Karneval über die Grenzen

Wenn die Ehranger Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß demnächst ihren 60. Geburtstag feiert, ist auch er wieder dabei: Horst Lorig ist 1958 beigetreten und war lange Zeit Präsident. Im TV erzählt er aus der Vereinsgeschichte.

Trier. "Demnächst wird die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Ehrang 60 - und ich freue mich sehr, dass zur Feier auch drei Mitglieder kommen, die schon die Gründungsurkunde unterschrieben haben: der Pütze Bub (Matthias Pütz), Freins‘ Ossi (Oswald Frein) und Schneiders Klässi (Klaus Schneider). Ich bin 1958 dazu gekommen, als 18-Jähriger: Da war ich schon im Männergesangsverein, und nachdem wir bei einer Sitzung mitgemacht haben, bin ich beim Karneval geblieben.
Damals waren die Sitzungen noch im Gasthaus "Zur Kanzel". Die Leute standen ab 17 Uhr Schlange, um noch einen Platz zu bekommen - und waren übrigens schöner dekoriert und maskiert als heute. Zunächst habe ich als Protokollarius den Zeitgeist kommentiert. Dann war ich Büttenredner, später in Vorstand und Vorsitz. Von 1979 bis 1992 war ich erstmals Präsident.
Der rot-weiße Karneval genießt einen ausgezeichneten Ruf, weil bei uns der Grundsatz einer zotenfreien Bütt gilt: Einen Gastredner, der entgegen den Absprachen doch unter der Gürtellinie scherzte, habe ich mal mitten in der Rede herauskomplimentiert - normalerweise verstehen wir uns aber alle gut.
Der Karnevalsverein trägt entscheidend dazu bei, dass Ehrang ein eigenständiges Kulturleben hat - und gibt vor allem vielen jungen Menschen sozialen Halt. So gibt es auch außerhalb der Session viele Möglichkeiten zur Begegnung, etwa beim Vereinsfest, den Ausflügen oder den Ferienfreizeiten - das ist alles sehr wichtig für das Gemeinschaftsgefühl in einem Stadtteil von der Größe Ehrangs.
Stolz bin ich auch auf unsere Beiträge zur Verständigung: So versuchen wir immer wieder, die vielen Ehranger mit Migrationshintergrund zu integrieren - gerade über die Kinder klappt das recht gut -, und wir hatten das erste deutsch-französische Prinzenpaar weit und breit mit einem Garnisonssoldaten als Prinz, und Thiébaut Puel, ein Verbindungsoffizier, wurde sogar lange Jahre unser Vorsitzender. Schon vor dem Mauerfall gab es freundschaftliche Verbindungen zum Handwerker-Carnevals-Verein der Trierer Partnerstadt Weimar.
Schade finde ich, dass nur noch so wenige der 32 Ehranger Vereine etwa beim Rosenmontagszug mitmachen und dass es kein schönes Gasthaus mehr im Ortskern gibt, wo man sich treffen kann. Dafür haben wir aber zum Glück das Bürgerhaus, das zum Zentrum des Vereinslebens geworden ist. Sehr dankbar bin ich meiner Frau und meinen Kindern, dass sie für meine oft zeitraubende Passion immer Verständnis hatten - obwohl zum Beispiel meine Frau selbst mit der fünften Jahreszeit nie allzu viel anfangen konnte."

Aufgezeichnet von Frank Göbel.
In unserer TV-Serie "Mein Verein" lassen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu Wort kommen. Jeden Mittwoch stellen wir einen Verein aus der Perspektive eines Mitglieds vor. Dazu gibt es die wichtigsten Daten in Kurzform. Sie wollen Ihren Verein vorstellen? Schreiben Sie uns eine E-Mail an trier@volksfreund.de
Extra

Die Karnevalsgesellschaft Rot-Weiß Ehrang wurde am 11.11.1952 gegründet und ist heute einer von drei Ehranger Karnevalsvereinen. Der Verein mit seinen knapp über 300 Mitgliedern feiert am 14. Januar im Ehranger Bürgerhaus sein 60-jähriges Bestehen, hält sich am Rosenmontag traditionellerweise von der Trierer Innenstadt fern und zieht stattdessen beim Ehranger Umzug durch den Ort. Weitere Informationen unter: www.rot-weiss-ehrang.de.fgg

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