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Kampf gegen Eichenprozessionsspinner in Trier und Trier-Saarburg

Natur : Kampf gegen die Gifthaar-Raupen läuft

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich in der Region wieder aus. Während die meisten Gemeinden bei der Entfernung auf Sauger setzen, ziehen die Stadt Trier und andere auch natürliche Fressfeinde heran. Zum Teil kommen umstrittene Spritzmittel zum Einsatz.

Sie sind wieder da. Die Raupen des Eichenprozessionsspinners wurden in den vergangenen Tagen in mehreren Orten im Kreis Trier-Saarburg und in der Stadt Trier gesichtet.

In Trier gibt es laut  Björn Gutheil vom Presseamt bisher nur vereinzelte Nester. Bei der Bekämpfung fährt die Stadt zweigleisig, indem sie einerseits natürliche Feinde der Raupe und andererseits Spezialfirmen mit Saugern einsetzt. „In diesem Jahr probiert unser StadtGrün-Amt einen neuen, natürlichen Ansatz zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aus“, sagt Gutheil auf TV-Anfrage. „So wurden im gesamten Stadtgebiet 1000 Meisenkästen aufgehängt, denn Meisen verfüttern die Raupen an ihre Brut.“

Die Methode habe sich die Stadt Trier in anderen Ländern abgeschaut, wo sie bereits erfolgreich angewendet worden sei. „Wir hoffen mit dieser Bekämpfung auf natürlichem Weg auch Erfolg zu haben“, sagt Gutheil. Natürlich werde aber auch wieder – falls es erforderlich ist – abgesaugt werden. Seit Anfang Juni besteht die Erfordernis offenbar. Zumindest sind die Firmen seit Dienstag auch an einigen Stellen in Trier mit ihren Saugern im Einsatz (siehe weiteren Text auf dieser Seite).

 Laut Beobachtungen verzeichnet die Stadt Trier aber auch erste Erfolge mit der Meisen-Methode: „Wo die Kästen früh hingen, etwa am Mattheiser Weiher, ist der Befall bislang geringer als im letzten Jahr.“ Das könne aber auch an den kühleren Tagen Ende April gelegen haben, die sich auf die Population ausgewirkt hätten. Abschließend lasse sich der neue Ansatz  deswegen noch nicht beurteilen.

Denselben Ansatz probiert laut Pressesprecherin Nathalie Hartl auch die Verwaltung der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell aus: Dort wurden Nistkästen für Meisen an Schulen, Kitas und Friedhöfen installiert. Es werden aber auch Fallen eingesetzt. Wenn sich trotzdem Raupen einnisten, kommt der VG-eigene Sauger zum Einsatz, mit dem Nester in bis zu 2,50 Meter Höhe entfernt werden können. Hängen die Gespinste höher, werden Fachfirmen beauftragt.

An einigen Problemstellen setzt die VG – wie andere Kommunen auch – das Biozid Neem Protect gegen die Eichenprozessionsspinner ein. Laut Hartl ist es bienenfreundlich und geeignet für die ökologische Landwirtschaft. Umweltverbände wie BUND und Bund für Naturschutz kritisieren hingegen den präventiven Einsatz von Neem Protect gegen den Eichenprozessionsspinner, weil es tödlich für alle blätterfressenden Raupen sei.

Die Verbandsgemeinden Schweich, Trier-Land und Ruwer haben an einzelnen Stellen Nester registriert. Ihre präventiven Maßnahmen, die auch vom Einsatz von Meisen bis hin zu Bekämpfungsmittel reichen, konzentrieren die Verwaltungen meist auf Bereiche, wo sich viele Menschen aufhalten. So erklärt zum Beispiel der Schweicher Büroleiter Wolfgang Deutsch, dass schon zwei Nester abgesaugt worden seien und dass an im Vorjahr befallenen Bäumen präventiv „biologische Bekämpfungsmittel“ eingesetzt worden seien.

In der VG Hermeskeil gibt es laut Büroleiter Werner Haubrich bisher gar kein Vorkommen der Gifthaar-Raupen.

In der Verbandsgemeinde Konz häufen sich die Meldungen über Nester der Eichenprozessionsspinner. Ende Mai erklärte Michael Naunheim, Pressesprecher der Verbandsgemeinde Konz,  auf TV-Anfrage, dass bisher zehn Stellen mit 130 Bäumen befallen seien. Am 3. Juni verschickte er eine offizielle „Warnung vor dem Eichenprozessionsspinner“. Denn die giftigen Härchen der Raupe können im schlimmsten Fall zu schwereren Verletzungen führen, wenn man mit ihnen in Kontakt kommt (siehe Info).

Das erste Vorkommen in der VG Konz ist dem Ordnungsamt am 16. Mai gemeldet worden – auf dem Parkplatz am Friedhof in Tawern, auf dem Friedhof selbst sowie an der Grundschule Tawern. Seitdem kommen fast täglich weitere Meldungen bei der VG an, unter anderem mehrere aus Roscheid. In dem Wohngebiet hatte der Trierer Forst­experte die Raupen erstmalig vor rund 16 Jahren entdeckt (der TV berichtete).

Trier geht gegen Eichenprozessionsspinner vor

Naunheim erklärt das Vorgehen der Verwaltung: „Die erste Reaktion ist, sofort nach Meldung die betroffenen Bäume und Baumgruppen durch Warnschilder zu kennzeichnen, schlimmstenfalls Bereiche großräumig abzusperren.“ Zeitgleich informiere die Verwaltung zwei Spezialfirmen über die Vorkommen. Diese rückten dann zeitnah zur fachgerechten Beseitigung aus.

Laut Naunheim werden in der VG Konz auch erstmals testweise EPS-Fallen genutzt. Diese seien mit Lockstoffen versehen und würden vorzugsweise an Bäumen auf dem Gelände oder in der Nähe von Kitas und Grundschulen aufgehängt. „Das Ergebnis bleibt abzuwarten“, sagt Naunheim.

Ein Phänomen, auf das er hinweist, ärgert die Behörden besonders: Eine Veröffentlichung von Orten mit potenziellen Nestern in den sozialen Medien trage selten zu einer schnellen Lösung bei, sagt Naunheim angesichts steigender Zahlen von Posts zum Eichenprozessionsspinner in lokalen Facebook-Gruppen. Im Gegenteil: Oft handele es sich um Panikmache durch Falschmeldungen. Deshalb appelliert der Pressesprecher an alle Bürger, Vorkommen der Raupen bei den zuständigen Verwaltungen zu melden. Konz hat dafür beispielsweise eine extra E-Mail-Adresse eingerichtet:  eps@konz.de