Karl Marx: Als der große Denker noch ein kleiner Trierer Panz war

Geschichte : Der große Denker Karl Marx als kleiner Trierer Panz

Er sprach Latein und Griechisch, aber kaum Hochdeutsch: Ein Besuch der Schauplätze von Karl Marx’ Kindheit bringt erstaunliche Erkenntnisse.

Auf dem bekannten gängigen Foto – Karl Marx mit weißem Haar und Rauschebart – ist der populäre Trierer 57 Jahre alt. Wie verbrachte er seine Kindheit? War er ein guter Schüler? Dr. Kathrin Baumeister, Kunsthistorikerin, Theologin und Marx-Expertin, wie sie sagt, hat eine kleine Gruppe Interessierter zu wichtigen Stationen des damals jungen Karl Marx geführt: zu seinem Geburtshaus zum Beispiel, über seinen Schulweg, dorthin, wo er lernte, getauft und konfirmiert wurde. Hier wurden die Grundlagen zu Karl Marx` Lebenswerk gelegt. Der TV dokumentiert drei Stationen seiner Kindheit und Jugend anhand der Schilderungen Baumeisters.

Wo alles begann Unter dem Motto „Auch große Denker haben einmal ganz klein angefangen“ hatte die katholische Familienbildungsstätte Remise in Trier zu dem Rundgang mit Kathrin Baumeister eingeladen. Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx in der heutigen Brückenstraße 10 geboren, als drittes Kind von Heinrich und Henriette Marx. Sein Vater war Anwalt, später Justizrat. Beide Eltern waren jüdisch. 1819 starb der Erstgeborene der Familie. Als Karl Marx eineinhalb Jahre alt war, kaufte die wohlhabende Familie ein Haus in der Simeonstraße, schräg gegenüber der Porta Nigra – und zog um.


Hier verbrachte Marx Kindheit und Jugend Heute ist ausgerechnet ein Ein-Euro-Shop in dem Haus beheimatet, das Lebensmittelpunkt der Kindheit und Jugend von Karl Marx war. Eine Gedenkplakette an der Fassade erinnert an den berühmten einstigen Bewohner. Dort wuchs Marx mit seinen sieben Geschwistern auf. Neben der Großfamilie wohnten noch Hausangestellte und zeitweise einige Soldaten mit im Haus. Sowohl Marx` Vater als auch er selbst und seine Geschwister wurden dort evangelisch getauft, ein paar Jahre später auch die Mutter Henriette Marx.


Schulweg und Abi mit 17 Karl Marx` Schulweg führte quer durch die Innenstadt in die Jesuitenstraße. Er war Schüler des heutigen Friedrich-Wilhelm-Gymasiums (FWG), das zu Marx` Schulzeit ein königlich-preußisches Gymnasium war. Damals lernten rund 1000 Schüler dort. Einer von Marx` Mitschülern war der linksliberale Ludwig Simon. In dem damaligen Direktor Johann Hugo Wyttenbach fand Marx einen Förderer. Der Schulleiter gilt als großer Denker und Gelehrter, wie man sich ihn vorstellt: Sammler von Mineralien, Handschriften und Büchern. Ohne ihn gebe es die Schatzkammer in der Stadtbibliothek nicht. Auch Frauen hat er an dem Jungengymnasium den Weg zur Bildung einen Spalt weit geöffnet: Freitagnachmittags lud er zum sogenannten Damenkränzchen ein.

Marx war ein „Normalschüler“ – sehr gut in Sprachen und besonders schlecht in Mathematik. Griechisch und Latein konnte der Schüler mit Hang zu Shakespeare aktiv sprechen und schreiben, was damals üblich war. Aber Hochdeutsch hat er nie gut gesprochen, was auf seine niederländische Mutter zurückgeführt wird.

Mit 17 Jahren legte er das Abitur ab – manche Mitschüler schafften das erst mit 25. Finanziell fehlte es Marx während Schul- und späterer Studienzeit an nichts. Er war verschwendungssüchtig, gab viel Geld, das sein Vater immer nachschoss, aus – vieles davon für schicke Kleider. In der Jesuitenkirche, die damals Seminarkirche hieß, wurde Marx konfirmiert.

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