Kaseler wollen neues Leben in der Dorfmitte

Kasel · Die Ortsgemeinde Kasel und die Kaseler Winzergenossenschaft wollen mit vereinten Kräften das Dorfzentrum für die Bevölkerung wiederbeleben. Das Projekt soll aber auch überörtlich auf den Tourismus und die Weinwerbung ausstrahlen.

Das historische Anwesen der Kaseler Winzergenossenschaft in der alten Ortsmitte ist Dreh- und Angelpunkt bei einer Neugestaltung des Dorfkerns. Auch die Einrichtung einer Vinothek sowie die Umgestaltung eines Gewölbekellers sind dort geplant. Die Gemeinde Kasel und die Genossenschaft als Eigentümerin planen das Projekt in enger Kooperation.

Das Genossenschafts-Gehöft an der Kaseler Schulstraße besteht aus vier unterschiedlich alten Einzelgebäuden, die einen Innenhof umschließen. Dieser Hof grenzt an den in leichten Terrassen abfallenden, neugestalteten Dorfplatz. Eine Mauer, die Platz und Hof heute noch trennt, soll durchbrochen werden, so dass zwei zusammenhängende Flächen entstehen.

Das zur Hauptstraße (Schulstraße) gelegene zweigeschossige Hauptgebäude und ein Lagergebäude prägen das äußere Bild des Anwesens. Derzeit wirkt der Bau deutlich sanierungsbedürftig. Die Wohnung im Obergeschoss steht leer, ebenso die Räume in Parterre, die zuletzt eine Fahrschule beherbergten.

Der aus Kasel stammende Architekt Bernd Wirtz hat inzwischen die Planung für die "neue Winzergenossenschaft" vorgelegt. Auch die Kostenaufteilung und die spätere Nutzung sind geklärt. Danach soll die Ortsgemeinde die Außenfassade mitsamt Türen und Fenstern sowie das Dach des Hauptgebäudes renovieren. Die mit rund 57 000 Euro veranschlagte Maßnahme wird aus Mitteln der Dorferneuerung gefördert. Die Winzergenossenschaft übernimmt die komplette Innenrenovierung, die neue Hofgestaltung und den Ausbau des Gewölbekellers. Die dazu veranschlagten 80 000 Euro werden über zinsgünstige Kredite finanziert. Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald und die Genossenschaftsvorstände Gerhard Biewer und Ludwig Scherf rechnen mit einem Baubeginn im Herbst 2010 oder Frühjahr 2011.

Auch nach der Umgestaltung werde die Kooperation fortgesetzt, erklären Ewald und Biewer. Dies bedeutet: Vertragsgemäß erhält die Ortsgemeinde Nutzungsrechte an der künftigen Vinothek. Der Raum soll für Gemeindeveranstaltungen, aber auch private Feste zur Verfügung stehen. Die Winzergenossenschaft übernimmt den Betrieb der Vinothek. Zunächst soll dort an zwei Tagen durch eine Teilzeitkraft Weinberatung und -verkauf stattfinden. Neben den 15 Genossenschaftsmitgliedern können dort auch Winzer aus den Nachbarorten ihre Produkte präsentieren.

Ortsbürgermeister Ewald: "Was wir anstreben, ist die besondere Atmosphäre im Dorfmittelpunkt auch für Besucher und Feriengäste." Kasel wolle offizielle Schwerpunktgemeinde im Fremdenverkehr werden - dieses Projekt werde sich dabei als Hilfe erweisen.

Meinung

Gestalterisch ein Glücksfall

Mit dem Projekt "Winzergenossenschaft" wirkt Kasel einer Fehlentwicklung entgegen, deren Auswirkungen in vielen Dörfern sichtbar sind: verödete Ortskerne mit trist aufbereiteten Altbaufassaden, um die herum sich die Neubaugebiete ausbreiten. Dem will nun Kasel mit verhältnismäßig geringem Aufwand entgegenwirken, wobei sich das historische Genossenschaftsanwesen gestalterisch als besonderer Glücksfall erweist. Abzuwarten bleibt jedoch, wie sich die geplante Vinothek gegen die Weinfachhandelangebote in der nahen Stadt Trier wirtschaftlich wird durchsetzen können. f.knopp@volksfreund.de

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