich bin dem Wasserskiclub Schweich-Issel 1977 beigetreten, habe an Meisterschaftswettkämpfen teilgenommen und bin seit einigen Jahren Geschäftsführer des Vereins.
Dieser Sport ist ein Teil meines Lebens geworden. Besonders begeistert mich aber die Kameradschaft untereinander. Unsere Mitglieder kommen häufig im Vereinsheim zusammen, das man in dieser Form lange suchen muss: Es ist nämlich ein Clubschiff direkt am Moselufer.
Zum Wasserskilaufen bin ich mit 18 Jahren durch einen Freund gekommen. Am Anfang ist viel Geduld gefragt, um den Sport zu lernen. Ich konnte auf zwei Brettern nach vier, fünf Versuchen erstmals auf dem Wasser stehen. Es ist zunächst nicht leicht, die Balance zu halten.
TV Serie: Mein Verein


Ins Wasser fallen aber auch noch die Profis. Jeder geht beim Training an die Leistungsgrenze, um sich zu verbessern - und das kann auch mal schmerzhaft werden.
Alleine das Springen über die 1,65 Meter hohe Schanze war immer ,hochachtungsvoll\', wie wir sagen. Man fährt mit Geschwindigkeiten von 70, 80 Stundenkilometern auf eine weiße Wand zu, sieht fast nichts mehr - und ein Fehler kann weh tun. Das Wasser ist bei der Landung bretthart. Ich habe mir schon einige Verletzungen bei Sprüngen zugezogen wie einen Rippenbruch. Das Risiko gehört beim Wasserski dazu.
Mit der Mannschaft war ich früher häufig unterwegs. Lange Zeit stellte Issel immer eines der besten drei Teams in Deutschland. Erst nach der Wiedervereinigung und neuer Konkurrenz aus der ehemaligen DDR hat sich das verändert. Erfolge haben wir einige gefeiert. 1986 wurden wir Deutscher Mannschaftsmeister. 1987 war ich dabei, als wir Zweiter wurden. Besonders gerne erinnere ich mich an einen internationalen Vergleichswettkampf im französischen Nancy. Wir erhielten den Siegerpokal - und auf einmal ertönte die deutsche Nationalhymne. Wir hatten eine Gänsehaut. Auf so was waren wir gar nicht vorbereitet. Vorbereitung war dagegen bei den Wettkämpfen gefragt, die wir ausgerichtet haben - wie die deutschen Titelkämpfe 1989 und 1991 in Trier. Es war ein großer Aufwand, den wir leisten mussten. Es war keine Infrastruktur vorhanden. Die tonnenschweren Ankersteine, die die Infrastruktur über dem Wasser auf ihren Positionen hielt, haben wir vor Ort gegossen und mit einem Kran ins Wasser gehievt. Die Mühe hat sich gelohnt. An einem der Finaltage waren 5 000 Zuschauer an der Strecke. Die ARD-Sportschau hat einen Bericht über dieses Ereignis ausgestrahlt.
Gewachsen ist der Zusammenhalt unter unseren Mitgliedern nochmal vor wenigen Jahren, als unser Clubschiff Mängel hatte. An manchen Stellen konnte man mit einem Schraubenzieher bis nach innen durchstoßen. Dank der Initiative unseres Vorsitzenden Werner Feltes haben wir eine tragbare, kostengünstige Lösung gefunden, unser Clubheim doch auf Jahre zu erhalten. Das macht uns stolz im ganzen Verein stolz. Aufgezeichnet von Florian Schlecht