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Karl-May-Freunde Pluwig: Der wilde Westen im Tal der Ruwer

Karl-May-Freunde Pluwig: Der wilde Westen im Tal der Ruwer

Nach monatelanger Probenarbeit haben die Karl-May-Freunde Pluwig die Zielgerade zu ihren Festspielen 2011 erreicht. Gezeigt wird "Der Geist des Llano Estacado", eine Geschichte mit Dramatik und Kampf, Helden und Schurken. Der TV war bei der ersten Vollprobe des Stücks auf der Pluwiger Freilichtbühne dabei.

Pluwig. Ein einsamer Reiter in Wildwestmontur biegt aus einem Feldweg auf die K 63 in Richtung Freilichtbühne ein. Es ist Erwin Jünker, alias Old Shatterhand, auf dem Weg zur Probenarbeit. Jünker und Reinhold Schomer als Häuptling Winnetou sind seit Beginn der Festspielreihe die beiden Hauptdarsteller, um die sich die Handlung dreht.
Kurz vor 19 Uhr wirkt der Aufführungsort in einem ehemaligen Steinbruchgelände noch verwaist, verlassen steht die bekannte Westernkulisse mit Saloon und Nebengebäuden da. Am anderen Ende des weiten Areals haben wieder die Indianer mit ihren Tipis, Totempfahl und Lagerfeuer Quartier bezogen. In diesem Jahr soll ihr Lager Teil des dramatischen Rahmenprogramms werden. Neu ist die aufwendig gestaltete "Silbermine" als Bühnenhintergrund - sie wird später mit Getöse in die Luft fliegen und für ein spektakuläres Schlussspektakel sorgen. Gerade legen dazu die Pyrotechniker Michel Oberhausen und Conny Faißt letzte Hand an. Um eine Grubengasexplosion zu simulieren, haben sie dort eine Reihe von Feuerwerkssprengsätzen installiert. Zusätzliche Feuerwerkstechnik wurde an anderen Stellen des Bühnengeländes versteckt, um die Handlung mit zusätzlicher Dramatik zu würzen. Neu ist in diesem Jahr auch der "Waggon", ein von zwei schweren Halbblutpferden gezogener Planwagen. "Den haben wir in einem traurigen Zustand erworben und erst wieder aufbauen müssen", erklärt Vorsitzender Ernst Witz.
Geschäftiges Treiben herrscht noch in der geräumigen Halle des Backstage-Bereichs. Dort geben rund 20 fachkundige Helferinnen und Helfer den Kostümen und Perücken den letzten Schliff, während im Hintergrund die 23 vierbeinigen Darsteller wiehern und schnauben.
Ausstaffiert werden 18 Hauptdarsteller und rund 80 Komparsen. Letztere stellen zu Fuß oder zu Pferd die US-Siedler, Soldaten und Indianer dar.
Dramatische Auftakthandlung


"Wir können nun anfangen", verkündet um 19.30 Uhr Regisseur Konni Wysocki über sein Funkmikrofon. Es ist das Zeichen für einen Trupp US-Soldaten, ihre altertümliche Kanone zu zünden: Der krachende Auftaktdonner hat bereits Tradition bei den Festspielen. Zum Vorprogramm zählt auch der anschließende Armeeüberfall auf das Indianerlager. Tote Frauen und Krieger bleiben zurück, zwei überlebende Indianerkinder - hervorragend gespielt von Alina Schur (6) und Felix Thees (9) - schleppen sich davon. Eine Szene, die das Publikum an eins der düstersten Kapitel der US-Geschichte erinnern soll.
Düstere Landschaften und Gestalten, aber auch strahlende Helden, gibt es in der von Karl May entlehnten Haupthandlung: Eine Gruppe Siedler muss auf ihrem Weg nach Westen die gefürchtete Wüstenregion Llano Estacado durchqueren, wo sie von der Geierbande in die Irre geführt wird. Als Retter in der Not erweisen sich Old Shatterhand und Winnetou, denen dabei allerdings der mächtige Geist des Llano Estacado zu Hilfe kommt.
Noch Nachbesserungsbedarf


Zu Beginn der Probe zeigt sich, dass der Stoff bei den Darstellern weitgehend "sitzt" - obwohl Regisseur Wysocki noch öfter korrigieren muss und da und dort die Einsätze "klemmen". Auch szenisch wird korrigiert: "Lass den Kopf hängen", ruft Wysocki einem "Toten" nach, der gerade weggetragen wird.
In der Pause, bei Würstchen und Kartoffelsalat, sind alle noch guter Dinge. Doch dann setzt starker Regen ein und in der Schlussphase mehren sich die "Hänger". Regisseur Wysocki ist deutlich ungehalten: "Hier muss noch einiges nachgebessert werden. Bis Sonntag muss das sitzen!"
Unfreiwillig komisch wirken im Regen plötzlich die in der Wüste umherirrenden Siedler: Laut Skript sollen sie sich halb verdurstet dahinschleppen - doch zu sehen sind total durchnässte Gestalten, die alles andere als Durst haben.
Das Wetter gilt als größter Risikofaktor bei jeder Freilichtbühne - Petrus spielt eben nicht immer mit. Das wissen die Akteure, und das weiß auch das Publikum. Dennoch sind fast schon alle Aufführungen 2011 ausverkauft.
Die Heilbronner Fachfima Dittus hat am gestrigen Mittwoch mit dem Aufbau der 1285 Zuschauer fassenden Tribüne begonnen, die auch bei den Formel-1-Rennen auf dem Hockenheimring zum Einsatz kommt. Dittus sorgt für Auf- und Abbau der Anlage sowie für die sicherheitstechnische Abnahme. Für die vierwöchige Nutzung der Tribüne zahlen die Karl-May-Freunde 25 000 Euro.
Video unter
volksfreund.de/video
Der Verein Karl-May-Freunde Pluwig wurde 2001 gegründet und startete im selben Jahr am See in Hockweiler mit der Aufführung "Der Schatz am Silbersee". Danach folgte der Wechsel nach Pluwig mit vier erfolgreichen Festspielen im zweijährigen Turnus. Insgesamt 14 500 Besucher sahen den 2009 aufgeführten "Sohn des Bärenjägers". Aufführungen 2011: 29./30./31. Juli, 5./6./7. August sowie 12./13./14. August. Die meisten Vorstellungen sind inzwischen ausverkauft. Karten sind noch erhältlich für die Sonntagsaufführungen am 7. und 14. August. Vorverkauf bei Haarvitrine Thonet (Trier), Provinzialversicherung Haag (Pluwig), Buchladen Hermeskeil, Elektro Dahm (Trier-Irsch), Touristinfo Kasel, Volksbanken Herzogenbuscher Straße (Trier), Schweich und Konz. Die Generalprobe am kommenden Sonntag, 24. Juli, ist eine "geschlossene Veranstaltung", zu der nur Mitglieder der Firma Michelin Trier Zutritt haben. f.k.