Kampf gegen Feinstaub

Ein Fachinstitut hat in der Kindertagesstätte Trimmelter Hof in Trier eine "hohe bis sehr hohe" Feinstaub-Belastung gemessen. Laut Behörden besteht keine unmittelbare gesundheitliche Gefahr.

Trier-Tarforst. Bei der Suche nach möglichen Ursachen für gesundheitliche Beschwerden von Erzieherinnen und Kindern der städtischen Kita Trimmelter Hof gibt es eine heiße Spur, wie volksfreund.de am Mittwochabend berichtete. 50 Teilnehmer einer Elternversammlung erfuhren von Behördenvertretern überraschend brandneue Ergebnisse.

Die Raumluft-Messung durch das Institut für angewandte Umweltforschung ergab zwar unauffällige Werte für flüchtige organische Stoffe. Aber: Die Feinstaubbelastung in der Kita ist hoch bis sehr hoch (siehe Extra). "Da die Fußbodenheizung den Staub aufwirbelt, verstärkt sie den Effekt", sagte Jugendamts-Leiter Achim Hettinger.

"Diese Belastung kann mit ursächlich sein für Reizerscheinungen an Augen und Atemwegen", erklärte Harald Michels, Leiter des Gesundheitsamts Trier. Mögliches weiteres Problem: eine unsachgemäße Reinigung des Linoleum-Fußbodens. Die Reinigungsmittel enthalten zum Teil den Naturstoff Limonen, der unter Umständen Allergien auslösen kann. Das Fachinstitut empfiehlt, verstärkt zu lüften und feucht zu wischen. Zudem planen Jugendamt und Gesundheitsamt ein Bündel von Maßnahmen:

höhere Reinigungsfrequenz, aber ohne zu kehren

Nutzung von Reinigungsmitteln ohne problematische Stoffe

Einsatz von Staubsaugern mit Feinstaubfiltern

täglich früherer und längerer Betrieb der Lüftung

erneute Luftmessungen.

"Wir werden genau beobachten, ob die Beschwerden nachlassen", kündigte Michels an. "Wir nehmen die Sache sehr ernst und setzen uns dafür ein, dass alles getan wird."

Unter den Eltern regte sich Widerspruch. "Ich fühle mich nicht ernst genommen, wenn es schon seit dem Wiedereinzug gesundheitliche Probleme gibt und die Eltern trotz der Vorgeschichte der Kita erst jetzt darüber informiert werden", sagte Christoph Steil. 20 Monate lang war die Kita wegen Schimmelbefalls geschlossen und nach der umfangreichen Sanierung im August wieder eröffnet worden.

"Wir haben anfangs alle möglichen Erklärungen gesucht. Als es sich verdichtet hat, fiel die Entscheidung, alles genau zu testen", schilderte Achim Hettinger das Vorgehen. "Bei akuter Gefahr hätten wir die Einrichtung sofort dicht gemacht", versicherte Michels, der keine Zahlen zu Kita-Nutzern mit gesundheitlichen Beschwerden nennen konnte.

Hettinger: "Die seltsame Geruchsentwicklung hing mit der neuen Lüftungsanlage zusammen. Je nach Witterung wurde die Abluft der Toiletten angesaugt. Das haben wir provisorisch behoben." Die Kita bleibt wie gewohnt geöffnet.

Meinung

Es geht um die Gesundheit

Der Gang zur Elternversammlung der Kita war für die Vertreter von Stadt und Gesundheitsamt schwer. Im Vorfeld hatten sich die Behörden nicht mit Ruhm bekleckert, lange abgewartet und schließlich fast verschlafen, den Beginn der eigenen Testoffensive bekanntzugeben. Eltern konnten die Versäumnisse offen ansprechen. Insofern hatte der Abend eine reinigende Wirkung und schweißt die Betroffenen für die Zukunft zusammen. Letztlich verfolgen alle das gleiche Ziel: gesunde Bedingungen für Kinder und Personal der Kita. Die jüngsten Messergebnisse sind zwar unerfreulich, erlösen aber aus dem Gefühl der Ohnmacht. Denn erstmals liegen konkrete Hinweise auf mögliche Ursachen der Beschwerden vor. Da lässt sich ansetzen, um die Lage entscheidend zu verbessern. m.hormes@volksfreund.deEXTRA Feinstaub: Als Feinstaub bezeichnet man Teilchen in der Luft, die nicht sofort zu Boden sinken, sondern eine gewisse Zeit in der Atmosphäre verweilen. Durch Fenster gelangt belastete Außenluft auch in Innenräume. Emissionsquellen im Innenraum wie Staubsaugen ohne Feinstfilter können die Staubkonzentration erhöhen. Je kleiner die Partikel, desto größer das Risiko zu erkranken, da der Staub tiefer in die Atemwege eindringt. Quelle: Umweltbundesamt. (cus)