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Karnevalsauftakt in Trier: Die zwei Facetten des 11. 11.

Karnevalsauftakt in Trier: Die zwei Facetten des 11. 11.

Ihrem Ruf als Narrenzahl macht die 11 am Dienstag (11. November) alle Ehre: Um 11.11 Uhr starten die Trierer Narren in die neue Session – zum elften Mal auf dem Kornmarkt. Am Abend des 11. 11. befasst sich der Stadtrat mit dem sensiblen Thema Weiberfastnacht – sinnigerweise unter Punkt elf der Tagesordnung.

Es ist ein wahrhaft närrisches Jubiläum: Zum elften Mal geht am Dienstag die Sessionsauftaktfete der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) auf dem Kornmarkt über die Bühne. Das vom Trierischen Volksfreund präsentierte große Freiluft-Schunkeln mit viel Livemusik (siehe Programm-Info unten) steht für die unstrittige Seite des Karnevals. Seit 2004 feiern jährlich mehr als tausend Narren fröhlich und friedlich den Beginn der "fünften Jahreszeit". Einziges besonderes Vorkommnis in zehn Jahren: Als die ATK, Dachorganisation von 17 Karnevalsvereinen, ausgerechnet 2011 den offiziellen Sessionsauftakt um einen Tag verlegte (statt Freitag am vermeintlich publikumswirksameren Samstag), meuterten viele Narren und feierten am traditionellen Datum eine ATK-freie Spontanfete auf dem Kornmarkt, es war ja schließlich der 11. 11. 11.

Alles Schnee von gestern, zumal die Obernarren selbst eingesehen haben, dass die völlig unnötige und republikweit belächelte Verlegung eine Narretei besonderen Kalibers gewesen ist. Traumatische Langzeit-Nachwirkungen aber hat der Vorfall vom 16. Februar 2012. An jenem Weiberfastnachtstag lief das Geschehen nach der Prinzenproklamation auf dem Hauptmarkt völlig aus dem Ruder. Laut Polizei haben sich viele Jugendliche und junge Erwachsene mit selbst mitgebrachten Alkoholika hemmungslos betrunken. Folge: Dutzende Alkoholleichen, 100 Platzverweise, neun Menschen in Gewahrsam genommen.

Seither ist Triers Narrenwelt an Weiberfastnacht nicht mehr in Ordnung. 2013 durfte die Prinzenproklamation nur in einer Light-Version (um zwei Stunden verkürzt und alkoholfrei) über die Bühne gehen, in diesem Jahr wurde in einer umzäunten Partyzone, dem sogenannten "Narrenkäfig", auf dem Hauptmarkt gefeiert.
Juristische Grundlage war 2013 und 2014 eine von der Polizei geforderte und vom Stadtrat beschlossene Gefahrenabwehrverordnung für Weiberfastnacht, die mit einem Glas- und Alkoholverbot für weite Teile der Altstadt einherging.

"Karneval ohne Grenzen" lautet das ATK-Motto der am Dienstag beginnenden neuen Session. Zumindest im Falle Weiberfastnacht (12. Februar 2015) dürfte es ein närrischer Wunsch bleiben. Denn nach Lage der Dinge läuft es auf eine Neuauflage der Richtlinien dieses Jahres hinaus. Sprich: Im öffentlichen Raum gefeiert und Alkohol getrunken werden darf nur innerhalb einer umzäunten Zone auf dem Hauptmarkt. Ansonsten ist Alkohol auf vielen Straßen und Plätzen tabu. So das Kernelement der Beschlussvorlage der Stadtverwaltung zum Tagesordnungspunkt 11 ("Präventionsmaßnahmen Weiberdonnerstag 2015") der Sitzung des Stadtrats Dienstagabend. Stimmt der Rat zu, wird die Prinzenproklamation wieder eine teure Angelegenheit für die ATK, die für den Sicherheits-Mehraufwand aufkommen muss. Der macht laut Präsident Andreas Peters rund die Hälfte der Produktionskosten von knapp 30.000 Euro für die Käfig-Party aus. Meinung


Konsequent? Ja, aber …

Es ist wie mit dem Lokführerstreik: In erster Linie trifft eine Gefahrenabwehrverordnung für Weiberfastnacht die völlig Falschen. Karneval ist Brauchtum, das keine Zäune und Ketten verdient hat. Und doch dürfte es wohl wieder so kommen: Eine von Polizei, Stadt und privaten Sicherheitsleuten überwachte Verordnung ermöglicht an Weiberfastnacht 2015 das, was quasi an 364 Tagen im Jahr Usus ist: Menschen stoßen auf dem Hauptmarkt miteinander an. Klar: Als 2012 guter Feierwille massenhaft zu Rudelbesäufnissen und Randale missbraucht wurde, war die Toleranzgrenze weit überschritten. Insofern mag eine Gefahrenabwehrverordnung eine konsequente Notbremse sein. Doch sie bekämpft allenfalls die Symptome, nicht die Ursachen. Sie ersetzt weder elterliche Fürsorge noch verhindert sie, dass Schüler an Weiberfastnacht den Unterricht schwänzen. Und sie lehrt leider auch nicht das, was dem Brauchtum Karneval und seinen ehrenamtlichen Protagonisten gebührt: Respekt!
r.morgen@volksfreund.deExtra

Das Programm am 11. November

Am Anfang Sonja Storz, zum Schuss noch mal und zwischendrin ebenfalls: Die DJane aus Schweich, die als "Rent a Sunshine" auftritt, gibt der Sessionsauftaktfete der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) am Dienstag auf dem Kornmarkt den musikalischen Rahmen. Ab 10 Uhr sorgt sie für geselliges Warmschunkeln und ab etwa 15.30 Uhr für den Ausklang. Zwischen den anderen Programmpunkten und Band-Auftritten legt sie ebenfalls auf. Die Reihenfolge der weiteren Mitwirkenden: Zalawener Duckentscher, Rudi & Tünn (Köln), Leiendecker-Bloas und Fun 2.0. Um 11.11 Uhr verkünden OB Klaus Jensen und Helmut Leiendecker die närrischen Gesetze. rm.