Karl-Marx-„Plätzchen“ in Trier ist eröffnet

Infrastruktur : Karl-Marx-„Plätzchen“ ist eröffnet

In Trier ist ein kleines städtebauliches Ausrufezeichen gesetzt worden. Stadtrat und Ortsbeirat haben sich aber gegen den Namen „Karl-Marx-Platz“ entschieden und nennen einen Grund.

  Das Viertel um Brücken- und  Karl-Marx-Straße  hat einen neuen Mittelpunkt: In Sichtweite des Karl-Marx-Hauses an der Einmündung der Jüdemerstraße hat die Stadt Trier am Samstag einen kleinen Platz eröffnet, der zum Verweilen und zur Kommunikation einlädt. Die  Interessengemeinschaft (IG) Karl-Marx-Viertel e.V. hatte sich von Beginn an mit Ideen und aktiver Mitarbeit in das  Projekt eingebracht. In  rund vier Monaten wurde durch die Wittlicher Fachfirma Friedrich die vorher unscheinbare Straßenecke nach Plänen des Landschaftsarchitekten Stefan Jacobs  „wohnlich“ gestaltet und dem Thema „Karl Marx“ angepasst.  Ins Pflaster eingelassene Metallbänder enthalten Zitate und Lebensdaten des großen Trierer Philosophen. Die alten Robinien dort blieben erhalten, dazu kamen drei neue Bänke in Rot und moderne Lichtstelen, die dem Besucher auch einen W-Lan-Zugang ermöglichen. Das eigens gestaltete  Pflaster hebt den Ort von den umgebenden Straßen ab. Der Platz ist barrierefrei und verfügt über Hilfslinien für Sehbehinderte.

An der offiziellen Eröffnung durch Triers Baudezernent Andreas Ludwig und Ortsvorsteher Dominik Heinrich nahmen am Samstag zahlreiche Anwohner, die Mitglieder der Interessengemeinschaft, Stadtrats- und Ortsbeiratsmitglieder sowie die Vertreter der städtischen Bauverwaltung teil. Als Überraschungsgast erschien Bundesjustizministerin Katarina Barley.

In seinem Grußwort erinnerte Ludwig an die Anfänge. Den Anstoß zur Platzgestaltung gab ein schwergewichtiges Geschenk aus China – die Karl-Marx-Statue. Der chinesische Schöpfer des Standbilds, Wu Weishan, hätte sein Werk gerne dort aufgestellt – doch der Philosoph in Bronze habe  sich für die eng umbaute Fläche  einfach als zu groß erwiesen. Zudem  hätten sich Stadtrat und Ortsbeirat gegen den Namen „Karl-Marx-Platz“ entschieden. Den Anliegern sollten die Adressenänderungen erspart bleiben. Außerdem sei die neu gestaltete Fläche für eine eigene Namenswidmung zu klein, zumal sie auch noch unmittelbar an die vorhandene Karl-Marx-Straße anschließe. Das sei eben nur ein „Plätzchen“, so die Meinung der politischen Gremien. Ein besonderer Dank Ludwigs galt dem Land, das die insgesamt rund 210 000 Euro teure Baumaßnahme mit 150 000 Euro bezuschusst hatte. Ludwig: „Ohne diese Hilfe wäre das alles nicht möglich gewesen.“

Ortsvorsteher Heinrich dankte besonders der IG Karl-Marx-Viertel für ihr Engagement um das Projekt. Heinrich: „Ihr habt  Initiative gezeigt und mit eurer  Arbeit Großes geleistet.“  Heinrich schlug vor, den Platz durch geschichtliche Hinweistafeln  zu ergänzen. Man werde im Ortsbeirat drüber nachdenken. Ein erstes Anwohnerfest auf dem Platz kündigte IG-Sprecher Henniger an: „Wir wollen diesen Platz mit Leben füllen.“

Für den SPD-Ortsverein ist die Namensdiskussion übrigens noch nicht beendet. Um dies zu bekräftigen, überreichte Sylvia Mayer-Stenzel von der SPD Mitte-Gartenfeld an die IG Karl-Marx-Viertel ein blauweißes Straßenschild mit dem Namenszug „Karl-Marx-Platz“.

 Im Gespräch mit dem TV verweisen Mayer-Stenzel und Henniger  auf die örtlichen Verhältnisse – danach sei für die Anleger eines künftigen Karl-Marx-Platzes gar keine Adressenänderung erforderlich.

Nicht zum Zuge kamen einige von Safet Babic angeführte NPD-Mitglieder. Sie versuchten vergeblich,  die Veranstaltung mit Trillerpfeifen zu stören.